Hat ein Plagiat ein Verfallsdatum?

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Ich komme gerade nach Hause. Ich war auf der Loveletter Covention in Berlin. Zu dieser Veranstaltung rund um die wunderbare Welt der Liebesromane gehe ich nun schon seit einigen Jahren und sie ist zu einem festen Ereignis in meinem Bücheruniversum geworden. Auch, wenn ich noch kurz überlegt hatte, den Besuch dieses Jahr ausfallen zu lassen, so bin ich letztlich doch dort gewesen. Zwar nicht die komplette Zeit, sondern sehr reduziert, aber ich war da. So konnte ich mir ein wenig Ruhe gönnen, nach der ich mich schon seit ein paar turbulenten Wochenenden gesehnt habe und aber andererseits auch meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen.
Da ihr aber sicherlich jede Menge Fotos und Berichte der wundervollen LLC sehen und lesen werdet, wird das hier kein Bericht. Ich erzähle euch nicht, was ich in Berlin erlebt habe. Ich möchte ein ganz anderes Thema ansprechen, welches mich schon im Vorfeld stark beschäftigt hat. Komischerweise tauchte es nirgends auf. Oder es war so klein, dass ich es verpasst habe.

loveletter convention

Ein ehemaliger Star stellt sich vor

Auf der LoveLetter Convention war eine schreibende Frau, ich nenne sie bewusst nicht Autorin, die mir früher schon aufgefallen ist. Zuletzt sah ich sie im vergangenen Jahr auf der Frankfurter Buchmesse und schon da hatte ich mich gewundert. War mir der Name falsch in Erinnerung geblieben? Hatte ich da was verwechselt? Aber als ich dann mitbekam, dass sie sich als „die Autorin von ‚Holunderküsschen‘“ vorstellte, da war ich dann komplett stutzig. Fix recherchiert und wieder arg verwundert. Aber ok, Menschen vergessen schnell. Als ich dann vor einiger Zeit las, dass sie auch zur Loveletter Convention kommen würde, hatte ich mich dann aber wirklich gewundert. Wie kann das sein?

Auf der Bühne in Berlin

Es geht im Detail um eine Frau, die von sich sagt, sie sei Autorin. Dabei bestand ihre erste, schreiberische Leistung darin, die Werke anderer Autoren abzutippen und dann in ihr eigenes Dokument zu kopieren. Es entstand ein sogenanntes Plagiat. Daraus wurde vor ein paar Jahren dann DER Selfpublisher-Bestseller überhaupt. Diese Frau war jetzt am Wochenende auf einer Veranstaltung voller Liebesromanautoren. Und ich fragte mich: Wie kann es sein, dass da niemand etwas sagt?

Ich bin selbst keine Autorin, aber mir stößt diese Geschichte aus einem sehr stark ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl her auf.
Außerdem habe ich leider auch schon die Erfahrung machen müssen, meine Texte auf einem anderen Blog finden zu müssen. Natürlich ohne dabei als Urheber genannt zu werden. Sie wurden als Eigenkreation ausgegeben. Und das tat sehr weh.
Es will mir nicht einleuchten, dass andere Menschen eine Menge Arbeit in ihre Ideen stecken, sie schreiben und schreiben und schreiben und ackern mühsam für ihren Erfolg. Für die Leser. Und dann kommt da jemand anders, der kombiniert einfach schöne Textstellen aus bestehenden Romanen, ein paar Wörter werden noch dazugetippt und schon ist er fertig, der neue Bestseller. Sicher, dieses Suchen, Finden und Auswählen macht sicherlich auch eine Menge Arbeit. Dann muss man aus verschiedenen Geschichten eine neue zusammenbasteln. Respekt, wer sich die Mühe macht. Aber warum kann jemand, der kopiert und betrogen hat, plötzlich wieder als etablierte „Autorin“ auf einer Bühne sitzen?

Habt ihr schon vom Urheberrecht gehört?

Ob ich nun den kreativen Erguss meiner Oma kopiere, oder andere Bücher abschreibe und ins Internet stelle, ich muss immer sagen, dass das nicht von mir ist. Wahrscheinlich wird meine Oma nicht so schnell rauskriegen, dass ich sie um Lob und Ruhm gebracht habe, aber im Prinzip ist es der gleiche Fall. Gedanken haben Urheber. Konkrete Gedanken haben Urheber. Und Bücher könnten gar nicht mehr konkreter sein. Die haben einen Erfinder, der steht sogar dick und groß vorne auf dem Buch drauf. Und meistens auch noch drin. Vorne und sogar hinten.

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Beliebte Ausreden

Welche Ausreden dann nach dem Bekanntwerden des Plagiats kommen, finde ich auch immer wieder interessant. Ein paar Beispiele:

„Die Stellen waren als Platzhalter gedacht.“ Kurz und knapp. Wisst ihr, was ich im normalen Schreiballtag als Platzhalter verwende? Entweder eine schlichte Folge von xxx, oder tbc. Das sind meine Platzhalter. Das geht sicherlich kreativer, aber es erfüllt seinen Zweck.

Die Texte wurden mal als Fingerübung kopiert, dann in der Schublade vergessen und irgendwann, Jahre später, dachte man plötzlich, es wäre die eigene Geschichte. Cool, also ganz schnell mal veröffentlichen.“ Darf ich kurz den Kopf schütteln? Wenn ich mir Texte überlege und sei es nur dieser hier, dann trage ich den vorher schon gefühlt ewig mit mir rum. In meinem Kopf springen die Wörter hin und her und eigentlich ist er dann irgendwann quasi fertig formuliert. Ich muss ihn nur noch schreiben. Mir kann also niemand erzählen, man könne sich am Ende nicht mehr daran, dass es nicht der eigene Text gewesen sei.

Niemand ist unfehlbar!

Natürlich kann man über alles eine eigene Meinung haben. Man kann als Mensch einen Fehler machen. Niemand ist unfehlbar. Wir alle haben schon echt blöde Sachen gemacht, für die wir uns hinterher dann geschämt haben. Aber wisst ihr, was das wichtigste am Umgang mit so einem Fehler ist? Man muss sich danach dafür aufrichtig entschuldigen. Erst dann kann man weitermachen. Erst dann sehen die anderen, dass man wirklich Reue zeigt. Seinen Fehler einsieht. Und man bekommt einen Neuanfang gestattet. Das denke ich jedenfalls.

Ist dieser Fall ein alter Hut?

Sicherlich ist der Skandal aus der Selfpublishing-Szene jetzt schon knapp fünf Jahre alt. 2012 kamen die Vorwürfe auf. Jetzt haben wir 2017. Darf man dann noch nachtragend sein? Mir persönlich hat die Frau nichts getan. Ich habe weder damals ihre literarischen Ergüsse gelesen, noch heute. Ich maße mir kein Urteil über deren Qualität an. Was mich aber stört, ist die Tatsache, dass die fleißige Schreiberin sich kurzzeitig hinter fadenscheinigen Erklärungen versteckte, dann komplett von der Bildfläche verschwand und ein paar Jahre später taucht sie einfach wieder auf. Leser und Autoren, die schon länger in der kleinen Buchwelt des Internets unterwegs sind, denen fällt der Name auf. Er springt ihnen förmlich ins Gesicht. Was muss das für ein Gefühl sein? Wahrscheinlich ein kompletter Schlag ins Gesicht. Allen anderen sagt er nichts. Gras ist über die Sache gewachsen.

Mein Wunsch: Eine offene Diskussion!

Ich nenne ihren Namen in diesem Text bewusst nicht, aber mir ist auch völlig klar, dass er sich sehr leicht herausbekommen lässt. (edit: Das hat sich dann wohl erledigt, da ich auch die Quellen ordnungsgemäß nennen möchte. Ja, jetzt taucht der Name am Ende des Artikels auf.) Schon allein über die Quellen, die ich hier verlinkt habe. Ich möchte aber auf keinen Fall eine Hexenjagd provozieren, denn damit ist niemandem geholfen. Wenn ihr euch informieren möchtet, so könnt ihr das gerne tun, aber bitte unterlasst jegliche Beleidigungen und Anfeindungen hier in den Kommentaren.

Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil ich mir wirklich Gedanken um das Thema mache und weil ich gerne wissen möchte, wie ihr dazu denkt. Kann man ein Plagiat irgendwann einfach vergessen? Muss man sich dafür ehrlich rechtfertigen? Kann man dann als Autorin wieder auf eine Bühne gehen und so tun, als wäre nie etwas gewesen? Und darf man als Veranstalter diesem Menschen eine Bühne bieten?

Weiterführende Links:

Buchreport: Ein Selfpublishing-Star verglüht (Letzter Zugriff: 22.05.17 9 Uhr)

Literaturcafe: Kommentar: Plagiatsvorwürfe gegen Martina Gerckes »Holunderküsschen« (Letzter Zugriff: 22.05.17 9 Uhr)

eBooks-autoren.de: Martina Gercke weiter in der Kritik – neue Vorwürfe gegen Holunderküsschen (Letzter Zugriff: 22.05.17 9 Uhr)

Buchmarkt: Hat Martina Gercke bei ihrem Bestseller „Holunderküsschen“ von Sophie Kinsella abgeschrieben? (Letzter Zugriff: 22.05.17 9 Uhr)

Wikipedia: Martina Gercke (Letzter Zugriff: 22.05.17 9 Uhr)

[nachträglich eingefügt 22.05.17 14:14 Uhr] eBooks-autoren.de: Themenseite: Martina Gercke – Plagiats-Diskussion (Letzter Zugriff: 22.05.17 14:14 Uhr)

Kommentare

  1. MRechtFürAnfänger meint:

    Dieser Artikel – so hohe Ziele er auch hat – ist leider völliger Mumpitz. LOSGELÖST von dem oben angeführten Beispiel deshalb mal ein paar Denkanstöße, wie Kreativwirtschaft im allgemeinen läuft:

    1) Nein, Plagiate sind keine Ausnahme, sie sind die absolute NORM. Verlage gucken bei anderen Verlagen, was gerade covermäßig angesagt ist und kopieren, bis die sog. „schöpferische Höhe“ etwa Kurzflor-Teppichmaße erreicht hat. Grafiker nehmen Bilder von shutterstock und Co., radieren die Wasserzeichen heraus und verändern ein Logo oder Schattenbild noch einmal MINIMALST, um es dann selbst wieder hochzuladen. Es ist die Norm, gewöhnt euch dran. Das heißt nicht, dass so ein Verhalten in Ordnung ist, aber es ist die Norm.

