Unfollow: Zerstört Instagram unser Leben?

Kürzlich habe ich Unfollow. Wie Instagram unser Leben zerstört von Nena Schink gelesen. Die junge Journalistin setzt sich in ihrem Buch kritisch mit der Jagd nach Followern und Likes auseinander. Mit dem Wahn, immer noch perfektere Bilder an noch unglaublicheren Orten zu fotografieren. Und mit dem millionenschweren Business, was bei einigen Influencer*innen mittlerweile hinter den Accounts steht.

Unfollow-Zerstört Instagram unser Leben


Das Buch: Unfollow



Unfollow Wie Instagram unser Leben zerstört von Nena Schink-Rezension

Kurzbeschreibung:

Nena Schink ist süchtig. Ihre Droge: Instagram. Alles beginnt mit einem Experiment: Für das Jugendportal vom Handelsblatt soll sie selbst zur Influencerin werden. Nena, die sich sonst wenig um die Meinung anderer schert, bettelt nun bei ihren Freundinnen um Likes und Kommentare. Sie räkelt sich vierzig Minuten lang im Bikini auf einer Wassermelonen-Luftmatratze, die sie nur fürs Foto mit in den Urlaub genommen hat.

Das Buch ist in drei größere Abschnitte unterteilt: Mein persönliches Erwachen, Die Welt der Influencer und Auf der Suche nach der einen perfekten Instagram-Lösung.

Die Ausgangssituation: Nena Schink soll ein Experiment starten. Sie soll sich in die Rolle einer erfolgreichen Influencerin begeben und mit ihrem Account wachsen.
Daraus erwächst aber eine sehr ungesunde Art der Instagram-Nutzung und plötzlich hat sie tausende Fotos auf dem Handy und nur noch wenig Zeit für die Realität.
Mich persönlich hat das Buch zum Nachdenken gebracht, aber oft den Kopf schütteln lassen. Insgesamt konnte ich mich mit dieser Lebensrealität und diesem Umgang mit Instagram nicht identifizieren. Warum? Das möchte ich anhand einiger Beispiele und Zitate erläutern.
Abschließend möchte ich für mich die Frage beantworten, ob Instagram mein Leben zerstört.

Nena Schink im Gespräch mit ihrer Mutter

Im ersten, persönlichen Abschnitt geht es um diverse Themen. Wie Nena Schink mal eine Luftmatratze nur für ein Foto mit in den Urlaub nahm. Was ihre Mutter zu Instagram und Social Media zu sagen hat. Oder auch Digital Detox.

In einem Interview fragt Nena Schink ihre Mutter:
„Glaubst du, eine Welt ohne die sozialen Netzwerke wäre besser?
[…] Social Media überwindet Grenzen. Das ist schon eine tolle Sache, aber ich finde: Menschen, die in einer Stadt leben, brauchen miteinander nicht via WhatsApp zu kommunizieren.“
S. 60

Das ist die erste Stelle, die ich mir richtig markiert habe, denn ich habe sie mehrmals gelesen und sie stieß mir komplett auf.
Einerseits antwortet Schinks Mutter auf eine vorherige Frage, dass alles nur noch über WhatsApp läuft. Niemand würde mehr telefonieren. Andererseits fände sie es aber besser, wenn man auf WhatsApp verzichten würde.
Ich kann den Gedankengang einer anderen Generation nachvollziehen.
Was mir persönlich aber am Herzen liegt: Ich telefoniere nicht gerne. Was so lapidar gesagt ist, ist für mich persönlich gar nicht so lustig. Ich habe Herzrasen, Schweißausbrüche und brauche wirklich viel Mut, um ans Telefon zu gehen. Bei mir unbekannten Nummern nehme ich gar nicht erst ab. Ich habe schon immer nicht gerne telefoniert, aber seit es mehrere Vorfälle mit einem nicht sehr netten Menschen gab, habe ich da wirklich große Angst vor.
Wenn es beruflich ist, dann geht das noch. Aber bei meinem privaten Telefon habe ich echt einen Horror, wenn ich da telefonieren muss. Da sind mir WhatsApp-Nachrichten deutlich lieber. Da muss ich nicht sofort reagieren, ich kann mir meine Antwort überlegen. Ich muss mir auch nicht lange Zeit nehmen, wie wenn ich telefoniere. Für mich eine wirklich angenehme und viel stressfreiere Form der Kommunikation.

