[LoveLetter Convention] Interview mit Nalini Singh



~ Interview mit Nalini Singh ~




Hallo ihr Lieben,

die Bücher von Nalini Singh stelle ich am Donnerstag vor, aber gibt es nun etwas ganz besonderes! Die Autorin hat mir 5 Fragen beantwortet! 🙂 Ein klitzekleines Interview mit einem Einblick in ihre Welt, die bestimmt ein paar ihrer Leser interessieren dürfte! Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf, sie bald persönlich kennenzulernen!

Die Antworten der Autorin habe ich nach bestem Wissen und Gewissen übersetzt und die Originale eingefügt.

Copyright: Nalini Singh


Du hast die erste LoveLetter Convention 2012 in Berlin besucht und du warst 2 Mal auf kurzer Lesereise in Deutschland. Hattest du Zeit für ein bisschen Sightseeing? Gibt es etwas, was du nochmal sehen möchtest, oder etwas, was du eingeplant hast, das du bei deinen letzten Reisen nicht geschafft hast?
You attended the first LoveLetter Convention in Berlin in 2012 and also
did two short book tours that year in Germany. Did you have time to do some
sightseeing? Anything you would like to visit again or plan to do this time
that you didn’t get around to see during your last trips?

Ich war ein bisschen auf Sightseeing tour. Normalerweise bin ich während einer Lesereise nur einen Tag in der Stadt, so können wir nicht viel machen, aber trotzdem genieße ich die kurzen Stops immer sehr.

In Trier zum Beispiel saßen wir auf dem Platz, haben Eis gegessen und einfach die Umgebung genossen. In Köln konnte ich zur Kathedrale gehen und einige Fotos machen, während wir in Limburg genug Zeit hatten, durch die Kopfsteinpflasterstraßen zu spazieren und einfach die Atmosphäre zu genießen. Das gleiche ist mit den anderen Städten, die ich während der Lesereise besucht habe – es gibt immer etwas zu tun.

Nach der Lesereise kam ich zurück nach Berlin und ich konnte die Stadt mehr im Detail erkunden, was viel Spaß gemacht hat. Dieses Mal werde ich keine Freizeit für Sightseeing in Deutschland haben – ich schätze, ich muss nochmal wiederkommen!

I did get to do a little bit of sightseeing. Usually, on a book tour, we’re only in the city for a day, so we can’t go far, but I always still enjoy the stops.

In Trier for example, we sat in the square, had ice-cream, and just soaked in the surroundings. In Cologne, I was able to go to the Cathedral and take some photos, while in Limburg, we had enough time to go for a walk through the cobblestoned streets and just enjoy the atmosphere. The same with the other cities I visited on the book tours – there’s always something to do!

After the book tour, I came back to Berlin and was able to explore in more detail, which was fun. This time around, I won’t have free time to sightsee in Germany – I guess I’ll just have to come back again!




Was erwartest du von deiner zweiten Teilnahme an der Convention? Denkst du, die LLC hat sich sehr verändert? Und gibt es dort Menschen (Autoren, Leser,…) auf deren Wiedersehen du dich freust?

What do you expect from your second participation in the event? Do you
think the LLC will have changed a lot? And are there people (fellow authors,
readers …) you are especially looking forward to seeing again?

Ich bin sehr aufgeregt, zu sehen, wie sich die LLC entwickelt hat und wie sie seit der ersten Convention gewachsen ist. Ich erwarte, dass es viel Spaß machen und sehr einladend sein wird. Ich freue mich auf jeden!

I’m super excited to see how LLC has developed and grown since the very first convention. I expect it to be just as fun and as welcoming. I’m looking forward to seeing everyone!




Was war deine schönste Erfahrung während einer Lesung?

What was your best experience during a reading?

Jede Lesung oder Signierstunde ist anders, aber ich finde meine Leser sind so liebe, liebe Menschen. Ich verbringe so eine schöne Zeit mit ihnen, wenn ich mit ihnen rede und ihre Gedanken zu den Charakteren und Stories höre. Ich fühle mich privilegiert, dass ich die Möglichkeit habe, mit ihnen zu interagieren.

Every reading or signing is different, but what I’ve found is that my readers are lovely, lovely people. I have such a good time talking to you all and hearing your thoughts on the characters and the stories. I feel privileged to have the opportunity to interact with you.




Warum liebst du es, ein Happy End für deine Charaktere zu schreiben?

Why do you love to give your characters a happy ending?