    2) Niemand, der vom „allgemeinen Konsens“ (der hier ja offensichtlich hergestellt werden soll) einmal niedergeschrieben wurde, kommt so schnell wieder richtig auf die Füße. Jeder, der den Namen der Autorin googeln kann, erhält nun diese Einordnung… übrigens von Leuten, die keine journalistische und keine medienrechtliche Ausbildung genossen haben sondern sich einfach mal schnell empören, wenn ihnen danach ist. Wieviel wirtschaftlicher Schaden damit angerichtet wird? Kann ihnen ja Schnuppe sein, sie sind schließlich „im Recht“. Im Recht ist man übrigens, wenn ein GERICHT das festgestellt hat. Es gibt da nämlich so ein Gesetz, das nennt sich die Unschuldsvermutung. Ist vielleicht ein Begriff? Ich jedenfalls konnte nichts von einem rechtskräftigen Urteil gegen die Frau lesen. Und solange es keines gibt, kann der Spieß im übrigen auch schnell herumgedreht werden und eine Klage wegen Rufmordes ins Haus flattern… auch das nur mal ganz am Rande…. Es gilt unter Bloggern scheinbar das Prinzip BILD-Zeitung? Erstmal sagen, später prüfen?

    3) Es ist völlig egal, ob, wo und wann man sich entschuldigt für seine „Vergehen“ entschuldigt. Die selbst gewählten Ober-Inquisitoren der Literaturszene haben sich ihr Bild schon gemacht und in Cäsar-Manier den Daumen runter gezeigt… damit ist das Thema durch. Gericht? Wer braucht denn ein Gericht oder gar ein Verfahren? Die gute alte Lynchjustiz tut es auch. Und das macht mir persönlich – als ganz bescheidenem Teil der Kreativwirtschaft – eine Heidenangst. Nicht, dass Leute Geld mit einer Idee machen, die jemand anderer hatte. Gott weiß, ganz China bezieht sein Kapital genau daraus, aus Piraterie. Sondern, dass die Verurteilung stattgefunden hat, bevor überhaupt ein FB-Statement da ist. Bevor die Faktenlage überhaupt geklärt, geschweige denn verhandelt ist. Wer also im medienrechtlichen Glashaus sitzt, dem kann ich nur mit bester Absicht ans Herz legen, sich selbst den Konjunktiv anzugewöhnen. Denn niemand weiß die Faktenlage. Niemand außer dem Plagiator und dem Geschädigten und im IDEALFALL zwei Anwälte. Das ist ein sehr dünnes Eis für all die Blogs, deren Gehrcke-Verriss mir auf Googles Seite 1 angezeigt wurden…..

    • Hm, ich kann zwar nachvollziehen, dass eine Lynchjustiz sauer aufsteht, aber hier ging es um dutzende Stellen, wo wörtlich Szenen übernommen worden waren und in solchen Fällen, die auch für mich nachvollziehbar sind, bilde ich mir durchaus meinen derzeitigen eigene Meinung. Das heißt nicht, dass ich öffentlich etwas verurteilen muss, aber es heißt, dass ich mir meine Meinung gebildet habe. Für mich ist es auch nicht nachvollziehbar, dass auf einmal wieder alles gut sein soll, da so ein Plagiat in meinen Augen absolut nicht in Ordnung ist, allerdings ziehe ich daraus Rebfläche für mich die Konsequenz, dass ich die Bücher nicht lese. Dass derjenigen dann allerdings im Kreise anderer Autoren eine Plattform geboten wird… Nein, das verstehe ich auch nicht.

    • 1) Die ‚Unschuldsvermutung‘ wurde ausschließlich für das Strafrecht entwickelt und nicht für das Zivilrecht, kommt hier also überhaupt nicht zum Tragen.

      2) „Recht haben“ und „Recht kriegen“ sind zwei verschiedene Dinge, selbst für Juristen. Man ist also, entgegen deiner Behauptung, nicht nur dann „im Recht“, wenn es ein Urteil von einem Gericht gibt. Schon mal was von einem „Vergleich“ oder einer „gütlichen Einigung“ gehört? Letzteres gibt es sowohl gerichtlich als auch außergerichtlich.

      3) Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Nicht Ramona ist hier die, die schlecht recherchiert hat. Dir kann man durchaus den gleichen Vorwurf machen. Mag ja sein, dass die Autorin nicht verurteilt wurde, ABER es spricht eine deutliche Sprache, dass der Verlag damals alle Print-Exemplare sofort aus dem Verkehr gezogen hat und auch das eBook nicht mehr erworben werden konnte. Warum sollte man das tun, wenn die Vorwürfe unberechtigt gewesen wären?

      4) Du willst Artikel von Journalisten? Davon gibt es zu eben dieser Problematik reichlich. Auch Ramona hat nicht nur Artikel von Bloggern verlinkt. Oder was sind die verlinkten Branchen-Magazine für dich?

      5) Sollte sich NIEMAND je an etwas gewöhnen, dass Unrecht ist, nur weil es vielleicht, was ich bestreite, der Norm entspricht. Graphiker, die wie du behauptest, Wasserzeichen ausradieren und die Werke dann als eigene ausgeben, machen sich strafbar. Ich wüsste nicht, warum man sich an so etwas gewöhnen sollte. Wenn du solche Leute kennst, solltest du es vielmehr zur Anzeige bringen, statt sie zu unterstützen, indem du schweigst, wenn „du dich daran gewöhnt“ hast.

    • Ramona meint:

      Hallo anonymer Kommentator,

      ich möchte gerne Stellung nehmen, zu deinen Argumenten.
      Vorweg möchte ich anmerken, dass ich selbst in einem Verlag arbeite, sodass mir gewisse Mechanismen dort doch durchaus vertraut sind.

      1) Eine Ähnlichkeit unter Covern tritt immer wieder auf. Einerseits handelt es sich dabei um Trends. Verlage versuchen sich an einem Stil, das verkauft sich gut und andere ahmen diesen Stil dann nach. Das ist eine gängige Praxis in der Branche, denn natürlich möchte man immer auf einen gut fahrenden Zug aufspringen. Inwiefern Grafiker fremde Bilder manipulieren, um sie als ihre eigenen auszugeben, ist mir nicht bekannt. Bisher ist mir ein solcher Fall nicht begegnet. Sollte so etwas jedoch trotzdem passieren, scheint mir der Grafiker nicht sonderlich seriös zu sein. Da ein solcher Fall großes Aufsehen erregen dürfte, werden die Verlage wohl zu solchen Praktiken auch nicht greifen. Wenn du dafür ein Gegenbeispiel hast, so lass es mich gerne wissen.

      2) Tatsächlich habe ich keine rein journalistische oder juristische Ausbildung genossen, aber auch ich hatte das Glück, einige Stunden Unterricht im Recht zu bekommen. Das gehört zur Ausbildung dazu. Ich habe mich nicht einfach empört, weil mir danach war. Empörung bedeutet laut Duden: „von starken Emotionen begleitete Entrüstung als Reaktion auf Verstöße gegen moralische Konventionen“. Wenn ich meinen Artikel nochmal gegenlese, so stoße ich nicht auf starke Emotionen. Ich wetze weder die Heugabeln, noch verteile ich eine Runde Fackeln. Ich erläutere auf einer sachlichen Ebene die Faktenlage. Nicht mehr und nicht weniger. Ich betreibe auch keinen Rufmord. Mir das allerdings zu unterstellen, empfinde ich als sehr unschön. Rufmord setzt eine Verleumdung voraus und das habe ich an keiner Stelle getan. Geprüft habe ich meinen Artikel ebenfalls. Die Quellen sind ganz am Ende des Artikels zu finden.

      3) Ich habe niemanden verurteilt. Da kann ich mich nur wiederholen. Und da Martina Gercke mittlerweile fünf Jahre Zeit hatte, sich zu rechtfertigen/ zu entschuldigen, denke ich auch, dass ich keinen vorschnellen Artikel geschrieben habe.
      Dieses Argument könnte ich verstehen, wenn die Beweise gestern aufgekommen wären und ich mir heute dazu diesen Artikel erlaubt hätte. Dem ist aber nicht so.

      Sicherlich besitze ich nicht das Wissen von Martina Gercke selbst, oder von den Verlagen, die mit ihr Vereinbarungen abgeschlossen haben. Ich bin „nur“ ein Leser, der die Dinge von außen betrachtet und sich nach einem Fehler eine Entschuldigung gewünscht hätte. Die seit Jahren nicht erfolgt ist.

      Da ich weder Frau Gerckes E-Books und auch sie als Person nicht verrissen habe, setze mich bitte nicht so unsachlich mit anderen Blogs gleich, auf die du hier so lapidar verweist. Ich habe in keiner Zeile auf andere Blogger Bezug genommen.

      Viele Grüße
      Ramona

      • Christian Bass meint:

        1) Einmal kurz zu den „manipulierten“ Bildern. In Deutschland unterliegen die Bilder Deutscher Fotografen dem Urheberrecht, welches minimal anders ist, zu dem Urheberrecht von Autoren. Jedoch eine Bildmanipulation ist generell in Deutschland nicht erlaubt (Ausnahmen bestaetigen die Regel).
        Aber vieler Graphiker sitzen nicht in Deutschland, unterliegen nicht dem Deutschen Urheberrecht. Viele sitzen zB in Amerika und dort darf nach der Fair-Use-Regellung ein Bild manipuliert werden und sobald es sich dadurch deutlich vom Original unterscheidet, ensteht ein neues Kunstprodukt, auf welches erneut ein Urheberrecht liegt und zwar desjenigen, der es geschaffen hat, was nicht der Original Grafiker oder Fotograf sein muss.
        Was also auf den ersten Blick wie eine „Straftat“ aussieht, kann am Ende ganz legal sein.