Digital Detox

Die nächste Notiz habe ich mir im Digital-Detox-Kapitel gemacht.
Es geht grob darum, dass Nena Schink ihr Telefon bewusst für ein Wochenende mit Freund*innen und Familie links liegen lässt und sich ganz auf die Wirklichkeit konzentriert.

„Ich beginne, den Augenblick zu genießen. Zu fühlen. Zu erleben.
[…]
Ich verliebe mich in die Farben, die Landschaft. Vielleicht, weil ich alles viel deutlicher wahrnehme als durch meine iPhone-Kamera.“
S. 65

Wenn man so ein buchstäbliches Erwachen fühlt, dann hat man (meiner Meinung nach) wirklich deutlich zu viel Zeit am Handy verbracht.
In diesem Kapitel musste ich stark an meinen letzten Urlaub, oder überhaupt an die letzten Urlaube, zurückdenken. Ging es mir schon mal so? Dass alles sich anders angefühlt hat?
Ja, ich habe von meinem Urlaub auch auf Instagram berichtet. Aber wisst ihr was? Nicht den ganzen Tag. Ich habe mir dafür abends Zeit genommen. Irgendwann zwischen Abendessen und Schlafengehen habe ich den Tag Revue passieren lassen und dabei meine Instagram Storys gefüttert. Tagsüber hatte ich mein Handy weitestgehend in der Hosentasche (hallo Schrittzähler-App). In der Hand hatte ich es, wenn es um den Weg zu einer Sehenswürdigkeit ging, für die die Papierkarte nicht genau genug war. Oder wenn ich einen Schnappschuss gemacht habe. Oder wenn ich den Weg zurück zum Auto gesucht habe. Ja, ich bin kein Orientierungsprofi.
Ich habe oft beim Fahren einfach nur aus dem Fenster geschaut, das Meer und die Berge bestaunt und mich dabei verliebt.
Dass ich ohne Handy plötzlich so viel mehr gesehen habe, das kann ich wirklich nicht nachvollziehen.
Wenn ich einen Schnappschuss mache, dass sind das ein, maximal zwei Fotos. Und dann geht’s weiter. Wenn ich wirklich schöne Aufnahmen mache, dann hole ich meine Spiegelreflexkamera aus dem Rucksack. Damit ist die Qualität deutlich besser.
Und da ich am Ende eines jeden Urlaubs ein Fotobuch erstelle, lege ich auch Wert auf schöne Aufnahmen.

Instagram und Beziehungen

Was in Unfollow. Wie Instagram unser Leben zerstört auch oft ins Gespräch kommt, ist die Beziehung von Nena Schink zu ihrem Partner.
Er muss häufig die Fotos machen und dann kommt es zu Streit, weil Nena Schink sich auf seinen Aufnahmen nicht gefällt. Zeit wird verschwendet, viel negative Stimmung entsteht. Und wofür eigentlich? Die Zeit könnte man ja auch anders verbringen.
Generell diese Paar-Bilder auf Instagram. Wie viel Stress und Zeit das bedeutet und wie wenig man den Menschen selbst genießen kann.

Grundsätzlich stimme ich der Journalistin hier zu. Wozu stundenlang gemeinsam Fotos machen, danach dann in die Bearbeitung gehen und dann eigentlich keine gemeinsame Zeit verbracht haben?
Ich lebe auch mit meinem Partner zusammen, er hilft mir auch bei manchen Fotos. Ich war dann auch schon mal gereizt, wenn etwas nicht so geklappt hat, wie ich das wollte. Was mir dann aber geholfen hat: Klarer kommunizieren, was ich erwarte. Dass er mir zwischendurch zeigt, wies aussieht. Dass er mir selbst auch sagt, wie ich vielleicht den Kopf besser halten kann. Seither sind diese „gemeinsamen Fotos“ sehr schnell erledigt. Da sind wir oft keine 10 Minuten beschäftigt. Ich kümmere mich aber auch allein um einen eventuellen Aufbau. Bisher hat er mir bei einer sehr aufwendigen Verkleidung vorher wirklich stundenlang geholfen. Aber auch da haben klare Kommunikation meiner Vorstellungen und immer wieder absprechen, bezüglich des Stands enorm geholfen. Die Kommunikation nimmt unglaublich viel Druck aus der Sache.
Und da ich meine Fotos meist vorplane, ist das mit der Bearbeitung, dem Hochladen und der Jagd nach Likes auch keine Abordnung, die nacheinander abgearbeitet wird. Wenn ich das Foto habe, dann reicht mir das. Ich bearbeite es, sobald ich die Zeit dafür habe.
Denn abends mag ich eigentlich auch nur noch gemeinsam auf der Couch liegen und eine Serie gucken.
Oder wir sprechen uns ab. Ich mache noch mein Foto und er guckt derweil auf YouTube ein Video.
Aber was ich gerne noch mal wiederhole: Gerade in einer Beziehung hilft oftmals schlichtweg Kommunikation.