Es macht mich glücklich, meinen Charakteren ein glückliches, hoffnungsvolles Ende zu geben. Insbesondere den Charakteren die harte, dunkle und emotionale Erfahrungen in der Geschichte machen mussten. Die Wärme und das Licht eines Happy Ends sind nach allem, was geschehen ist, sehr wichtig. Für die Charaktere, für mich und ich glaube, auch für meine Leser.

It gives me joy to give my characters a happy, hopeful ending, especially given that my characters often go through some tough, dark, and rawly emotional experiences in the story. The warmth and light of a happy ending is important after all that. To the characters, to me, and I believe, to my readers.




Kannst du uns ein bisschen über deinen normalen „Schreiballtag“ erzählen?

Can you tell us something about your „normal writing day“?

Ich bin eine Nachteule, morgens bin ich kein effizienter Autor. In der Regel lösche ich morgens meine Mails, checke Facebook und/ oder Twitter, oder update meinen Blog. Ich mache auch „geschäftliche“ Dinge während dieser Zeit, zum Beispiel Verträge durchsehen, Telefongespräche führen und solche Sachen. Und ich muss trainieren! (Auf diese Weise kann ich auch weiterhin meiner Schokoladensucht frönen).

Außerdem versuche ich ein bisschen zu lesen, weil ich das Lesen liebe und ich denke, dass es gut für die Seele ist. Oft stütze ich mein iPad beim Gehen auf das Laufband, so kann ich lesen und trainieren zur gleichen Zeit!

Nach dem Mittagsessen schreibe ich. Wie viele Stunden, das hängt vom Tag ab. An manchen Tagen arbeite ich bis 2 oder 3 Uhr morgens, während ich mich an anderen Tagen entscheide, bis 8 oder 9 zu arbeiten.

Jedoch kann sich all das ändern, wenn zum Beispiel die Korrekturfahnen für ein Manuskript eintreffen. Die müssen in der Regel kurzfristig bearbeitet werden und dann verschwinde ich aus sozialen Netzwerken und arbeite so lange wie möglich, um so schnell wie es geht fertigzuwerden.

I’m a bit of a night owl, so I’m not as efficient a writer in the mornings. So usually, I’ll clear my emails, check Facebook and/or Twitter, or update my blog in the mornings. I also do „business“ things during this time – like go over any contracts I have to look at, answer phone calls and things like that. Plus, I have to exercise! (This way, I can continue to feed my chocolate addiction).

I also try to get in a little reading, because I love to read, and I think it’s good for the soul. Often, I prop up my Ipad on the treadmill while walking, so I read and exercise at the same time. Bonus!

After lunch is my writing time. How many hours I do depends on the day. Some days, I’ll keep going till two or three in the morning, while other days, I’ll decide to stop around 8 or 9.

However, all of that can change if, for example, copy edits come in for a manuscript. These usually have a short turnaround, so I generally disappear off social media and work as many hours as possible to get them completed asap.




Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast! Ich freue mich schon sehr, dich auf der LLC zu sehen!

Thank you for answering my questions. I’m really happy to see you at the LLC!

Wir sehen uns! Und danke für das Interview!

Nalini

See you there! And thanks for the great interview.

Nalini

Interview mit Arno Strobel

Heute im Interview: Arno Strobel!




Lieber Arno, schön, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!
Bitte stelle dich doch zu Beginn kurz vor!


Arno Strobel: Geboren bin ich am 18.08.1962 in Saarlouis, der „heimlichen Hauptstadt des Saarlandes“.
Die „normalen“ Stationen habe ich, wie es bei mir üblich ist, nicht in der „normalen“ Reihenfolge absolviert.
Erst kam (Haupt-)Schule und Ausbildung in einem handwerklichen Beruf, dann Bundeswehr und zwei Jahre Berufserfahrung und dann erst Mittlere Reife, Abi und schließlich ein Studium im FB Versorgungstechnik.
Fertig? Oh nein!! Denn jetzt merkte ich, dass ich eigentlich ein Faible für den IT-Bereich habe.
Also weiter im Text. Studiumaufbau IT, Programmieren und Netztwerktechnik, dann selbständig im Bereich IT-Unternehmensberatung.
Ah, nun also am Ziel …!?
Na ja, fast! Der letzte Schritt meines bisherigen beruflichen Werdeganges war schließlich der zu einer großen deutschen Bank in Luxembourg, wo ich seitdem im Bereich Change Management/Organisation tätig bin.
Ich bin verheiratet und habe drei Kinder. Zusammen leben wir in einem gemütlichen Häuschen in der Nähe von Deutschlands ältester Stadt Trier.