        Und einmal im Allgemeinen zu M.G.:
        Sie hat, wie jeder andere Mensch auch, eine zweite Chance verdient. Wenn sie es fuer richtig haelt, sich der Oeffentlichkeit zu stellen, dann ist es ihre freie Entscheidung. Sie hat ihre Strafe erhalten und damit ist ihre Schuld abgegolten. Bringt es uns irgendetwas, darauf herumzureiten? Sie hat einen kriminellen Fehler gemacht und anscheinend aus ihm gelernt. Bei mir muss sie sich nicht dafuer entschuldigen, sondern bei jenen Autoren, bei denen sie abgeschrieben hat und auch bei ihren Lesern – wenn diese ihr verzeihen, warum sollen wir ihr nachtragend sein?
        Und wenn wir ihr nachtragend sind, muessen wir dann nicht auch Uli Hoeness nachtragend sein, der sass wegen Steuerhinterziehung im Knast, hat also uns allen irgendwie geschadet und ist, seit er auf Bewehrung rauskam erneut Bayernpresident (oder Manager?)?

    • Wenn ich den Nickname „MRecht für Anfänger“ und dann Deinen Kommentar lese, dann weiß ich wieder, warum Rechtsberatung in Deutschland den Juristen vorbehalten ist.

      (1)
      Sich hier groß zu machen und mit Begriffen wie „Unschuldsvermutung“, „rechtskräftiges Urteil“ und „Lynchjustiz“ um sich zu werfen und dann allerdings die These vortragen, dass man sich an Coverklau und ähnliches gewöhnen sollte, weil es nun mal tagtäglich praktiziert wird, widerspricht sich ja schon in sich. Auch Fotos und Bilder unterliegen dem Urheberrecht und sind geschützt. Sollte dort abgekupfert werden, dann bin ich davon überzeugt, dass kein Verlag da die Füße stillhält, nur weil „alle anderen das auch machen“.

      (2)
      Auch ohne journalistische Ausbildung darf sich jeder eine Meinung bilden und die auch im Internet veröffentlichen. Aber da Du ja juristisch bewandert bist, wird die Art.5 GG bestimmt was sagen. Wo da dünnes Eis ist, will sich mir nicht so recht erschließen, da hier nicht gehetzt, sondern einfach nur eine persönliche Meinung widergegeben wird.
      Du gehst hier Blogger an, weil sie sich zu einem Thema äußern, ohne eine journalistische Ausbildung vorzuweisen, spielst Dich hier aber wie ein Advocatus diaboli auf, ohne (offenkundig) selbst über eine entsprechende Ausbildung zu verfügen. Immer schön vor der eigenen Haustüre kehren, gell…

      Was die Unschuldsvermutung angeht: also die gilt zunächst einmal nur im Strafrecht zu Gunsten des Beschuldigten. Von einem Strafverfahren konnte ich im Hinblick auf die Autorin allerdings nirgends etwas finden.
      In der Schwebe hing allerdings wohl ein Zivilverfahren, wo es eine Unschuldvermutung gar nicht gibt. Soviel erst einmal dazu. Und wenn man Google ein wenig bemüht (wobei ich nun einfach mal unterstelle, dass die Fakten dort stimmen, beschwören kann ich es nicht), dann findet man Hinweise darauf, dass zwischen dem Verlag und der Autorin wohl Schadensersatzansprüche streitig waren, wobei die Sache nachher durch einen Vergleich beigelegt wurde. Ein Urteil gibt es also deshalb nicht, weil der Verlag der Autorin hier entgegengekommen ist oder die Autorin dem Verlag, wie man es auch sehen will.

      (3)
      Was die Sache an sich angeht: ich hab davon erst gestern überhaupt erfahren, als ich Ramons Tweed gesehen habe. Prinzipiell stehe ich auch hinter dem Gedanken, dass „Täter“, die ihre Tat gebüßt haben, eine zweite Chance erhalten sollten. Außer, dass das Buch vom Markt genommen wurde (was wohl selbstverständlich ist) und die Autorin den Schaden, den sie angerichtet hat, auch bezahlen musste (was keine Strafe, sondern ein gutes Recht des Verlages war), konnte ich nirgends auch nur eine Stellungsnahme der Autorin finden. Gerade wenn man irgendwann einmal wieder ernst genommen werden will, dann sollte man zu seinen Fehlern stehen und das ganz nicht still schweigen, um dann 5 Jahre später einfach wieder aufzutauchen, um so zu tun, als wäre nie etwas gewesen.

      Ich bin selbst ebenfalls schon Opfer von Rezensionenklau geworden. Und am meisten weh getan hat mir, ehrlich gesagt, dass der- oder diejenige, die Texte nachher zwar wieder offline genommen hat, aber sonst nie etwas kam. Keine Erklärung, keine Entschuldigung…. Und das wäre einfach eine Frage des Anstands und des Respekts vor der Arbeit anderer. Und genau DAS kann man der Autorin meiner Meinung nach auch heute noch vorwerfen.

      Ich kann Deinen Post daher sehr gut verstehen und genau so unterschreiben, liebe Ramona. Außerdem finde ich es sehr mutig, dass Du hier Stellung bezogen hast. Vielen Dank dafür!

    • Martha meint:

      @MRechtfürAnfänger

      Dass viele etwas tun, heißt nicht, dass dies nicht strafbar oder schäbig wäre. Ich bin Ramonas Meinung und frage mich, warum diese „Plagiateuse“ eine so prominente Rolle bei der diesjährigen LLC gespielt hat.

      Hier handelt es sich keinesfalls um Rufmord, denn die so genannte Autorin hat plagiiert und sich NIE bei den Betroffenen entschuldigt. Bei ihren Leserinnen und Lesern übrigens auch nicht, was ich ebenso unerhört finde.

      Es gab eine außergerichtliche Einigung. Sie hat eine Strafe gezahlt. Auf Basis ihrer aus den entsprechenden Büchern generierten Gewinne. Die Zahlungen gingen an soziale Einrichtungen. Wenn Sie so wollen, hat sie sich freigekauft. Etwas, das nicht unüblich ist, wenn zu befürchten steht, dass die Opfer durch eine gerichtliche Klärung noch ein zweites Mal zu Opfern und damit auch öffentlich beschädigt werden. Sie wissen das.

      Wenn Sie den Rest nicht glauben möchten, fragen Sie einfach mal bei Rainer Dresen nach. Er hat diese außergerichtliche Einigung begleitet.

      Vorher lesen Sie lieber diesen Beitrag:
      http://www.buchmarkt.de/archiv/nachschlag-im-plagiatsfall-martina-gercke-weitere-platzhalter-aufgetaucht/

  2. Liebe Ramona,

    danke für deinen Beitrag. Ich habe es so langsam satt, dass man in der Literaturbranche unbequeme Dinge nicht ansprechen darf, ohne der „Hexenjagd“ oder „öffentlichen Kreuzigung“ bezeichnet zu werden.

    Was läuft da falsch bei Verlagen und der LoveLetter Convention, wenn (meinetwegen ehemalige) PlagiatorInnen eine Bühne bekommen? Und dann regt man sich über E-Book-Piraterie auf? Was für eine Heuchelei! Ich habe dafür keinerlei Verständnis, weil es sicherlich genügend ehrliche AutorInnen gibt, die eine Chance auf Bühne verdient hätten.

    Eine Chronologie der Ereignisse gibt es übrigens hier:

    http://ebooks-autoren.de/martina-gercke-plagiats-diskussion/

    In diesem Sinne: Weiter raus der Flauschzone.

    Liebe Grüße
    Suse

  3. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass dieser Fall damals offenbar völlig an mir vorbei gegangen ist und ich absolut nichts davon mitbekommen habe. Generell beschäftige ich mich auch sehr wenig mit der Self-Publishing-Szene. Außer Carina Bartsch sind mir kaum Namen bekannt. Mir war die betreffende Autorin daher völlig unbekannt, sodass ich ihr unvoreingenommen gegenüberstand und sie sogar recht sympathisch fand. Umso geschockter war ich, als ich gestern auf Twitter von der Problematik erfuhr.

    >> Kann man dann als Autorin wieder auf eine Bühne gehen und so tun, als wäre nie etwas gewesen? Und darf man als Veranstalter diesem Menschen eine Bühne bieten?

    Diese Fragen kann ich nur mit einem klaren ’nein‘ beantworten. Wie du schon sagst, ist niemand unfehlbar, und vielleicht hätte sie eine zweite Chance verdient. Allerdings nur, wenn sie sich aufrichtig entschuldigt hat, Reue zeigt und sich mit dem Problem auseinandersetzt. Untertauchen und dann neu anfangen, als wäre nie etwas gewesen, in der Hoffnung, dass sich niemand mehr daran erinnert, ist für mich keine Option bzw. kein guter Weg. Wer, wie ich, nichts davon wusste, wird in ihr nur eine weitere Autorin von vielen sehen. Es ist also an anderen, auf das Problem hinzuweisen, so wie du es mit diesem Artikel getan hast. Und nein, ich würde das nicht nachtragend nennen, denn die Kritik bzw. der Vorwurf ist als solcher ja gerechtfertigt, denn, wenn ich das richtig nachgelesen habe, hat sich der Vorwurf damals ja tatsächlich bestätigt und derlei Ausreden sind alle andere als glaubwürdig. Zumal sich mir absolut nicht erschließt, welchen Sinn es hat, andere Texte „als Schreibübung“ abzutippen. Soll man dadurch lernen schneller zu tippen oder wozu soll das überhaupt gut sein? Auch ich benutze nie fremde Texte als Platzhalter, auf die Idee käme ich gar nicht. Ich benutze irgendwelche Zeichen oder Textbausteine aus meinen eigenen, ähnlichen Vorlagen, die ich dann allerdings deutlich farblich kennzeichne, damit ich weiß, dass ich diese erst noch bearbeiten/schreiben muss.

    Wie dem auch sei, ich finde es gut, dass du noch einmal darauf aufmerksam machst. Für mich mangelt es der „Autorin“ durch diese Geschichte an Glaubwürdigkeit und ich finde, dass die Organisatoren der LLC ihr keine Bühne hätten bieten sollen. Als bloße Moderatorin, die sie bei manchen Veranstaltungen war, okay, aber als Autorin auf einer Bühne über die eigene Arbeit zu sprechen – sehr, sehr grenzwertig und bedenklich. Vor allem, wenn die ganze Sache einfach unter den Tisch gekehrt wird statt offen darüber zu sprechen.

