Lektor und Autor: Über einen Rollentausch, Vertrauen und Hagebutten-Chutney

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Hallo ihr Lieben,

dieses Interview läutet eine neue Serie ein.
Wir lieben alle die Autoren, die uns so viele wunderbare Geschichten bescheren, doch selten machen wir uns Gedanken über die Personen im Hintergrund. Eine ist da ganz besonders wichtig: Die Lektorin (oder der Lektor).
Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Autorin und Lektorin und was kann man voneinander lernen?
Diesen Fragen bin ich nachgegangen.

Von Anneke Mohn erscheint genau heute, am 22.07.16, das neue Buch „Unter einem Dach„.
Im letzten Jahr habe ich schon ihr Buch Apfelrosenzeit gelesen und geliebt.

Gemeinsam mit Anneke arbeitet Friederike Ney an den Büchern. Friederike ist Lektorin im Rowohlt Verlag.

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Links Anneke Mohn und rechts Friederike Ney, beide Fotos © Sabrina Adeline Nagel

Alles begann mit einem Rollentausch

Wie sah eure erste Begegnung aus? War es vielleicht ein Manuskript, was auf dem Schreibtisch von dir, Friederike, landete, oder vielleicht ein Treffen?

Anneke: Nein, das war bei uns ganz anders. Als wir das erste Mal Kontakt miteinander hatten, war ich diejenige, die im Rowohlt Verlag arbeitete, damals war Friederike noch freie Mitarbeiterin. Wir haben also zunächst über ganz andere Manuskripte gesprochen, die sie für das Lektorat geprüft hatte. Nachdem ich den Verlag verlassen hatte, um mich ganz dem Übersetzen und Schreiben widmen zu können, fing Friederike bei Rowohlt an, und schließlich wurde sie meine Lektorin, worüber ich sehr froh bin.

Friederike: Genau, wir haben quasi mehr oder weniger die Rollen getauscht, was uns heute in der Zusammenarbeit zugute kommt. Dadurch, dass Anneke selbst im Verlag beschäftigt war, weiß sie zum Beispiel, wie hier gearbeitet wird und nimmt es mir (hoffentlich) nicht übel, wenn ich mich in stressigen Phasen einmal nicht sofort melde.

Wie gestaltet sich eure Zusammenarbeit? Seht ihr euch regelmäßig, schreibt ihr euch Mails/ Postkarten/ etc.?

Anneke: Wir sehen uns eigentlich nur alle paar Monate, aber wir mailen und telefonieren regelmäßig, natürlich vor allem in den Zeiten, in denen es viel zu klären gibt.

Friederike: Es gibt ja immer wieder Phasen, in denen es sehr viel zu besprechen gibt. Wenn es um Vorschau- oder Klappentexte geht, um die Covergestaltung oder – das ist der intensivste Teil unserer Zusammenarbeit – um die Textarbeit. Diesen Turnus haben wir mit Annekes neuem Roman „Unter einem Dach“ gerade hinter uns. Und jetzt freuen wir uns beide sehr darauf, das fertige Buch in den Händen zu halten und es ab Ende Juli in den Buchhandlungen zu sehen.

Anneke, wie gehst du mit Korrekturen und Kritik von Friederike um? Lässt du das immer erstmal sacken und setzt dich dann damit auseinander? Nickst du alles ab? Wie reagierst du?

Anneke: Ich glaube, ich kann behaupten, da ganz aufgeschlossen zu sein. Ich habe ja selbst als Lektorin gearbeitet, weiß die Lektoratsarbeit also sehr zu schätzen. Und ich weiß, was Friederike kann. Sie hat für die Figuren und die Dramaturgie der Geschichte ein feines Gespür und merkt sofort, wenn ich es mir irgendwo zu leicht gemacht oder etwas kurz gehalten habe, wozu ich keine große Lust hatte. Die allermeisten Änderungsvorschläge nehme ich deshalb ziemlich schnell an, über anderes muss ich nachdenken, und das ein oder andere mache ich dann auch doch anders. Aber es setzt in jedem Fall einen Revisionsprozess in Gang, und die Zusammenarbeit macht es am Ende immer besser.

Friederike: Das kann ich nur bestätigen. Klar sind wir nicht immer einer Meinung, aber am Ende kommen wir meist auf Lösungen, mit denen wir beide zufrieden sind. Anneke weiß, dass ich nicht meine persönlichen Vorstellungen um jeden Preis durchbringen, sondern auf Verbesserungsmöglichkeiten hinweisen möchte, die sie als Autorin vielleicht gar nicht sieht, weil sie naturgemäß weniger Distanz zum Text hat. Wir haben da einen sehr regen Austausch, aber es ist immer ein gemeinsamer Weg, an dessen Ende fast immer ein Buch steht, über das beide Seiten glücklich sind.