Nun ist dein zweiter Roman Das Wesen bei den Fischerverlagen erschienen. Wie fühlst du dich?


Arno Strobel: Es ist eine Mischung aus Freude über den vorgezogenen Veröffentlichungstermin und angespannter Erwartung, wie Das Wesen wohl ankommen wird.


Hättest du, als du dein erstes Buch auf eigene Faust herausbrachtest, mit deiner jetzigen, so großen positiven Resonanz gerechnet?


Arno Strobel: Niemals. Ich habe mich unheimlich gefreut, als meine ersten beiden Romane beim dtv herausgebracht wurden, denn schon in diesem Moment hatte ich mehr erreicht, als ich es mir erträumt hatte. Seit aber der Fischer Taschenbuchverlag meinen Trakt zum Spitzentitel gemacht hat komme ich mir vor wie Alice in einer Endlosschleife im Wunderland.


Ist es schöner, auf eigenen Beinen zu stehen, oder bei einem Verlag einen Vertrag zu haben? Beides hat Vor- und Nachteile…


Arno Strobel: Für mich ist es definitiv die jetzige Variante. Was nützt mir die totale Selbständigkeit, wenn ich weder das Know-How, noch die Vertriebswege eines Publikumsverlages habe. Von den finanziellen Mitteln für eine Marketingkampagne ganz zu schweigen.


Du hast Ideenbücher, du hast Eingebungen – wie entscheidet sich, aus welcher Spielerei letztlich ein Buch wird?


Arno Strobel: Im ersten Moment aus dem Bauch heraus. Ich schaue mir meine Zettelchen durch, und wenn ich bei einem das Gefühl habe, es ist jetzt der richtige Moment für diese Geschichte, denke ich darüber nach. Mittlerweile gibt es aber noch ein weiteres Kriterium, und das ist die Resonanz auf die vorherigen Bücher. Gibt es Kritikpunkte, die vermehrt auftauchen, versuche ich, die beim nächsten Projekt zu berücksichtigen, zu verbessern. Dabei kann es sein, dass eine Idee, die ich ursprünglich gut fand, in den Mülleimer wandert.


Hast du bestimmte Macken beim Schreiben? Brauchst du Musik, oder Schokokekse, oder einfach nur die Kaffeetasse neben dir?


Arno Strobel: Nein, leider nicht. Leider, weil es einen so blass macht, so „normal“, wenn man nicht mindestens mit einem gekochten Ei aufwarten kann, das beim Schreiben in einem orangefarbenen Eierbecher links neben dem Schreibtisch stehen muss, oder der Armbanduhr, die schon lange nicht mehr funktioniert, die beim Schreiben aber immer am Arm ist. Nein, keine Macken, nichts Außergewöhnliches. Nur hinsetzen und mit Freude schreiben.


Ich denke, es kommt auch vor, dass der Autor mit seinem Text nicht zufrieden ist. Geht es dir so? Krempelst du auch öfter noch mal alles um, wenn es dir nicht gefällt? Bist du also eher der kritische Leser deiner eigenen Ergüsse, oder siehst du erst mal alles positiv?


Arno Strobel: Ich bin superkritisch, was meine Texte angeht. Es kommt durchaus vor, dass ich zehn oder mehr Seiten lösche, weil sie mit beim Redigieren nicht mehr richtig gefallen. Ich hebe diese Seiten auch nicht auf, sondern lösche sie komplett, um nicht in Versuchung zu kommen, sie doch noch zu benutzen.


Beschäftigst du dich mit der Psyche und Wahrnehmung, wenn du deine Bücher schreibst?


Arno Strobel: Natürlich, aber das ist nicht außergewöhnlich, und auch nicht zwangsläufig mit dem Genre Psychothriller verknüpft. Jede/r Autor/in wird sich vor dem Schreiben mit der Psyche im Allgemeinen und der seiner/ihrer Figuren ganz besonders auseinandersetzen müssen, wenn sie ein „Eigenleben“ entwickeln sollen.


Wie leicht fällt es dir, dich von deinen Figuren zu verabschieden?


Arno Strobel: Oh, das ist wirklich schwer. Nicht nur, dass man ein gewisses „Verhältnis“ zu den Figuren aufgebaut hat, es ist auch das Bewusstsein, ihnen nun nicht mehr helfen, sie nicht mehr lachen lassen zu können. Man übergibt sie der Obhut der Leser/innen, ohne zu wissen, wie die sie sich ‚erdenken‘ werden.