    • Kann ich dir ain allen Punkten (abesehen vom schreiben :D) so zustimmen. Ich kannt die ganze Sache auch nicht, war damals auch noch nicht in der Bloggersezen und hatte mit Self-Publsihern gar nichts am Hut. Umso besser, wenn sich jemand traut, das ganze noch einmal anzusprechen. Klar, jeder hat eine zweite Chance verdient und darf auch irgendwann mal wieder neu anfagen, ohne dass man immer wieder die alte Leier anwirft. ABER—eben nur dann, wenn sich aufrichtig für einen Fehler, nein, nicht Fehler – eine Straftat!, denn es ist nun mal ein klarer Verstoß gegen das Urheberrecht gewesen…entschuldigt und Reue zeigt und zeigt, dasser weiß, dass das absolut überhaupt nicht ok war. Was ja scheinbar absolut nicht der Fall war. Auch ich finde, dass andere die Bühne eher hätten bekommen sollen und nicht jemand, der in meinen Augen dann auch einfach ein schlechtes Vorbild für all die jungen Leute da draußen sind, für die Self-Publisher und Autoren auch irgendwo Vorbildfunktion sind. Danke, dass du den Mut hast, dass anzusprechen Ramona!

  4. andersdenkend meint:

    Autsch
    Du schreibst du nennst keinen Namen und verlinkst dann fleißig den Namen unten.

    Ich schreibe zwar nicht so scharf wie „MRechtFürAnfänger“, sehe es aber in Ansetzen auch so. Wenn jemand für eine Strafe gebüst hat, sich wieder aufrappelt – dann hat er nach meinem sehr ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl – wirklich eine zweite Chance verdient.

    Ich habe Gedichte geschrieben, einige sind auch veröffentlicht worden. Auch diese sind geklaut, kopiert und als eigene wiederverwendet worden. Ich kann es also auch etwas verstehen.
    Auch verstehen kann ich es, wenn der/die Geschädigte solche Beiträge schreiben würde.

    Aber ich bin da anscheinend wirklich fast ganz allein mit meinem Gefühl für…..

    • Ramona meint:

      Hallo,

      ja, zuerst war der Artikel wirklich vollkommen frei von ihrem Namen.
      Nachdem ich aber die Quellen halbwegs ordnungsgemäß nennen wollte, war das dann vorbei.
      Ich habe meinen Satz aus dem Artikel um einen Hinweis dazu ergänzt.

      Natürlich hat jeder eine zweite Chance verdient. Jeder Mensch macht mal Fehler. Das habe ich auch überhaupt nicht anders oben geschrieben.

      Viele Grüße
      Ramona

  5. Huhu 🙂

    Ich habe ja, so wie du, eine Ausbildung im Verlag gemacht und da haben wir uns natürlich auch viel mit dem Thema beschäftigt. Seitdem ich dann damals noch von diesem Fall gehört habe, kann ich darüber wirklich nur den Kopf schütteln. Uns wurden damals in einer Info-Schulung Beispiele gezeigt und auch die rechtlichen Auswirkungen für die Plagiatoren. In deren Schuhen möchte ich nicht stecken…

    Die jeweiligen Namen haben jetzt doch irgendwie einen unschönen Beigeschmack und ich kann mir vorstellen, dass man beim Lesen noch mehr darauf achtet, ob einem dies und jenes schon bekannt vorkommt. Man hat es im Zweifelsfall eben im Hinterkopf und das nimmt einem ja auch den Spaß am Lesen. Und für die Selfpublisher, die sich die Mühe machen eigene Texte zu schreiben ist das zusätzlich unglücklich, da so der allgemeine Ruf den Bach runtergeht.

    Liebe Grüße
    Miriam

  6. Jürgen Edelmayer meint:

    Hier noch ein informativer Artikel des Literaturcafés. http://www.literaturcafe.de/kommentar-plagiatsvorwuerfe-gegen-martina-gerckes-holunderkuesschen/ Diesem Blog kann man m.E. nicht einfach Bild-Zeitungsniveau unterstellen. Nach der Lektüre und dem Lesen der Buchmarkt-Interviews mit dem Justitiar von Random-House habe ich jedenfalls nicht den Eindruck gewonnen, dass hier Rufmord betrieben wird. Dass Textstellen in Manuskripte eingefügt wurden, wo sie nicht hingehören, scheint mir unstrittig. Offen ist wohl nur die Frage, ob dies bewusst geschehen ist. Die von der sich dem Plagiatsverdacht ausgesetzt sehenden Person hat mit ihrer Platzhaltererklärung u.a. auch mich nicht überzeugen können. Plagiate sind keine Kavaliersdelikte.

    • Ramona meint:

      Hallo Jürgen,

      danke dir, dass du den Artikel nochmal erwähnst.
      Ich habe ihn oben auch schon unter meinen Quellen verlinkt, denn ich finde ihn auch sehr sachlich und gut.
      Damit lässt sich eine Meinung bilden.
      Viele Fragen bleiben offen. Und ich denke, es wäre schön, wenn sich das auch mal ändern würde.

      Viele Grüße
      Ramona

      • Jürgen Edelmayer meint:

        Hallo Ramona,

        stimmt, deinen Link habe ich übersehen. Wäre nicht nötig gewesen, ihn nochmal aufzuführen.

        Viele Grüße

        Jürgen

        • Ramona meint:

          Ach, kein Problem. Doppelt hält besser…
          Außerdem zeigt es, dass wir den gleichen Gedanken hatten!

          Viele Grüße
          Ramona

  7. Jürgen Albers (@dr_juergen) meint:

    Als ich gestern die Ankündigung für diesen Blogbeitrag las, war ich ehrlich gespannt. Einerseits auf den Beitrag selbst, aber noch mehr auf die Reaktionen der üblichen Empörten, die quasi reflexartig die Gegenposition einnehmen ohne den Beitrag überhaupt richtig gelesen zu haben. Dazu meine Anmerkungen:
    1. Ich habe selbst mehrere Bücher geschrieben und veröffentlicht, wissenschaftliche, wie nicht-wissenschaftliche. Ich habe als Herausgeber einer Reihe, wissenschaftliche Bücher über zehn Jahre betreut. Und ich habe als Gutachter ca. 300 wissenschaftliche Arbeiten (Diplomarbeiten, Bachelor- und Master-Thesis) betreut. In all diesen Funktionen habe ich mit Plagiaten und der Gefahr von Plagiaten zu tun. Deshalb erlaube ich mir hier und generell eine Meinung zu diesem Thema.
    2. Als Autor übe ich durchgehend Selbstdisziplin, in dem ich mich während des Schreibens und Überarbeitens immer wieder frage: Ist das dein Gedanke? Hast du diese Formulierung irgendwo schon einmal gelesen oder ist es wirklich deine? Und ja, es IST manchmal schwer, das eine vom anderen zu trennen. Wer sein Leben lang liest, hat automatisch Millionen von Bildern und Sätzen, Halbsätzen etc. im Kopf. Und natürlich gibt es auch den Zufall. Aber immer, immer und ausnahmslos muss das eigene schöpferische Tun davon geprägt sein, Eigenes zu schaffen. Wer es von vornherein darauf anlegt, zu plagiieren, dem fehlt es ganz offensichtlich an der charakterlichen Reife. Was Menschen zum Plagiieren treibt? Zeitnot, Erfolgsdruck oder Faulheit? Wer kann das im einzelnen Fall entscheiden? Das maße ich mir nicht an. Aber Plagiate sind – wie auch im Fall der genannten Autorin – durchaus rechtssicher zu erkennen. Die Plagiate der genannten Autorin sind dokumentiert. Das ist Fakt. Vor Gericht hat es eine dokumentierte Einigung gegeben, über die zwar Stillschweigen vereinbart wurde, die aber eines deutlich macht: Es war kein Freispruch. Und warum es keinen Freispruch gab, kann sich jeder selbst ausmalen.
    3. Wann sollte über so eine Sache Gras gewachsen sein? Eine schwierige Frage. Einerseits bin ich Anhänger der Resozialisierung. Wenn Übeltäter, egal welcher Couleur, quasi lebenslang ausgeschlossen bleiben, dann sollte man lieber gleich so konsequent sein wie der Stalinismus in seiner übelsten Zeit. Da gabs Genickschuss und Schluss. Ist man für solche alttestamentarischen Urteile aber zu zart besaitet, dann muss man eben auch ertragen, dass Übeltäter irgendwann auch wieder auftauchen. In der Hochschule wird eine plagiierte Arbeit mit sechs bewertet. Durchgefallen. Aber – der Prüfling erhält eine frische, neue Chance und kann theoretisch mit der neuen Arbeit eine 1,0 ernten. Reue wird übrigens nicht erwartet und ist auch keine Voraussetzung dafür, wieder neu zugelassen zu werden. Hier haben wir aber keine wissenschaftliche Arbeit, die in den meisten Fällen in den Aktenschränken der Hochschulen auf nimmer Wiedersehen verschwindet, sondern wir haben eine Ware, die verkauft wurde. An gutgläubige Leser. Und wie ist es hier mit der Reue? Hat sich die Autorin gebessert? Das muss stark bezweifelt werden, denn auch in den überarbeiteten Versionen ihrer ursprünglichen Veröffentlichungen fanden sich weiterhin deutliche Plagiate. Ich erspare mir hier, die entsprechenden Quellen herauszusuchen. Jeder kann das leicht selbst machen.
    4. Und wie ist es jetzt mit dem Podiumsauftritt? Das ist für meine Begriffe eine Frage des Geschmacks – der Veranstalter, der Autorin, ihres Verlages. Ich wäre – nur vier Jahre nach den letzten Vorwürfen – nicht aufs Podium gestiegen. Oder wenn, dann nur, um über Plagiate und mangelnde Moral zu diskutieren. Um einen Teil meiner eigenen Schuld dadurch abzutragen, dass ich andere warne und aufkläre. Dies ist übrigens weder blauäugig, noch selten. In der Drogenszene oder auch bei Aussteigern aus der rechtsextremen Szene ist es häufig, dass die Menschen das Bedürfnis nach innerer Reinigung haben und sich öffentlich und klar positionieren. Sie können authentische Botschafter sein und Großes bewirken. Ich habe allerhöchsten Respekt vor Menschen, die sich das antun.
    5. Und noch ein paar letzte Sätze zu dem so empörten ersten Kommentar: Zu argumentieren, man müsse sich an den Verfall von Sitte und Anstand, von Recht und Moral gewöhnen, weil das eben so sei, quasi ein Zeichen der Zeit, ist grundfalsch. Wer Recht und Moral will, muss dafür einstehen und kämpfen. Heute, morgen und wahrscheinlich bis zum jüngsten Tag! Mir geht dieses ewige ‚macht ja jeder‘-Gefasel gehörig gegen den Strich. Kein Rechtsbruch, kein Plagiat wird dadurch weniger schwerwiegend, dass es immer mehr Täter gibt. Täter ist immer der Einzelne, der sich am Scheideweg zwischen Recht und Unrecht für den falschen Weg entscheidet. Ihn allein trifft die Verantwortung, nicht eine Masse, die es vermeintlich auch so macht. Wenn wir einmal diesem Gedanken Raum geben, wenn wir Dinge zulassen, weil es alle oder viele machen, dann wird aus Ordnung Chaos. Schon viel zu viele schlechten Entwicklungen keimen aus genau diesem Gedanken. Warum gibt es so viel Hate-Speech, warum so viele Anfeindungen gegenüber Behinderten, Homosexuellen, politisch Andersdenkenden etc., etc.? Weil es ja so viele machen. Bei diesem Gedanken zitiere ich mal Max Liebermann: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

    • Jürgen Edelmayer meint:

      Hallo,

      vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar. Ich finde ebenfalls, dass der Verweis auf angeblich übliche Praktiken keine Entschuldigung für ein Vergehen wie der Diebstahl geistigen Eigentums ist.