Quantität vor Qualität

„Auf Instagram gilt meist: Quantität vor Qualität. Wir fotografieren oft rasend schnell alles ab, anstatt uns die Zeit zu nehmen, gehaltvolle Inhalte mit Mehrwert zu publizieren.“
S. 81

Ich gehe mal von einem normalen Post aus. Meine Bilder mögen tatsächlich bei einigen Leuten langweilig ankommen. Mein Stil muss ja auch nicht jedem gefallen. Bei mir ist es aber eher selten, dass ich den Bildunterschriften keine Aufmerksamkeit schenke. Denn ich bin selbst kein Fan von Captions, die nur aus einem Smiley, oder zwei Wörtern, oder belanglosem Quark bestehen. Und mein Anspruch ist, dass ich in der Bildunterschrift immer noch mal Bezug aufs Bild nehme.
Ja, ich poste möglichst täglich ein Foto. Quantität.
Aber ich versuche auch, mit jeder Bild-Text-Kombination einen Mehrwert für Bücherfreund*innen zu liefern. Warum empfehle ich dieses und jenes Buch. Was ist mir wichtig. Natürlich verändere ich mit meinen Fotos nicht die Welt.
Aber vielleicht kann ich jemanden zu einem neuen Buch inspirieren. Oder in den Austausch gehen.
Oder etwas zu den Themen sagen, die mir wichtig sind. Zum Beispiel Mental Health.
Natürlich bietet auch bei mir nicht jedes Foto einen Mehrwert. Manchmal ist es nur Gedankensalat. Aber mein Leben ist eben auch nicht jeden Tag, jede Woche, so aufregend, dass ich anderen Menschen damit immer eine Inspiration liefern kann.
Auch das ist eben ein bisschen mehr Realität auf Instagram: Ich habe nicht immer etwas mit Mehrwert. So aufregend ist mein Leben nicht.
Dazu passt auch folgendes Zitat.

Lauter perfekte Leben

„Kein Leben ist perfekt. Das muss es auch gar nicht sein.“
S. 186

Ja, scheinbar führen alle Menschen auf Instagram ein perfektes Leben. Wunderbar verallgemeinert, oder? Und wenn sich jemand vermeintlich unperfekt zeigt (ungeschminkt, Haushalt unordentlich, was auch immer), dann ist auch irgendwie diese Unperfektheit inszeniert.
Natürlich könnte ich auch den ganzen Tag die Ecken meiner Wohnung zeigen, wo ich mal wieder Staubwischen müsste. Oder diesen einen blöden Umzugskarton, der im Bücherzimmer steht und der einfach nicht ausgeräumt wird. Weil da so viel Krimskrams drin ist, dass mir schon beim Gedanken daran die Lust aufs Ausräumen vergeht.
Klar, das kann ich alles täglich zeigen, damit es weniger perfekt ist. Heute mag das vielleicht noch spannend sein. Aber wenn ich das ab heute täglich mache, dann nervt das auch irgendwann. Denn ich will auch nicht die Wäscheberge anderer Leute sehen. Klar, es gehört zum Leben dazu. Wenn das mal thematisiert wird – bitte. Aber ich kann mir denken, dass es auch bei euch diese Kramschublade gibt. Dass auch ihr diesen einen Stuhl habt, der hartnäckig einige Kleidungsstücke beherbergt. Das haben wahrscheinlich die meisten Leute. Aber ich habe meine eigene Schublade, die mich nervt. Da möchte ich nicht auch noch 100 andere kennenlernen.
Kein Leben ist perfekt. Es muss auch wahrlich nicht so inszeniert werden und Probleme und blöde Tage sollten auch auf Instagram häufiger thematisiert werden. Aber es muss nicht auf jedem Account zum Dreh- und Angelpunkt werden.
Manche Accounts könnten sich mit ein paar Kramschubladen vielleicht menschlicher präsentieren. Aber die meisten Accounts, denen ich folge, die sind mir durch ihre Art allein schon menschlich genug.