Welchen Rat würdest du Jungautoren geben?


Arno Strobel: Ich weiß nicht, ob ich in der Position bin, anderen Autoren einen Rat zu geben, auch nicht sogenannten Jungautoren. Ich weiß aber sicher, dass ich nicht dort stehen würde, wo ich jetzt bin, wenn ich nicht drei Dinge gehabt hätte: Ausdauer, Glück und Glück.


Wenn man dich nach 5 Lieblingsautoren fragt, welche würdest du spontan nennen?


Arno Strobel: Keine, denn ich habe viel mehr als fünf Lieblingsautoren, und nur fünf davon zu nennen würde den anderen nicht gerecht werden.


Hast du als Kind schon gerne geschrieben?


Arno Strobel: Ja, aber nie mit dem Gedanken, es einmal beruflich zu tun.


Was war der Auslöser dafür, dass du mit 40 plötzlich das Schreiben für dich entdeckt hast?


Arno Strobel: Das waren Internetforen, die ich zu dieser Zeit entdeckte, in denen jeder seine selbst geschriebenen Kurzgeschichten veröffentlichen und der Meinung wildfremder Menschen aussetzen konnte. Das fand ich interessant, und ich schrieb meine ersten beiden Texte. Die kamen dann so gut an, dass mich das ermutigte, weiter zu schreiben.


Was ist dein größter Traum?


Arno Strobel: Dass meine Träume sich irgendwann, aber nicht zu schnell, erfüllen werden.


Bitte vervollständige diese Sätze:
Schreiben ist…


Arno Strobel: entspannender Stress, freiwillige Notwendigkeit, berufliches Hobby, zweiter Erstjob, eigentlich nicht zu beschreiben.


Ich bin glücklich, wenn…


Arno Strobel: es allen in meinem Umfeld gut geht. Wenn ich mit dem, was ich schreibe das erreiche, was ich möchte: unterhalten.


Lieber Arno, vielen Dank für dieses Gespräch! Ich habe mich sehr gefreut und wünsche dir noch ganz viel Erfolg auf deinem weiteren Weg. Ich werde ihn auf jeden Fall weiterhin begleiten!




Wenn ihr nun Interesse an den Büchern von Arno Strobel habt, dann schaut euch doch folgende Thriller von ihm mal an:
Zur Rezension zu Das Wesen von Arno Strobel
Zur Rezension zu Der Trakt von Arno Strobel
Zur Rezension zu Schlusstakt von Arno Strobel


Welche Bücher von Arno habt ihr schon gelesen und könnt ihr empfehlen?

Interview mit Sabine Ebert

Ich freue mich, euch ein Interview mit der bekannten Autorin Sabine Ebert präsentieren zu können!



VIEL SPAß!




Liebe Sabine, vielen Dank, dass sie sich die Zeit für das Interview nehmen!
Bitte stellen sie sich doch zu Beginn kurz vor.

Ich bin in Berlin aufgewachsen, absolvierte in Magdeburg mein journalistisches Volontariat, studierte in Rostock und lebe seit rund 25 Jahren in Freiberg. Dort arbeitete ich als Journalistin, bis ich mich ganz auf das Schreiben von Romanen konzentrieren konnte. Ich habe zwei Kinder, aber die sind beide schon aus dem Haus und arbeiten bzw. studieren in Hamburg,


Der 4. Teil der Hebammen-Serie steht bald im Laden. Wann haben sie sich entschlossen, die Trilogie fortzusetzen? Oder waren von Anfang an 5 Bände geplant?
Es war von Anfang an ein Handlungsbogen über dreißig Jahre geplant. Doch damals wusste ich noch nicht, dass ich fünf statt nur einem oder drei Büchern brauchen werde, um die ganze Geschichte zu erzählen. Dass „Blut und Silber“, was etwa hundert Jahre später spielt, zwischendrin erschien, war eine Entscheidung des Verlages, der nun gern auch ein Hardcover von mir wollte, aber die „Hebammen“-Reihe aus Taschenbuch fortsetzen möchte.


Wie kam es zu ihrem ersten Buch „Das Geheimnis der Hebamme“?
Haben sie vorher schon gern geschrieben und das war einfach nur ein weiterer Kuss der Muse, oder haben sie die Geschichte sorgfältig geplant?