    • Dem stimme ich voll und ganz zu – bis auf eine Kleinigkeit:

      „Reue wird übrigens nicht erwartet und ist auch keine Voraussetzung dafür, wieder neu zugelassen zu werden.“

      Das wird von Uni zu Uni und von Fachbereich zu Fachbereich unterschiedlich gehandhabt. An einigen Fachbereichen in Deutschland ist es mittlerweile durchaus üblich, dass Plagiatsvorfälle bei Hausarbeiten vor den Prüfungsausschuss gebracht werden (sollen) und der Student ein Gespräch mit dem Institutsleiter oder Vorsitzenden des Prüfungsausschusses führen muss, bevor eine Neuanmeldung möglich ist. (Natürlich muss man in so einem Zusammenhang unterscheiden zwischen Studis, die aus Schusseligkeit hier und da mal ein Anführungszeichen weglassen, und den Leuten, die vorsätzlich plagiieren und denken, sie könnten ihren Dozenten für dumm verkaufen.)

      • Jürgen Albers (@dr_juergen) meint:

        Uy, danke Sandra. Da sieht mans mal wieder: Niemand kennt die ganze Welt. Nun tummel ich mich schon seit 25 Jahren an allen möglichen Unis herum, aber so eine Regelung ist mir noch nicht untergekommen. Halte ich aber für gut. Auch um wirklich auch Einsicht in das eigene Tun zu fördern. Danke für den Hinweis!

    • Rena Fischer meint:

      Vielen Dank für diese klaren Worte. Insbesondere Ihren Punkt 5 betreffend. Wie kann der Verfasser des ersten Kommentars davon ausgehen, dass dieses Verhalten „Norm sei“ und man „sich daran gewöhnen müsse“? Und gleichzeitig wird mit Vokabular wie „selbsternannter Ober-Inquisitor der Literaturszene“ und „Lynchjustiz“ angegriffen, um Appelle an die guten Sitten und Moral zu diskreditieren!
      Wie Sie ganz richtig sagten: Jeder muss ganz persönlich für sich selbst die Entscheidung treffen, welchen Weg er wählt: Recht oder Unrecht. Das ist es doch, was wir unseren Kindern schon beibringen, wenn es beispielsweise um das Thema Mobbing an Schulen geht. Wie verlogen ist es da, wenn erwachsene Menschen sich auf ein „Gruppenrecht“ mit äußerst fragwürdiger Moral berufen.

  8. Ich spreche hier mal als Leser, Blogger, Buchliebhaber.
    Mir werden viele Bücher von Selfpublishern angeboten und ich freue mich immer, wenn ich solchen Autoren helfen kann, es auf dem hart umkämpften Autorenmarkt zu etwas zu bringen.
    Wenn mir aber dreist Plagiate untergeschoben werden, dann werde ich echt sauer. Ist mir leider schon zweimal passiert…
    Was aber das Schlimmste an dieser Masche ist: die Selfpublisher, die sich den Hintern aufreißen und viel harte Arbeit in ihre Werke stecken, die leiden dann alle unter dem schlechten Ruf.
    Ich habe es schon oft in Buchgruppen und Foren gelesen: von Selfpublishern nehmen wir keine Bücher, sind zu oft Plagiate bei… super… fein gemacht, Möchtegern-Autoren!
    Und ich denke, wer es nötig hat zu klauen, hat kein Talent und der wird es auch nach zig Jahren dann zu keinem vernünftigen Buch aus eigener Feder schaffen!
    (Und für diese Erkenntnis muß ich nicht Journalismus studieren)

    • Jürgen Albers (@dr_juergen) meint:

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Das genau sind nämlich die Folgen, wenn jeder nur an sich denkt!

  9. Hallo Ramona,
    ich war auch auf der LLC am Wochenende und mir war dieser Fakt nicht bekannt. Ich kannte die Autorin bis dato auch nicht. Was du hier nun schreibst, hat mich doch etwas schockiert. Ich habe mir ein paar Artikel durchgelesen. Ich stimme hier einigen Kommentatoren zu, dass sie sicher eine zweite Chance verdient für ihre neuen Bücher (bei denen sie hoffentlich von Plagiaten Abstand genommen hat), aber ich habe bei Amazon geschaut und Holunderküsschen ist ja wohl jetzt wieder zu haben. Das übersteigt aber jetzt so ein bisschen meine Vorstellung von zweiter Chance, Wie du schon richtig fragst: Gibt es wirklich eine Verjährung von Plagiat nur weil man sich geeinigt hat? Es bleibt doch ein Plagiat. Ich finde es unglaublich, dass dieses Buch nun wieder verkauft wird als ob nichts gewesen wäre? Das finde ich nicht in Ordnung. Leider weiß ich nicht, ob es dieses Buch auf der LLC gab. Auch das würde von Seiten der LLC nicht in Ordnung finden, weil sie sie dann als Plattform unterstützen würden.

    • Zumindest das kann ich beantworten: Nein, das Buch „Holunderküsschen“ gab es auf der LLC nicht, jedenfalls nicht während der Signierstunde. Dort hat sie das Buch „Liebe auf den ersten Blitz“ signiert.

    • Ramona meint:

      Hallo Jenny,

      ich bin ebenfalls der Meinung, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient hat. Aber man muss dazu zu seinen Fehler stehen. Man darf nicht einfach still und heimlich hoffen, dass die Umwelt einem alles vergibt.

      Liebe Grüße
      Ramona

      • Hallo Ramona,

        da stimmen ich mit dir völlig überein. 🙂 Eine Entschuldigung hätte sie schon mal vorbringen können.

        Liebe Grüße,

        Jenny

  10. Hallo Ramona,
    Du sprichst mir wirklich aus der Seele. Ich beobachte ihr „comeback“ auch schon seit der Frankfurter Buchmesse und bin total verwundert, dass sich außer mir scheinbar niemand daran erinnern möchte, was geschah. Nein, ich würde sie sicherlich deswegen nicht angreifen wollen – weil alles irgendwann mal wieder gut sein sollte. Aber ich würde einen Teufel tun und jemals wieder was von ihr kaufen, lesen oder bewerten. Ich persönlich finde einfach, das alles ist nicht entschuldbar, mit welchen Ausreden auch immer. Sie war ja nicht die Einzige, es gab ja noch weitere, auch dort würde ich es einfach nicht wieder hinnehmen wollen. Ich habe auch lange überlegt, ob ich bei einer gerade laufenden .. hmm .. Aktion auf FB überhaupt mitmache, da sie dort als Autorin teilnimmt, aber mir täte das für die anderen Autoren leid, alle zu meiden. Auch wenn ich diese Unterstützung absolut nicht verstehen kann, die ihr gegeben wird. Wahrscheinlich werde ich für meine Meinung jetzt auch gesteinigt .. während sie getätschelt wird .. unbegreiflich

    • Jürgen Edelmayer meint:

      Hallo,

      vielen Dank gür den Hinweis auf diese FB-Aktion. Habe auch eine Anfrage erhalten, mich daran zu beteiligen. Nun habe ich mir nach deinem Kommentar die Liste der zu bewerbenden Autor*innen nochmal angesehen und sehe besagte Person darunter aufgeführt. Auch wenn es für die übrigen Teilnehmer*innen schade ist, fällt meine Entscheidung gegen eine Unterstützung dieses Projekts aus.Ich möchte einfach kein Teil einer Show sein, wo es keine Rolle spielt, warum sich jemand einen Namen gemacht hat

  11. Ich kenne eine der plagiierten Autorinnen persönlich. Sie hat nie eine Entschuldigung von Frau G. bekommen. Und das ist für mich der kritische Punkt. Wenn die Plagiatorin wenigstens zugeben würde und sich dafür entschuldigen würde, von mehreren erfolgreichen Autorinnen Textstellen gestohlen zu haben, wäre eine zweite Chance kein bisschen strittig.
    Aber über Jahre hinweg so tun, als sei das nur ein bedauerliches Missgeschick gewesen und man müsse dafür nicht gerade stehen, kann es ja wohl nicht sein.
    Und das Argument „Gewöhnt euch dran, dass die Welt nunmal so ist“ – Wem soll denn damit geholfen sein?
    Das ist das Gleiche, wie wenn Leute, die sich illegal e-Books ziehen (oder andere künstlerische Werke), damit argumentieren, dass wir Kunstschaffenden doch wissen, wie es läuft, und dass uns ja niemand zwingt zu schreiben/Musik zu machen etc. Wir sollten aufhören, uns zu beschweren, und einfach was anderes machen als unsere Kunst.
    Was Buchcover angeht, kenne ich es nur so, dass Fotos von Shutterstock u.ä. verwendet werden – und dass diese Quellen und die Urheber im Buch nachzulesen sind.
    Ich finde es gut, dass eine Bloggerin diese Thematik zur Sprache bringt. Wenn wir AutorInnen es machen, müssen wir leider ebenfalls mit sehr bösen Reaktionen rechnen.
    Danke an Ramona für ihren Blogpost.

