Rezension: Beginenhochzeit

Klara Winterstein – Beginenhochzeit



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Kurzbeschreibung:
Flandern um 1500: Nach einer harten Zeit voller Entbehrungen lebt Agnes unter dem Schutz der frommen Frauen auf dem Beginenhof in Brügge. Dort arbeitet die eigenwillige Begine als Pförtnerin. Doch als eine ihrer Mitschwestern plötzlich stirbt, ist die Ruhe auf dem Hof dahin: Es entbrennt ein heftiger Streit um das Testament, und der Advokat, der die Beginen unterstützt, gefällt Agnes besser, als ihr zunächst lieb ist. Als dann auch noch eine junge Novizin auf den Hof kommt, die ein Geheimnis zu verbergen scheint, nimmt Agnes‘ Leben eine ungeahnte Wendung.


Ein detailreicher Einblick in das Beginenleben…


Agnes ist seit 15 Jahren Pförtnerin vom Beginenhof in Brügge.
Sie hat eine schwere Zeit mit dem Anlegen der schlichten Beginengewänder hinter sich gelassen. Sie möchte einfach nur vergessen und fortan möglichst fromm durchs Leben gehen.
Das gelingt ihr auch. Sie ist zuverlässig und vollkommen mit sich im Reinen und eine der folgsamsten Schwestern in der Gemeinschaft.
Das ändert sich mit dem Tag, als sie den Advokaten Dietz kennen lernt. Die beiden treffen wegen eines Erbschaftsstreits aufeinander. Eine alte Begine ist erst kürzlich aus dem Leben geschieden, hat lange Zeit in der Mitte ihrer Schwestern verbracht und soll nun trotzdem ihr gesamtes Vermögen der Familie verschrieben haben? Noch dazu ist dieses Dokument erst jüngst, vollkommen ohne Zeugen verfasst worden. Es existiert eine ältere Version, in welcher die Beginen den gesamten Besitz bekommen und dieses Testament ist auch von Zeugen unterschrieben.
Doch welches ist jetzt recht?
Warum sollte die fromme Schwester ihre Meinung geändert haben? Ging dies vielleicht nicht mit rechten Dingen zu?
Agnes hat den Kopf voll und jetzt kommen auch noch neue Novizinnen ins Kloster.
Die Beginen bemerken schnell die frappierende Ähnlichkeit zwischen einer Novizin und ihrer Schwester Agnes. Nur ihr selbst fällt es nicht auf.
Wer kann diese ganzen Geheimnisse lüften und wann wird wieder Ordnung in das Leben auf dem Beginenhof Brügge einziehen?


Die Geschichte erlebt einige Perspektivenwechsel, was ich als Leser sehr angenehm empfunden habe.
Die Sorgen und Ängste erreichen den Leser so besser und er fühlt sich in keiner Situation zurückgestellt oder nicht offen genug behandelt.


Alle Kapitel beginnen mit einem Ausschnitt aus dem Regelwerk für Beginen. Es ist sehr umfangreich und komplex und wirklich jeder Ablauf, jeder Schritt und jedes Wort wird den Frauen erst erklärt, bevor sie es anwenden dürfen. Ob es die Magistra ist, die das höchste Amt ausübt und auf jede kleinste Handlung ein Augenmerk hat und für alles und jedes erst eine Erlaubnis zu erteilen hat.
Oder ob es die Essensregeln für Kranke, die Beherbergungsregeln für Gäste oder die Handhabung von Männern ist, alles hat in diesen Regeln seinen Platz.
Der Leser erhält dadurch einen fast schon intimen Einblick in die Lebensweise der Beginen.
Denn an diese Regeln hatten sie sich zu halten, es sei denn, die Magistra hatte etwas anderes angeordnet.


Für mich war der Begriff „Begine“ an sich schon neu. Da war diese wirklich lückenlose Unterweisung ein großes Plus.


Was manchmal etwas langatmig geworden ist, war die Handlung. Teils könnten einige Sachen weggelassen werden, so würde sich beim Leser mehr Spannung aufbauen.


Aber sonst.: Die Figurenzahl ist überschaubar, die Orte plastisch dargestellt und die Stimmung jeweils sehr authentisch.


Eine Empfehlung zum Kennen lernen einer völlig anderen Lebensweise gut geeignet und von mir gerne weiterempfohlen!


Bewertung:


Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an den Ullstein Verlag!

Deine Meinung ist mir wichtig und ich freue mich, wenn Du mir schreibst!

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