Der Impuls, diesen dramatischen Stoff um die Siedlerzüge in die Gebiete östlich von Elbe und Saale im 12. Jahrhundert einmal in Romanform zu bringen, entstand nach mehreren Sachbüchern, die ich über Freiberg und seine Geschichte geschrieben habe.
Doch natürlich habe ich den Verlauf der Geschichte genau geplant und schon einmal ein Jahr lang recherchiert, bevor ich überhaupt die erste Zeile schrieb.


Dauerte die Suche nach einem Verlag lange? Hatten sie vielleicht Hilfe, durch eine Agentur oder ähnliches?
Damals arbeitete ich noch ohne Agenten und hatte etwa ein Dutzend Absagen von Verlagen bekommen, als Droemer Knaur sich für mein Manuskript interessierte.


Wie viel Zeit nehmen sie sich für ihre Recherche und dann für das eigentliche Schreiben?
Die Recherche nimmt fast die Hälfte der Arbeitszeit in Anspruch.


Wie recherchieren sie? Stöbern sie im Internet, in Bibliotheken, oder auch in Archiven? Sehen sie sich die Schauplätze an?
Ich bin viel in Archiven und Bibliotheken, die meisten Quellen – nicht die Originale, die sind wirklich den Historiker vorbehalten, sondern die Übersetzungen – kann ich mir auch über Fernleihe in die Freiberger Universitätsbibliothek oder Sächsische Landesbibliothek kommen lassen. Ich spreche viel mit Historikern und Fachleuten auf anderen Gebieten, sehe mir wichtige Originalschauplätze an. Und zu einer wichtigen Erfahrung ist für mich auch die Zusammenarbeit mit Reenactmentgruppen geworden, die sich in ihrer Freizeit sehr intensiv mit dem Mittelalter befassen und ein enormes Detailwissen besitzen, zum Beispiel über Kleidung und Kampftechniken. Die Dinge am Wochenende im Mittelalterlager einmal selbst zu sehen und zu erleben, ist ein ganz anderer, für mich wichtiger Zugang zu dieser Zeit geworden.


Seit wann schreiben sie schon Geschichten? Kam die Lust daran erst im Erwachsenenalter oder war die schon früher da?
Ich habe schon immer Geschichten geschrieben, einfach aus Lust daran, hätte aber nie gedacht, dass ich einmal einen ganzen Roman zustande bringe, geschweige denn mehrere.


Fällt ihnen das Schreiben nach einigen erfolgreichen Veröffentlichungen leichter?
Es ist eher schwieriger geworden durch den großen Erwartungsdruck von allen Seiten.


Haben sie für die Zeit nach Marthe schon etwas Neues im Kopf?
Die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ist mein nächstes großes Projekt.


Lesen sie auch so gerne wie sie schreiben?
Ja, ich habe schon immer gern und viel gelesen.


Haben sie vielleicht Autorenvorbilder oder Lieblingsautoren?
Zu viele, um jetzt einzelne Namen zu nennen.


Was machen sie, wenn sie nicht gerade schreiben?
Dann treffe ich mich mit Freunden, lese oder sehe einen guten Film.


Sind sie durch das Schreiben neugierig auf das Mittelalter geworden, oder waren sie das schon vorher?
Nein, ich bin erst durch meinen Romanstoff zum Mittelalter gekommen. Davor hatte ich mich eher für die Antike interessiert.


Haben sie beim Schreiben irgendwelche „Macken“? Brauchen sie dabei zum Beispiel Musik oder immer etwas zu trinken?
Ich brauche Stille um mich herum, um ich ganz in meine Figuren hineindenken zu können.


Denken sie, jeder kann schreiben, oder muss man das erst lernen?
Es ist ein großer Unterschied, ob man einen Aufsatz für die Schule oder einen journalistischen oder literarischen Text zur Veröffentlichung schreibt. Für eine Roman braucht es neben der Idee, der Ausdauer und der Disziplin auch jede Menge Handwerkszeug: der präzise Umgang mit der Sprache, mit einzelnen Worten und Bedeutungsnuancen, wie man den Spannungsbogen hält, glaubwürdige Charaktere schafft usw. Ohne meine journalistische Ausbildung und mehr als zwanzig Jahre Berufserfahrung als Journalist hätte ich meine Romane nie so schrieben können.


Was ist ihr größter Wunsch?
Dass die Leute auch künftig meine Bücher lesen und mögen.


Bitte vervollständigen sie diese Sätze: Schreiben ist eine Gabe, harte Arbeit und große Verantwortung.