  12. Insomnia meint:

    Vorab: Ich will weder Frau Gercke den Rücken stärken noch Plagiate verharmlosen. Aber ich denke, man sollte sich jeden einzelenen Fall separat anschauen und auch differenzieren. Was Frau Gercke damals dazu getrieben hat, sich aus anderen Büchern zu bedienen, wird nur sie selbst wissen, und tatsächlich hat sich auch entschuldigt. Zumindest war das ihre Art, eine Entschuldigung auszusprechen, und zwar u. a. in ihrem Blog und per Videobotschaft, auch wenn die nicht lange im Netz war, denn der Shitstorm, der daraufhin einsetzte, war mehr als nur unter der Gürtellinie. Man kann diese Entschuldigung belächeln oder als blass oder faule Ausrede betrachten, aber dann muss man ebenso in Erwägung ziehen, dass sie auch die Wahrheit gesagt haben könnte. Wie gesagt, bis auf sie selbst weiß keiner so genau, welche Absicht dahinter steckte – ob überhaupt.
    Allerdings hat Gercke bewiesen, dass sie durchaus eine Autorin ist, nicht nur eine Autoren-Darstellerin, denn sie hat ja rund ein Dutzend Romane geschrieben, und zwar völlig alleine, ohne abzukupfern und durchaus unterhaltsam. Sie ist also weder mit einem Guttenberg vergleichbar noch mit Vollplagiatoren a la Hannah B. und Katja P., die ganze Storys/Bücher übernommen haben und als eigene ausgaben.
    M. Gercke hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit teuer dafür bezahlt, sowohl auf finanzieller Ebene wie auch auf mentaler durch die Schädigung ihres Rufs. Aber sie hat kein Kapitalverbrechen begangen und sie war auch nicht so dreist wie andere, die gleich die ganzen Bücher fremder Autoren verw*chsten, und deshalb finde ich, dass man es irgendwann nach so vielen Jahren auch mal gut sein lassen muss mit der Empörung. Warum sollte man ihr nach all der Zeit, obwohl sie tatsächlich versucht hat, sich zu entschuldigen und auch zigfach bewiesen hat, dass sie schreiben kann, kein Forum geben und sie auf Lebenszeit ächten? Sollte sie sich bei jedem Einzelnen entschuldigen? Wie viel Strafe hat so ein Vergehen verdient? Und wenn eine solche Strafe lebenslang sein müsste, warum gehen dann diejenigen, die dieser Ansicht sind, nicht täglich auf die Straße und demonstrieren hart dagegen, dass Vergewaltiger, Kinderschänder und Frauenschläger mit ein paar Jahren oder sogar Bewährung davonkommen?
    Gut, das ist kein passender Vergleich, aber im Verhältnis betrachtet …

    Diese Ächtung, die Gercke noch immer aus vielen Ecken erfährt, so wie hier jetzt wieder, steht wohl kaum im Verhältnis zu ihrem eigentlichen Vergehen, oder? Und dennoch ist sie taff genug, um damit zu leben und sich nicht zu verkriechen oder unter Pseudonym weiterzumachten. Dazu gehört auch eine gute Portion Rückgrat, das muss man erst mal können und aushalten.
    Was viele auch nicht berücksichtigen: Das Thema Urheberrecht kocht seit einigen Jahren so hoch, dass heute fast jeder ganz genau weiß, was es damit auf sich hat. Das war aber nicht immer so. 2011, als KDP an den Start ging und Gercke ihr „Holunderküssen“ veröffentlichte, wurde das Thema lange nicht so stark diskutiert wie heute. Und gerade Erstautoren, die noch ganz frisch in der Selfpublisherwelt waren, mögen sich wirklich nichts dabei gedacht haben, wenn sie pfiffige Sätze oder Szenen aus anderen Büchern in ihre eigenen Geschichten, vielleicht leicht verändert, eingebaut haben, denn, wie gesagt, das Thema Urheberrecht waberte zwar auch da schon über allem, war aber längst nicht so präsent wie heute. Die Menschen sind auch heute viel mehr sensibilisiert dafür und lesen mit anderen Augen, es gibt Organisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Plagiate zu enttarnen usw.

    Nein, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, die wurde ja auch verhängt, aber womöglich ist gerade diese Geschichte, ähnlich wie die von Helene Hegemann, einfach einer gewissen Naivität geschuldet, dass man sich einfach nichts (schon gar nichts Böses) dabei gedacht hat.

    Nein, Plagiate sind keine Kavaliersdelikte, aber sehr viel mehr als das sind sie auch nicht, denn es wird damit niemandem ernsthaft irgendwie Schaden zugefügt. Kinsella, Kürthy und Co. haben nicht weniger Bücher verkauft, nur weil Gercke einige Textstücke aus ihren Büchern übernommen hat, die sie vielleicht passend fand und womöglich selbst nicht besser hätte formulieren können, wer weiß das schon, und physisch erkrankt sind sie daran wohl auch nicht. Niemand hat einen Schaden davon getragen außer M. Gercke selbst. Strafe für so was muss sein, denn wir haben ein Urheberrecht, über das man nicht diskutieren braucht, aber diese Strafe hat sie ja klaglos hingenommen und auch verbüßt. Warum also sollte sie nun keine neue Chance mehr erhalten?

    Ja, ich finde, in diesem Fall könnte man langsam mal vergessen – oder wenigstens vergeben -, auch wenn man für sich entscheidet, von der Autorin nichts mehr zu lesen.
    Anders sehe ich das bei jenen Autoren, die ganze Werke abgekupfert haben, um vielleicht ihre Backlist schneller zu füllen oder weil sie selbst gar nicht fähig sind, komplette Geschichten zu entwerfen. Da sieht man wohl deutlicher, dass sich hier eine gewisse Art von Profitgier verbirgt, dass das schnelle Geld das eigentliche Ziel ist.

    Piraterie ist da auch noch mal ein ganz anderes Kaliber, bei dem Autoren und Verlagen tatsächlich auch ein finanzieller Schaden zugefügt wird. Aber auch hier muss man ehrlich sein: Dieses riskante Unterfangen wäre für Buchpiraten nicht rentabel, wenn sie nicht genug Abnehmer finden würden, was wiederum im Umkehrschluss bedeutet, dass wahrscheinlich sehr viel mehr Menschen kostenlos von Büchern profitieren, als allgemein zugegeben wird.

    • Hallo Insomnia,

      ein ausführlich faire Meinung von dir, die ich in einigen Punkten nachvollziehen kann. Natürlich will man/ Ramona Frau Gehrcke hier nicht nochmals steinigen oder durch irgendwelche Hetzmühlen ziehen. Ich bin auch bei einer zweiten Chance für die Autorin dabei, aber ich kann es irgendwie schwer begreifen, dass ihre Büchern nun plötzlich wieder verfügbar bei u.a. Amazon sind. Ich habe dem von Ramona beigefügten Artikel gelesen, dass man das mal komplett eingestellt hatte. Warum also gibt es dieses Buch plötzlich wieder? Die Tatsache das Plagiats bleibt doch bestehen. Mir erscheint sowas fast wie eine Art Freikaufen. Sie wird ja sicher viel Geld dafür eingebüßt haben und die Quintessenz davon ist, dass die Bücher jetzt wieder zu kaufen sind? Also das begreife ich einfach nicht. Außerdem wissen mit Sicherheit nicht alle Käufer bei Amazon, dass es solche bestehtigten Vorwürfe gegen sie gab und kaufen dieses Buch jetzt weiterhin, d.h. sie macht damit wieder Umsätze (immerhin hat das Buch gut Bewertungen) als ob nicht gewesen wäre. Ich finde das nicht in Ordnung! Zurecht sollte man das mal hinterfragen.

    • Hallo Insomnia,

      natürlich hat jeder eine zweite Chance verdient, aber für mich ist es unverständlich, dass man ihr besagtes Buch nun wieder bei Amazon kaufen kann. Ich habe in der einen Quelle gelesen, dass dies mal ein eingestellt worden ist. Natürlich hat Frau Gehrcke einiges an Strafe dafür zahlen müssen, aber ist es dann nicht wie eine Art Freikaufen, wenn jetzt das Buch wieder verfügbar ist als wäre nichts gewesen? Ich denke mal, viele Käufer werden auch nichts wissen von diesen Vorkommnissen und werden das Buch weiterhin kaufen. Frau Gehrcke macht damit also auch noch weiterhin Umsatz. Ich finde das wirklich fragwürdig. Es ist als ob man das alles vergessen hat und man startet wieder von vorne. Falsche Handeln sollte doch Konsequenzen haben und nicht nur in Form einer Bezahlung eines x-beliebigen Geldbetrages. Es sollte doch Chance genug sein, dass sie wieder Bücher veröffentlichen darf, dass sie Plattformen wie LLC wieder eingeladen wird etc. Zweite Chance betrachte ich nicht als alles wieder auf 0 setzen als ob nie was gewesen wäre.

    • Abschreiben Mist ist, brauchen wir nicht zu diskutieren, da sind sich alle eineig.
      Ich sehe es ganz genauso wie Insomnia. Irgendwann sollte einfach gut sein. Jeder nimmt sich das Recht, zugleich Richter und Henker zu sein. Jetzt sollen sich Veranstalter schon rechtfertigen, weil sie Frau Gercke eingeladen haben bzw. ihr Geld nehmen? Die Anwälte haben sich damals geeinigt. Laut deutschem Recht ist damit gut.
      Seid mal ehrlich, völlig egal, was und wo MG sich zu dem Thema äußern würde, es würde einen Shitstorm geben, der alle bisher dagewesenen toppen würde. Es sollte mich wundern, wenn sie Ramona überhaupt antwortet.

      • Ramona meint:

        Ich weiß nicht, an welcher Stelle du mich als Richter und Henker siehst.
        Ich nehme mir weder das Recht raus das eine, noch das andere zu sein.
        Das habe ich gestern schon in der Diskussion bei Facebook betont und ich wiederhole es gerne hier erneut.
        Da man ohne Entschuldigung von Frau Gercke nie wissen wird, was passiert, kann ich diese Aussage nicht unterschreiben.
        Sie hat meine Nachricht gelesen. Sie weiß, dass ich ihr für ein Gespräch zur Verfügung stünde.
        Sie muss sich nicht bei mir entschuldigen, aber vielleicht schon die Antwort, dass sie sich dazu nicht mehr äußern möchte, wäre für viele Leser eine Information. Niemand ist irgendwem Rechenschaft schuldig, natürlich, aber damit es zu einem Gespräch und einem Austausch kommen kann, müssen erst beide Seiten den Mund aufmachen.