Fake-People

„Instagram-Nutzer, die ihr Gesicht schmälern, ihre Beine verlängern, ihren Taillenumfang verringern und falsche Angaben zu ihrem Aufenthaltsort machen, sind Fake-People.“
S. 189

Spätestens bei diesem Satz habe ich gemerkt, dass es in Unfollow!. Wie Instagram unser Leben zerstört wirklich um eine vollkommen entfernte Version von Instagram geht. Einer Form, die mit meiner Filterblase nur noch recht wenig zu tun hat.
Natürlich gibt es diese Nutzer. Nicht selten lese ich dann irgendwo die Artikel, wenn wieder ein Photoshop-Fail entlarvt wurde, weil da jemand beim Bearbeiten nicht nachgedacht hat.
Aber ich persönlich habe meine Beine noch nie auf einem Foto verlängert, oder mein Gesicht schmaler gemacht.
Klar, ich benutze Filter, verändere Kontraste, achte aufs Licht und weiß auch in etwa, wie ich mein Gesicht ausrichten muss. Aber meistens stelle ich mich ungeschminkt vor die Kamera. Und das muss dann reichen.
Es mag Influencer*innen geben, die ihren Körper mit Photoshop verändern. Für mehr Likes. Mehr Reichweite.
Aber ich persönlich glaube, solchen Accounts folge ich nicht. Das ist nämlich nicht mein Fall.

Zerstören Fotos Augenblicke?

„Wir benutzen die Kamera auf unserem iPhone nicht, um besondere Momente zu konservieren, an die wir uns später einmal erinnern möchten. Nein, wir fotografieren einfach alles, was uns vor die Linse kommt.“
S. 202

Und Fotos zerstören oft auch den Moment des Augenblicks, wie Nena Schink schreibt.
Klar, manchmal muss der Kuchen echt nicht fotografiert werden. Wozu auch?
Aber warum ich das zum Beispiel mache?
Weil ich meistens am Ende eines Monats oder Jahres zurückschaue, was ich so gemacht habe. Da mein Alltag eher eintönig ist, sind es die kleinen Momente, an denen ich mich erfreue. Meist vergesse ich sie aber zu schnell. Wenn ich dann noch mal durch meine Fotos scrolle, dann erinnere ich mich an diesen Nachmittag mit Kuchen und Schokolade und bin glücklich, dass ich das festgehalten habe.
Ich mache ein Selfie, wenn ich mich gut fühle. Das schaue ich mir an, wenn mein Kopf mal wieder der Meinung ist, ich sei zu nichts zu gebrauchen. Natürlich kann man jetzt sagen, ich versuche meine Fotos zu rechtfertigen. Sicherlich fotografiere ich auch viel Unsinn. Aber ich bin mehrmals wöchentlich in meinem Foto-Ordner und lösche dann einfach fix die paar Fotos, die wirklich gar keinen Sinn machen.
Und wenn ich von einer Situation mehrere Fotos mache, dann habe ich mir angewöhnt, sofort danach zu schauen, was am besten aussieht und den Rest sofort zu löschen. So sammelt sich nicht zu viel Müll an.
Ich denke, man muss eben oft einfach schauen, ob es gerade passt. Wenn ich den fiktiven Kuchen aus meinem Beispiel fotografiert habe, dann geht das Handy danach aber auch weg. Möchte ich es posten, dann kann ich das später auch noch machen.
Meist muss man wirklich auch schauen, mit wem man gerade unterwegs ist. Wenn es eine Freundin ist, die auch auf Instagram postet, dann ist das Hochladen nach dem Auslösen kein Ding. Ist es mein Partner, dann mache ich das Foto und lege dann das Handy weg.
Oder ich sage meinem Gegenüber, warum gerade das am Handy jetzt noch so wichtig für mich ist. Und erledige es rasch.
Entweder es ist dann ok, oder man findet einen Kompromiss.