Friederike, was hast du bisher von Anneke gelernt?

Ich bewundere an Anneke, dass sie sich als Heimarbeiterin täglich neu motiviert. Ohne vorgegebene Struktur zu arbeiten, das erfordert Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit. Und außerdem habe ich gelernt, dass man aus Hagebutten ein hervorragendes Chutney zubereiten kann.

Anneke, was hast du bisher von Friederike gelernt?

Manchmal glaube ich beim Schreiben schon zu wissen, was Friederike kritisieren würde, wenn zum Beispiel eine Beschreibung zu unkonkret ist oder wenn ich zu viel im Plusquamperfekt nacherzähle. Da werde ich ganz langsam besser. Aber über das Fachliche hinaus ist sie mir auch ein Vorbild an Ruhe und Gelassenheit. Jedenfalls vermittelt sie mir das – sollte sie in Wirklichkeit gar nicht so ruhig und gelassen sein (wenn ich zum Beispiel den Abgabetermin überziehe), dann wäre sie mir aber wiederum ein Vorbild an Professionalität und Freundlichkeit.

Vertrauen ist das A und O einer guten Zusammenarbeit

Wie viel Vertrauen macht eure Verbindung aus?
Existiert zwischen euch eine Bindung, außerhalb des Austauschs über das Geschriebene?

Anneke: Ich könnte nicht gut mit Friederike zusammenarbeiten, wenn ich ihr nicht absolut vertrauen und sie für vollkommen integer halten würde. Und klar reden wir auch mal über Persönliches.

Friederike: Ich würde sagen, wir kennen die andere gut genug, um zu wissen, dass wir beide das Gleiche wollen, nämlich einen guten Roman mit einer schönen Geschichte, der möglichst viele Leser begeistert. Vertrauen ist sicherlich das A und O einer guten Zusammenarbeit. Wenn man sich dabei auch noch sympathisch ist und sich auch gern über die Dinge unterhält, die jenseits der Arbeit passieren, dann ist das natürlich umso besser. Und das ist bei uns der Fall.

Was macht die Zusammenarbeit mit der jeweils anderen für euch beide besonders?
Was wolltet ihr einander vielleicht schon lange mal sagen?

Friederike: Ich schätze an Anneke ihr freundliches Wesen, ihren Humor und ihre Zuverlässigkeit. Und auf der schriftstellerischen Ebene natürlich ihre Kreativität, die tollen Ideen, die sie in ihre Bücher einbringt, ihr Gespür für lustige Szenen und Dialoge. Manche ihrer Romanfiguren sind mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich am liebsten selbst gern mit ihnen befreundet wäre.

Anneke: Für mich ist es Friederikes Knowhow und ihre Professionalität, ihre Ruhe und Herzlichkeit, und dass sie genau so gut eine Freundin sein könnte.  


Danke an Anneke und Friederike, dass ihr beide dieses Interview möglich gemacht habt!

Kommentare

  1. Hey Ramona 🙂

    ein wirklich tolles Interview! Es ist super interessant zu erfahren, wie die Arbeit von Lektor und Autor verläuft 🙂 Ich bin wirklich gespannt, wie es mit der neuen Beitragsserie weitergeht 🙂

    Liebste Grüße,
    Tati

  2. Sehr interesssantes Interview! Danke dafür!

  3. Huhu liebe Ramona,

    ein wirklich tolles Interview. Es hat richtig Spaß gemacht und war super interessant mal zu lesen, wie das so läuft zwischen Lektorin und Autorin. Ich war ja am Samstag bei Magellan, da durften wir auch ein paar Einblicke in die Arbeit der Jugendbuchlektorin haben und Katrin Zirpse war auch direkt noch dabei :). Finde die Idee richtig schön, denn ich finde, nachdem was ich am Samstag jetzt auch gehört habe über die Ganze arbeit, dass Lektorinen da auch ganz schönen Respekt verdient haben!

    Glg Franzi

  4. Hallo liebe Ramona,

    vielen Dank für das schöne Interview und das Beleuchten der Zusammenarbeit von Autor und Lektor. Die Antworten der beiden Damen auf deine Fragen waren ebenso interessant wie sympathisch und ich finde es klasse, dass sie so offen aus dem Nähkästchen geplaudert und uns so einen kleinen Einblick in ihre Arbeit gewährt haben. 🙂

    Die neue Beitragsreihe gefällt mir übrigens sehr und ich freue mich auf weitere Nähkästchenplaudereien.

    Liebe Grüße
    Maike

  5. HI Ramona,

    das ist ja mal eine coole Idee mit dem Blick hinter die Kulissen 🙂 Ich finde beide sehr sympathisch und interessant wie sie sich kennengelernt haben und nun zusammenarbeiten.

    Liebe Grüße
    Desiree

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