        Anfangs war mein Beitrag als reine Diskussionsfrage zum Thema „Plagiate“ ausgelegt.
        Dass dann alles so extrem auf eine Person fokussiert wurde, hat sich im laufe der Zeit durch Kommentare und andere Beiträge herauskristallisiert.

        • Dass das Thema stark polarisiert und provoziert war Dir aber schon beim Schreiben klar. Du sagst, Du wolltest keine Namen nennen – hast aber den Namen Martina Gercke im Linktext! Glaubst Du enrsthaft, sie wird sich nach den Diskussionen zu diesem Blogpost noch melden? Das würde alles noch einmal anheizen.
          Es geht außer den Betroffenen auch keinen etwas an, was damals passiert ist. Abschreiben ist kein Kavaliersdelikt, aber auch kein Gewaltverbrechen. Mir wurde schon das ganze Blog kopiert. Ich war beim Anwalt, diejenige hat ihre Strafe bekommen und wird es nicht wieder tun. Punkt. Jage ich sie deshalb durchs Internet? Nein. Es gibt nichtmal einen Post dazu.
          Ich bin hier raus, das Thema ist zu zeit- und energieraubend und diese Diskussioen sind jedes Mal nicht zielführend.
          Ach und ich entschuldige mich bei der gesamten Menschheit für alles, was ich vielleicht irgendwann mal tun werde, das keinen etwas angeht.

          • Jürgen Albers (@dr_juergen) meint:

            Hallo Britt,
            auch wenn du schreibst, du bist hier raus aus der Diskussion, möchte ich dir gern antworten. Du schreibst: außer den Betroffenen ginge das keinen etwas an, was damals passiert ist. Ja. Richtig. Nur, dass du scheinbar den Kreis der Betroffenen falsch einschätzt. Diese Frau hat Bücher verkauft an gutgläubige Leser. Bücher mit Inhalt, der gestohlen war. Das ist in meinen Augen Betrug und alle Leser/Käufer sind Betroffene. Und ihr Erscheinen als öffentliche Figur auf einer Literaturmesse macht sie zum Teil des Literaturbetriebes. Und wir, als Autor*innen, Blogger*innen und Literaturbegeisterte SIND betroffen. Wir sind alle Teil des Betriebes und haben nicht nur das Recht, sondern auch die Verantwortung über das Handeln in unserem Betrieb nachzudenken. Genau das findet hier statt. Das Nachdenken über richtiges oder eben nicht richtiges Verhalten. Auch das Anfassen unangenehmer Themen gehört dazu. Ich finde, bis auf ganz wenige Formulierungen haben wir hier sehr ruhig und abgewogen diskutiert. Ich finde es nicht richtig, die ganze Diskussion und allein die Fragestellung pauschal zu verurteilen.

          • Letztlich ging es aber ja gar nicht darum, ob jemand durchs Internet gejagt wird oder was auch immer, sondern der Ausgangspunkt war der, ob jemand dafür geehrt werden sollte. Darauf läuft so ein Auftritt bei der LLC ja hinaus. Klar, es kann auch signalisieren, dass man tolerant ist und zweite Chancen gibt, aber reicht dafür nicht auch eine lobende Erwähnung des (eigenen) Werkes? Setzt man mit einem Auftritt bei so einer Veranstaltung nicht doch ein falsches Zeichen und suggeriert, dass es letztendlich egal ist und dass man solche Vorwürfe noch nicht einmal unter Kollegen ernst nehmen muss? Es ist doch nur geistiges Eigentum und keine Diamanten-Tiara – oder? Oder zählt unter Autoren und Lesern das geistige Eigentum doch etwas? Sonst wäre doch auch ebook-Piraterie kein Thema, das ist es aber. Und genau deshalb kann man verzeihen, aber als Signalwirkung finde ich es schon bedenklich, jemanden mit so einer Vorgeschichte auf so einer Convention eine Bühne zu geben.

  13. Also mich hat das damals sehr erschüttert und ich habe sogar zwei der Werke noch auf dem Kindle – bis heute noch nicht gelesen und ich bin in manchen Dingen schon jemand, der verzeiht. Aber ich vergesse nicht und für mich wird der Name vermutlich immer einen üblen Beigeschmack haben und ich möchte nichts mehr von ihr lesen… Mein Vertrauen wurde dahingehend missbraucht.
    Wenn ich einen Schüler einmal beim Spicken erwischt habe, gehe ich auch davon aus, dass er es bei mir nicht wieder macht, aber trotzdem wird er oder sie dann immer wieder beobachtet. Ob das nun richtig ist oder nicht, aber allein unterbewusst habe ich mir was gemerkt und da wird immer der Gedanke sein „da war mal was“. P.S.: da es den Fall bei mir schon gab: den Schüler habe ich trotzdem gern und begegne ihm freundlich. So unverzeihlich bin ich nicht. Aber in der Situation immer vorsichtig. Da ich zu Martina keine persönliche Bindung habe, reagiere ich da vielleicht absoluter, aber mein Gott, es gibt sooo viele andere gute Autoren, die man statt dessen lesen könnte, von daher … 😉

  14. Liebe Ramona,

    ein sehr interessanter Beitrag. Die wichtigsten Dinge sind schon gesagt worden, daher nur kurz meine eigenen Gedanken dazu.

    Ich war auch sehr überrascht sie auf den Fotos zu sehen. Ich habe ja häufig mit Strafttätern zu tun und die Pädagogin in mir sagt auch, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient hat. Aber es kommt halt auch auf die Art an, mit der so etwas geklärt wird.
    Wenn ich überlege welchen Tests und Hürden meine Diplomarbeit unterzogen wurde … jessas, das ist ein echter Akt. Hätte sich herausgestellt, dass auch nur ein Satz ein Plagiat ist, hätte ich mein Diplom an den Nagel hängen können und meinen Beruf nicht ausführen dürfen und das, obwohl ich sehr gut in meinem Job bin. Was ich damit eigentlich sagen will, ist, dass ich das Gefühl habe, dass mit Zweierlei Maß gemessen wird. Fans der „Autorin“ haben die Vorwürfe schon damals gnadenlos unter den Tisch gekehrt. Plagiate veröffentlichen bedeutet für mich, dass die Person uns falsche Tatsachen unterjubelt. Sprich einE LügnerIn ist. Kann man so was einfach runterspielen? Welche Werte haben wir dann noch? Und auch heute erscheint es mir so, als würde man brav die Augen davor verschließen.

    Ich denke es ist nicht notwendig die Person persönlich anzugreifen (was du ja auch nicht tust. Sie ist ja nur ein Beispiel für eine interessante Diskussion) und natürlich hat sie eine zweite Chance verdient, aber ich finde auch, dass das nicht so einfach gehen sollte. Sie sollte zumindest Stellung dazu beziehen – was ja auch nicht schwierig sein sollte, wenn sich die Plagiatsvorwürfe als unbegründet erwiesen haben. Ein, zwei Sätze an die Öffentlichkeit, in denen sie sich erklärt, wären schon schön.

    Ich habe gerade bei Facebook gesehen, dass du sie persönlich angeschrieben hast und bin gespannt, was sie dir antworten wird.

    Liebe Grüße
    Nanni

  15. Danke, dass du meine Gedanken in Worte gefasst hast. Du betreibst keine Hetze oder einen Shitstorm, du hinterfragst. Ich habe damals den schnellen, großn Erfolg der Autorin mitbekommen und war ehrlich nicht abgeneigt. Bevor ich jedoch ein Buch von ihr lesen konnte / wollte, kam die Wahrheit ans Licht und ich weigere mich, Plagiate zu unterstützen. Selbst damals gab es viele, die weiterhin auf ihrer Seite waren. Für mich unverständlich, da anderen Autoren und Verlagen Schaden zugefügt wurde und vor allem die Leser hinters Licht geführt wurden. Nach den wie vielten (oftmals schnell gelöschten), sehr seltsam anklingenden „Verteidigungspostings“, habe ich die Autorin für mich selbst komplett abgeschrieben. Mit Erschrecken habe ich seit einiger Zeit beobachtet, wie sie sich im Internet und auch auf öffentlichen Terminen gibt und es erneut schafft, Leser für sich zu gewinnen. Vielleicht wissen es viele nicht, was „damals“ passiert ist oder sie verschliessen die Augen bewusst. Aber ich finde, man kann es – wie du – hinterfragen. Vor allem, warum sie solch eine Bühne geboten bekommt ist mir unverständlich. Ich würde gerne eine ehrliche, reife und nicht fadenscheinige Reaktion der Autorin auf deinen Post lesen. (Also kurz: Danke!)

  16. Ich glaube man kann hier unendlich Diskutieren, mir geht es nur noch mal darauf hinzuweisen das sie als SP´ler angefangen hat, aber als die Platzhalteraffäre war sie das betreffende Buch bereits bei einem Verlag als Autorin unter Vertrag.

    https://www.boersenblatt.net/artikel-plagiatsvorwurf_gegen_autor.547782.html

  17. Liebe Ramona,

    ich musste eine Weile überlegen, bevor ich dir diesen Kommentar schreibe. Ich bin der Meinung, dass ein Plagiat niemals verjähren kann. Auch wenn ich zum damaligen Zeitpunkt, als es passierte, noch nicht gebloggt habe und auch in diese Richtung der Liebesromane nichts lese, möchte ich mich dennoch dazu äußern.
    Ich sagte bereits, dass solch ein Vorfall in meinen Augen niemals verjähren sollte. Besonders bei diesen Ausreden, die du mit erwähnt hast, stellten sich bei mir die Haare auf.
    In meinen Augen hätte ich zumindest eine ehrliche und von Herzen kommende Entschuldigung erwartet, dass sie zu ihrem Fehler steht. Immerhin machen wir alle mal Dummheiten. Mal größere mal kleinere. Dieser Vorfall gehört definitiv zu den größeren. Aber ohne Etnschuldigung würde ich vermutlich kein einziges Buch mehr in die Hand nehmen. Und wie schließlich auf der LLC damit umgegangen wurde (nach deinen Schilderungen) finde ich ebenfalls nicht in Ordnung.
    Ob die „Autorin“ eine zweite Chance verdient hätte? Ich weiß es nicht, aber jeder verdient sie in irgendeiner Art und Weise. Aber letztendlich ist der Name nun unwiderruflich mit dem Wort „Plagiat“ verknüpft. Also würde in meinen Augen nur noch ein Neuanfang helfen. Pseudonym, eine neue, einzigartige und vor allem eigne Geschichte. Aber unter einem Pseudonym zu schrieben, würde auch bedeuten, die Fanbase komplett neu aufbauen zu müssen und nicht den ehemaligen Ruhm und die gebliebenen Anhänger mitzunehmen.