Ich bin glücklich, wenn die Leser mit den von mir geschaffenen Figuren mitfiebern.


Vielen Dank, liebe Sabine, dass sie ein bisschen ihrer Zeit für dieses Interview gegeben haben. Ich wünsche ihnen weiterhin viel Erfolg für ihre Bücher, viele Ideen und dass sich alle ihre großen und kleinen Wünsche erfüllen mögen.

Interview mit Kim Schneyder

Kim Schneyder hat für kielfeder einige Fragen beantwortet.


Vielen Dank!



Liebe Kim, vielen Dank, dass du mitmachst!
Bitte stelle dich doch zu Beginn kurz vor.

Hi, ich bin Kim Schneyder. Auf mein Konto gehen die Romane „Hilfe, ich bin reich!“ (leider nicht autobiografisch), „Ich und er und er und null Verkehr“ (Gott sei Dank auch nicht autobiografisch) und „Frauen rächen besser“ (schon gar nicht autobiografisch), und demnächst wird „Im Bett mit Brad Pitt“ (auch nicht… seufz…) erscheinen.
Zu meiner Person: Ich habe meine frühe Kindheit in Deutschland und in der Schweiz verbracht, lebe nunmehr seit geraumer Zeit in Österreich, bin verheiratet und habe eine entzückende Tochter.


3 Romane sind aktuell von dir auf dem Markt und der 4. erscheint bald. Wie fühlt sich das an?
Ganz ausgezeichnet. Nach all der Unsicherheit und der jahrelangen Arbeit, die ich in das Projekt Schriftstellerei gesteckt habe, ist es eine wundervolle Bestätigung, dass sich meine Bücher wachsender Beliebtheit erfreuen, sodass mein Verlag weiterhin auf mich setzt. An dieser Stelle auch gleich mal schönen Dank an meine Leserinnen!


Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?
Das ergab sich aus purem Zufall. Als meine Tochter im Kindergartenalter war, gingen uns irgendwann die Geschichten aus, und aus dieser Not heraus begann ich dann Kinderkurzgeschichten niederzuschreiben. Als die dann beim Knirpspublikum (das durchaus kritisch sein kann!) überraschend gut ankamen, hatte mein Mann die Idee, dass ich mich doch auch mal an Erwachsenenbüchern versuchen könnte.


Warum schreibst du lustige Frauenromane?
Das ist bei mir nur logisch: Ich bin eine Frau und ich lache gern, außerdem bin ich der Meinung, dass es für die Menschen (und vor allem für uns Frauen) mehr gute Unterhaltung als Ausgleich für unseren teilweise doch sehr harten Alltag geben sollte.


Hättest du Lust, dich auch mal in einem anderen Genre zu versuchen?
Definitiv. Ich bastle auch gerade mit meinem Mann, der mich bei meinen Arbeiten auch immer tatkräftig unterstützt, an einem seiner Projekte, das sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, und natürlich haben es mir Thriller angetan.
Ich habe auch schon ein konkretes Projekt in der Schublade, das eine Verknüpfung zweier unterschiedlicher Genres darstellt, jedoch will ich noch zuwarten, bis ich über eine entsprechende Fanbase verfüge, da wir damit Neuland betreten und ein entsprechendes Risiko eingehen würden.


War es schwierig, dein erstes Buch bei einem Verlag unterzubringen? Hattest du vielleicht Hilfe durch eine Agentur?
Überraschenderweise nicht, was umso verwunderlicher ist, wenn man weiß, dass bei großen Verlagen durchschnittlich vierzig unverlangte Einsendungen pro Woche einlangen. Ich schickte ein Exposé und eine kleine Leseprobe von „Frauen rächen besser“ an zehn oder zwölf renommierte deutsche Verlage, und zu meiner Überraschung waren zwei davon auf Anhieb interessiert. Letztlich hat sich dann Piper schneller für mich entschlossen, was den Ausschlag gab.