Instagram komplett löschen?

Ob man nun besser komplett mit Instagram brechen sollte? Diese Frage stellt Nena Schink im letzten Kapitel auch an sich selbst.
Wie sie sich entscheidet, müsst ihr wohl selbst nachlesen.
Meine Meinung dazu:
Ja, auch ich verplempere manchmal sinnlos Zeit auf Instagram. Durchschnittlich bin ich etwa 2 Stunden pro Tag dort online. Ich hab mal nachgeschaut.
Ich schaue schon sehr genau, wem ich folge. Diese Einheitsbrei-Influencer*innen, um die es in Nena Schinks Buch eigentlich geht, solchen folge ich gar nicht.
Die Namen, die sie beispielhaft immer wieder aufführt, sind mir ein Begriff. Die hat man alle schon mal gehört. Aber ich habe gar kein Verlangen nach Trends von der Fashion Week und dem neuesten heißen Scheiß von Dior. Oder was für Luxusmarken auch immer. Deshalb folge ich denen gar nicht.
Meine Filterblase besteht größtenteils aus Buchmenschen, Menschen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen und ein paar Koch- und Backfeeds. Natürlich wird es thematisch auch noch ein paar Ausreißer geben. Aber das fasst es ganz gut zusammen.
Ich denke, jede*r Nutzer*in hat eine eigene Verantwortung für seinen*ihren Account.
Jede*r kann selbst entscheiden, wem er*sie folgt, oder wie vielen Accounts er*sie folgt.

Ob es nun mehr Sinn macht, sich mit Freund*innen zum Fotografieren zu treffen, oder lieber zur Familie zu fahren, das muss auch jede*r für sich selbst entscheiden. Manche Menschen haben keine (gute) Beziehung zur Familie. Da ist ein Treffen mit Freund*innen viel entspannter. Und die Frage, ob alle Freundschaften auf Instagram echt sind, das kann man wohl auch nicht alles über einen Kamm scheren. Klar, bei einigen Menschen geht es sicherlich um Follower, Likes und Erfolg. Und manchmal mögen sich Menschen vielleicht auch einfach.
In der allseits perfekten und schillernden Welt von Social Media lässt sich das manchmal nicht unterscheiden.

Im Buch erzählt Nena Schink auch oft, dass sie anderen Leuten die Fotos geschickt hat, die sie auf Instagram posten wollte. Zur Abstimmung, ob sie irgendwie blöd aussieht.
Die Male, die ich meine Fotos vorher irgendwem geschickt habe, für eine Meinung, die kann man an einer Hand abzählen. Wenns mir gefällt, dann poste ich das einfach. Es kann eh nie allen Menschen gefallen.
Schinks Umkreis war dementsprechend irgendwann genervt. Kann ich nachvollziehen.

Der Fokus von Unfollow!

Ich denke, der Fokus von Nena Schinks Buch liegt ganz klar auf den richtig großen und erfolgreichen Influencer*innen.
Die, die auch richtig was mit ihren Accounts verdienen. Und die ja wirklich beinahe alle gleich aussehen. Ähnliche Filter, ähnliche Settings, ähnliche Klamotten. Wenn ich in meinen Vorschlägen, für „tolle“ Bilder teilweise die Influencer*innen durchscrolle, dann verwechsele ich die schnell. Weil ich denke, die hab ich doch gerade schon mal gesehen. Das war aber jemand ganz anderes.

Reflektiert euren Social Media-Konsum!