    Und zu guter letzt: ein wunderbarer Artikel, liebe Ramona.

    Liebe Grüße und fühl dich gedrückt
    Jule (JulesLeseecke)

  18. Ein toller, interessanter und sehr lesenswerter Beitrag, Ramona! Danke dafür.

    Mit Kopfschütteln lese ich immer wieder neue Beiträge über aktuelle Plagiatsvorwürfe. Ich finde es einfach unfair, ungerecht und unreif. Kopieren ist in jeder Hinsicht nicht richtig und ein Plagiat zu „kreieren“ definitiv eine Straftat, die untersucht und betraft werden sollte.

    Den Fall M.G. habe ich damals am Rande verfolgt, mich jedoch vor einiger Zeit näher damit beschäftigt, da ich die Autorin persönlich kennengelernt habe. Tagelang steckte ich in einem Zwiespalt und wusste nicht, wie ich mich ihr gegenüber verhalten sollte. Ziemlich erleichtert war ich darüber, dass mir M.G. meine Fragen offen und ehrlich beantwortet hat. Sie hat sogar von sich aus direkt das Thema angesprochen und mich gebeten, vor Fragen nicht zurückzuschrecken.

    Jeder muss selbst entscheiden, ob er M.G. eine neue Bühne geben oder ihr Aufmerksamkeit schenken möchte. Ich kann jeden verstehen, der sich dagegen entscheidet. Auch wenn ich nach dem persönlichen Gespräch klarer sehen konnte, bleibt ein flaues Gefühl zurück. Der Stempel der „Plagiats-Autorin“ bleibt ihr als Tattoo auf der Stirn erhalten, das ist klar. Wichtig ist, dass das Thema nicht unter den Teppich gekehrt wird und die betroffenen Personen klar hinter dem stehen, was sie mutwillig getan haben. Ebenfalls wichtig zu wissen ist, dass man vorsichtig mit all den Informationen umgehen muss, die man findet. Das öffentliche Statement damals, das absolut in die falsche Richtung ging, prankt über allem. Wie es dazu kam und was M.G. heute über die Zeit denkt, erfährt man aber nirgends. Ob nach all den Jahren ein neues, ehrliches Statement sinnvoll wäre? Wünschenswert von Leserseite allemal, sinnvoll aus Autorensicht wohl eher nicht. Ich bin gespannt, ob du eine Reaktion erhalten wirst.

    Ob das Vergehen irgendwann verjährt? Ich weiß es nicht, in den Köpfen bleibt es sicher erhalten.

    Liebe Blubbergrüße
    Anka

  19. Hallo zusammen,

    den Artikel finde ich sehr interessant. Ich sehe es auch nicht als Hetzjagd gegen Person XY, sondern es geht ja um die Frage, ob man Plagiate verzeihen kann bzw. wie man später damit umgeht.
    Ehrlich gesagt finde ich es sehr mutig, nach so einem Vorwurf weiterhin als Autorin/Schreibende Person in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Dafür braucht man schon ein großes Selbstvertrauen (oder ist es Selbstüberschätzung?). Jedenfalls verdient in meinen Augen jeder eine zweite Chance. Es sollte demjenigen natürlich schon leid tun und er sollte seinen Fehler eingesehen haben. Warum also nicht wieder öffentlich auftreten? Man kann ja nicht immer für einen Fehler bestraft werden.
    Die Person wird es bestimmt auch nicht wieder tun (weil jeder mit Argus Augen darüber wacht). Und wenn ihre echten eigenen Bücher weiterhin gelesen werden und gut ankommen. Warum nicht?

    Klar ist die ganze Sache fragwürdig und ich würde es auch nie gutheißen, aber es ist wie es ist. Im Pinzip muss jeder von uns selbst entscheiden, ob er der Person eine zweite Chance gibt (d.h. ihre Bücher weiterhin kauft oder ihr auf einer Messe/Convention zuhört). -Ihr hättet ja mit faulen Tomaten werfen können ;-)-.
    Und wenn niemand ihre Bücher kauft, wird sie früher oder später wieder in der Versenkung verschwinden. Daher liegt es es an uns Lesern (den Verlagen gebe ich da keine Schuld, die richten sich wohl eher nach den Wünschen der Leser), wie man mit solchen Situationen umgeht. Im Zweifel also: Finger weg!

    Es gibt ja auch total bekannte Autor(innen), die in meinen Augen nur abschreiben bzw. Ideen auf der Bestsellerliste klauen und mit ihrer eigenen Interpretation total erfolgreich sind. Und alle Welt liebt es. Was soll man da noch sagen?
    Mir bleibt nur die Möglichkeit das Buch nicht zu kaufen.

    Viele Grüße
    Andrea

  20. Mikka Gottstein meint:

    Huhu!

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, als Frau Gercke die ersten Male so richtig Wellen der Empörung verursachte! Ich war damals schon fassungslos, wie man als Autorin so ein Patchwork aus plagiierten Stellen fabrizieren kann, ohne schlechtes Gewissen… Da habe ich auch keinen Respekt für die Mühe. 🙁

    Da ich das Genre eher selten lese, habe ich gar nicht realisiert, dass sie immer noch fleißig Bücher schreibt! Aber wie ich auf Amazon sehe, war sie sehr produktiv und hat auch begeisterte Rezensionen.

    Wer war das noch mit den „Fingerübungen“? Das war nicht Martina Gercke, oder? Aber die Ausrede war der Knaller, daran kann ich mich noch erinnern.

    Ich sehe das wie du: ich bin zwar jemand, der absolut dafür ist, jemandem eine zweite Chance zu geben – aber dazu muss erstmal gegeben sein, dass derjenige ein echtes Bewusstsein dafür hat, dass er etwas Unrechtes getan hat, und er oder sie sich bemüht, sich dafür bei den Geschädigten zu entschuldigen und in irgendeiner Form Abbitte zu leisten. Das plagiierte Werk schleunigst NICHT mehr zu verkaufen (auch nicht nach einer schnellen Überarbeitung, bei der die plagiierten Stellen auf unter 6% gebracht wurden) UND eine Entschuldigung, ist da für mich das Mindeste.

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

  21. Ich habe „damals“ den Skandal nicht nur verfolgt, ich habe damals auf meinem Blog auch darüber geschrieben. 5 Jahre sind in der Szene eine ewig lange Zeit. Unabhängig davon hat M.G. sich mit dem betroffenen Verlag geeinigt und ihr könnt es ruhig glauben, ihre neueren Bücher werden sicherlich auf diverse „Abschriften“ hin überprüft werden. Sie schreibt höchst erfolgreich, hat ihr treues Publikum gefunden und alles andere ist Vergangenheit.
    Es sei ihr gegönnt.
    Sie ist nicht die Einzige in dieser Szene, die abgeschrieben hat. Es gibt eine ganze Reihe Autorinnen dieses Genres, die entweder im Verdacht stehen, oder aber erwiesenermaßen abschreiben. Wenn so eine Sachlage publik wird, gibt es meistens den gleichen Ablauf: Autorin streitet ab, Autorin entschuldigt sich mit diversen merkwürdigen Ausreden, Autorin verschwindet für ein halbes Jahr von der Bildfläche, Autorin taucht (manchmal mit neuem Namen) wieder mit neuem Titel auf und die Community jubelt. Endlich wieder ein neues E-Book der Lieblingsautorin. Was soll man da noch sagen? Ich kann nur für mich sprechen. E-Books von Autoren, die mal geklaut haben, lese und kaufe ich nicht mehr. Fertig. Alles andere liegt weder in meiner Macht, noch hätte ich Interesse daran, jemanden zum Schlachten freigegeben durchs virtuelle Dorf zu jagen. Deshalb verstehe ich diesen Artikel auch nicht. Es ist wurscht, ob sie vor 5 Jahren abgeschrieben hat, wenn sie daraus gelernt hat, und es jetzt nicht mehr tut. Es war so, jetzt ist es (hoffentlich) anders, punkt. Für sich selber eine Entscheidung treffen, wie man mit solchen Autoren umgehen möchte und das wars.
    Erst, wenn sie erneut eines Plagiats überführt werden sollte, dann ist die Vorgeschichte wirklich interessant. So kommt mir der Artikel ein bisschen nach Aufmerksamkeit heischen vor, so wie es während der ersten Enthüllungen war: Wer Holunderküsschen oder Martina Gercke in seinem Blog erwähnte, konnte mit immensen Zugriffszahlen rechnen …

    • Na ja, die Diskussion hier zeigt ja, dass das offensichtlich sehr unterschiedlich wahrgenommen wird und es gab hier eine konkrete Ausgangsfrage. Diese Frage hieß nicht, ob man den Schuldigen durchs Dorf treiben sollte, sondern ob man ihm/ihr eine Bühne bieten und den Diebstahl geistigen Guts damit sozusagen gutheißt, indem man so ein Plagiat einfach „vergisst“. Die Diskussion finde ich legitim und empfinde es nicht als ein Fischen nach Klicks. Dass das Problem weit verbreitet ist, nun ja, vielleicht sollte man doch weniger „vergesslich“ sein und das Problem weniger verharmlosen, vielleicht würde das dazu beitragen, dass weniger plaziert wird.

  22. Sehr spannender Beitrag. Vielen Dank dafür. Da das auch nicht gerade meine Literatur ist, hätte ich davon auch nie etwas mitbekommen. Aber es ist ja wieder #litnetzwerk. Ich bin echt verblüfft, dass es Autoren auch einfach mal probieren. Hat ja Anfangs auch gut geklappt.

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