Wo bekommst du die Inspiration für deine Geschichten her?
Überall. Das können direkte Erlebnisse aus dem nahen Umfeld sein oder auch Erzählungen, Personen, die einen (positiv oder negativ) inspirieren, Filme, die einen tiefen Eindruck hinterlassen, andere Bücher, und oftmals kommt eine Idee auch aus dem Nichts, kurz vor dem Einschlafen zum Beispiel, was beim Ehepartner jedes Mal besondere Freude auslöst, wenn man mit voller Elan wieder aus den Federn klettert und kurz nach Mitternacht nochmals den Computer anwirft 🙂


Schlummert schon wieder eine neue Geschichte in deinen grauen Zellen/ deinem Computer?
Ich habe auf meiner Festplatte eine Ideensammlung, bestehend aus Ein- oder Zweizeilern, die einzelne Szenen, literarisch interessante Figuren oder auch ganze Buchideen repräsentieren. Diese Ideensammlung umfasst inzwischen mehr als dreißig Seiten, und geht man von, sagen wir mal, zwanzig Geistesblitzen pro Seite aus, dann wären das mehr als sechshundert Ideen… und täglich kommen neue dazu!
Wie´s aussieht, müsste ich wohl Methusalems Rekord (Wie alt wurde der, 999?) brechen, um das alles umzusetzen.


Kennst du Schreibblockaden? Wie gehst du damit um?
Kenne ich nicht, und da bin ich heilfroh darüber. Es kann zwar vorkommen, dass es – abhängig von sonstigen Umständen – ein bisschen dauert, bis ich in Fahrt komme, aber wenn ich dann erstmal in Schwung bin, kommt immer irgendwas Brauchbares dabei raus.


Brauchst du beim Schreiben eine bestimmte Atmosphäre?
Oh ja, und zwar mein stilles Kämmerchen. Zum Schreiben brauche ich ein gewisses Maß an Ruhe, um mich in die gerade anstehende Szene und die Personen hinein zu leben, ansonsten geht gar nichts.


Meinst du, Schreiben kann man lernen?
Bis zu einem gewissen Grad, vielleicht. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es ein Mindestmaß an Talent braucht, und auf den Verdacht hin, dass jetzt einige ausrufen werden: „Ach darum!“, möchte ich darauf verweisen, dass ich selbst über keinerlei professionelle Schreibausbildung verfüge.


In deinem Roman „Hilfe, ich bin reich!“ geht es um Geld. Geld in größeren Mengen… Hast du für die genaue Abwicklung eines Großgewinns recherchiert? Wenn ja, wie sah diese Recherche aus?
Da ich ja auf keine persönlichen Erfahrungen zurückgreifen konnte (Mist, wann kommt denn da endlich was?!), habe ich einfach bei diversen Lottoannahmestellen erkundigt. Ich hoffe, dass ich die Informationen auch richtig umgesetzt habe, sollte jedoch ein sensationell gut aussehender Multimillionen-Jackpot-Gewinner andere Erfahrungen gemacht haben, kann er sich gerne bei mir melden 😉


Wie lange braucht es bei dir, um deine Ideen und Gedanken zu einem richtigen Buch zu verarbeiten?
Sobald ich das Okay vom Verlag habe, kann man von einem guten halben Jahr ausgehen, bis alles im Kasten ist.


Wie leicht kannst du dich von deinen Figuren verabschieden?
Sehr schwer. Es ist, als würde man sein Kind zum ersten Mal im neuen Kindergarten zurücklassen.


Schreibst du nicht nur, sondern liest du auch selbst?
Und wie! Daher kommt ja auch mein Interesse an Büchern und Geschichten im Allgemeinen.


Was liest du gerne?
Komödien, Thriller, Krimis, historische Romane, manchmal aber auch Geschichten, die sich nicht in ein bestimmtes Genre einordnen lassen. Zum Beispiel fällt mir bei „Die Bücherdiebin“, einem Buch, das mich in letzter Zeit tief bewegt hat, keine entsprechende Zuordnung ein.


Hast du Autorenvorbilder?
Nicht unbedingt Vorbilder in dem Sinn, dass ich genauso schreiben möchte wie sie, weil ich der Meinung bin, dass man an die Originale nicht herankommen und somit nur seinen eigenen Stil nur verwässern würde, aber es gibt eine ganze Reihe von Autoren, deren Bücher mich schlichtweg begeistern.
Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit sein an dieser Stelle erwähnt: Sophie Kinsella, für mich die Königin der romantischen Komödie, weil sie wie sonst niemand Herzschmerz mit Dramatik und Humor kombinieren kann, und natürlich Kerstin Gier (die übrigens auch im privaten Umgang eine erfrischend witzige und kluge Person ist), weiters Ildikó von Kürthy und Tommy Jaud, dann natürlich bei der Thrillerfraktion Dan Brown, Tess Gerritsen und Stieg Larsson, nicht zu vergessen Simon Beckett, Paul Cleave und Cody Macfadyan, und bei den „Sonstigen“ Charlotte Link, Markus Zusak, Daniel Kehlmann, Wolf Haas, Hakan Nesser und und und…
Es gibt so viele gute Autoren, dass mich jetzt gleich das schlechte Gewissen packt, weil ich so viele unerwähnt gelassen habe, und gleichzeitig tut es mir leid, dass ich nicht mehr Zeit zum Lesen habe.