Nena Schinks Argumente sind auch logisch und ich finde es richtig und wichtig, sich mit dem persönlichen Konsum von Social Media auseinanderzusetzen. Mal zu reflektieren, ob es mir persönlich mit den Menschen und Inhalten überhaupt gut geht. Einfach auch mal jemanden auszusortieren, der mir ständig ein blödes Gefühl gibt. Das ist sehr wichtig und man sollte hier auch unbedingt für sich selbst sorgen und persönliche Grenzen setzen.
Das setzt natürlich ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein und Eigenverantwortung voraus. Dass das in einem gewissen Alter eher noch nicht gegeben ist, das kann ich auch nachvollziehen.
Instagram aber mit dem Gedanken, dass es unser Leben zerstört, komplett schlechtzureden, finde ich falsch.
Natürlich gibt es Menschen, die durch Instagram kaufsüchtig geworden sind. Oder die eine ungesunde Sicht auf ihren Körper entwickelt haben, weil durch Photoshop falsche Ideale kursieren. Oder die ernsthaft depressiv wurden, weil ihr Leben vermeintlich „schlechter“ ist, als das anderer Nutzer.
Aber wenn Menschen nicht stabil sind, sich selbst nicht leiden können, oder was auch immer, dann kann auch das Lesen einer Zeitschrift der Gesundheit (und dem Geldbeutel) schaden. Dann pauschal zu sagen, dass Zeitschriften Leben zerstören, fände ich auch falsch.
Die Instagram-Nutzung lädt sicher zu Diskussionen ein. Und nicht jeder Mensch ist in der Lage, gut für sich selbst zu sorgen und die eigenen Grenzen zu verteidigen. Aber dafür einzig und allein eine App verantwortlich zu machen, das ist zu einfach gedacht.

Sicher kann man die Schuld zuerst woanders suchen. Aber wenn durch meine Nutzung einer App beispielsweise die Beziehung zu meinem*meiner Partner*in leidet, dann ist meine Nutzung der App daran Schuld. Mein Umgang mit meiner Zeit. Ich selbst muss dann an meiner Art und Nutzung etwas ändern. Ich selbst bin für mich verantwortlich.

Ja, Instagram hat auch mich schon mal frustriert. Mich traurig gemacht.
Aber ich weiß mittlerweile, wie ich mit diesen Gedanken umgehe.
Und ich weiß, dass Instagram mir während meiner Schulzeit vielleicht einen Ort gegeben hätte, an dem ich Gleichgesinnte hätte kennenlernen können. Menschen, die auch so viel lesen, wie ich. Und die mich dafür nicht runtermachen.
Instagram ist nicht von Grund auf der Teufel. Man sollte bewusst damit umgehen. Man sollte seine Grenzen setzen.
Und natürlich auch bewusst entscheiden, was und wie man sich präsentiert.
Ob es wirklich notwendig ist, eine Luftmatratze nur für ein Foto mit in den Urlaub zu schleppen… Darüber könnt ihr euch ja auch mal kurz selbst Gedanken machen.

Instagram ist auch später noch da…

Was ich abschließend nur sagen kann und damit schließe ich mich wohl der Meinung von Nena Schink an: Legt eure Handys auch mal weg und genießt einfach, was und wo und mit wem ihr gerade seid. Schätzt eure Realität. Momente sind vergänglich.
Instagram ist später auch noch da.

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Format:Klappenbroschur
ISBN:9783959102629
Erscheinungstermin:Februar 2020
Verlag:Eden Books
Übersetzung:

Comments

  1. Liebe Ramona,

    ich blogge noch nicht soo lange. Ja, es sind jetzt 2 Jahre. Davor bestand für Mich Social Media aus FB, um zu schauen, was meine Freunde so treiben oder welche Veranstaltungen in nächster Zeit stattfinden. Mit dem Bloggen kamen Twitter und Instagram, auf Facebook die Blogseite… Wow, war ich überfordert. Wozu das Ganze? Brauch ich das wirklich? Kann ich mich mit den Menschen nicht so treffen?

    Tja, inzwischen weiß ich, dass ich nicht hätte alles auf einmal machen müssen, Schritt für Schritt wäre besser gewesen.
    Und mir ist auch klar, dass ich die liebsten Menschen aus meiner Filterblase nicht so schnell treffen kann, weil einige doch deutschlandweit verstreut sind, aber Twitter besipielsweise mich super vernetzt.

    Ich habe meine Rotuine mit Social Media gefunden, bin auch jeden Morgen online, zwischendurch nur, wenns mein Tag zulässt. Es ist ok und wenn ich mit dem Real Life, sprich mit anderen Menschen wie Familie und Partner, unterwegs bin, dann ist Social media aus. Fertsch.

    Von daher, sehe ich es wie du, jeder kann selbst bestimmen, was er mit der Möglichkeit anfängt und wie weit es geht.
    Ein gelungener und zum Nachdenken bringender Beitrag.

    Danke & Gruß
    Tina

    P.S. Ich telefoniere privat auch nicht gern und bin froh, dass es Whats App gibt.

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