Was machst du, wenn du nicht an einem neuen Buch sitzt?
Ich bin in meinem Brotberuf (in der Apotheke) tätig, da vom Schreiben ja nur die Wenigsten leben können und mich dieser Beruf auch immer wieder aufs Neue fasziniert, und ich habe meine großartige Familie und meine Freunde, für die mir stets zu wenig Zeit bleibt.


Was ist dein größter Wunsch?
Hm, ganz schön schwer, sich auf einen einzigen festzulegen…
Okay, ich versuch´s einfach mit einem multiplen Supermegawunsch: Ich wünsche mir für die Zukunft einen Mix aus Gesundheit für mich und meine Lieben, wirtschaftlich ausreichendem Erfolg, um sorgenfrei leben zu können, einer zufriedenen und hoffentlich wachsenden Fangemeinde, damit ich auch weiterhin Bücher veröffentlichen kann, und … was sagen die bei den Misswahlen immer?… ach ja, Weltfrieden natürlich!


Vervollständige bitte diese Sätze:
Schreiben ist…
Berufung, Hobby, Vergnügen, harte Arbeit, Herausforderung, Ausgleich, Befriedigung, Himmel, Hölle, Frustration, Euphorie, Entspannung, und mittlerweile ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil meiner Persönlichkeit.


Das wichtigste in meinem Leben… ist meine Tochter, dicht gefolgt von meinem Mann, dem Rest der Familie, meinen Freunden, dann kommen Schreiben, Beruf und Freizeit. Habe ich was vergessen?
Oh ja, Filme mit Brad Pitt, die sollte es auf Kasse für weibliche Seelenmassage geben 🙂


Herzlichen Dank, liebe Kim! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg für deine Wünsche und deine Bücher und auch faire Rezensenten 😉

Interview mit Petra Durst-Benning

Petra Durst-Benning hat für kielfeder Fragen beantwortet.



Viel Spaß beim Lesen!




Liebe Petra, vielen Dank, dass du dich den Fragen stellen möchtest. Für alle, die dich noch nicht kennen, stelle dich doch zu Beginn kurz vor!
„Kurz“? Oje, das fällt mir schwer, aber ich versuch’s. Mein Name ist Petra, ich bin 45 Jahre alt und schreibe und lese, seit ich denken kann. Meine große Liebe gehört den historischen Romanen, wobei ich stets versuche, neue Spielfelder zu finden statt nur auf der ausgetretenen Mittelalterschiene zu laufen.


„Die russische Herzogin“ ist dein neuestes Buch in einer ganzen Reihe von erfolgreichen Veröffentlichungen deinerseits.
Wie fühlst du dich?

Sehr, sehr gut! Ich glaube nämlich, dass dies ein richtig guter Roman geworden ist mit zwei superspannenden weiblichen Hauptfiguren.


Was fasziniert dich so sehr an der Zarenfamilie und dem ganzen drumherum im damaligen Russland?
Eigentlich sind es nur einige wenige Mitglieder der Zarenfamilie, die ich spannend finde – eben die, über die noch nicht meterweise Romane, Essays und Fachbücher geschrieben wurden. So wie meine Olga und Wera.


Geht dir das Schreiben jetzt leichter von der Hand, als noch vor ein paar Jahren?
Ja und nein. Einerseits besitze ich heutzutage viel mehr Erfahrung, andererseits fällt es mir heute auch schwerer, die „Leichtigkeit“ des Anfängers immer wieder aufs Neue aufzubringen und mich nicht vom Erfolgsdruck belasten zu lassen.


Wie hast du überhaupt begonnen zu schreiben? Und warum?
Andere Frage: Kann man leben ohne zu schreiben? ;-))


Wie kam es zu deiner allerersten Veröffentlichung? War es ein langer Weg?
Schon als Kind schrieb ich Tagebuch, Gedichte, Tiergeschichten, meine erste Veröffentlichung kam sehr viel später, ich war damals Ende zwanzig, frisch verheiratet und hatte endlich den Mut, mich mit „Die Silberdistel“ an einen Verlag zu wenden.


Auch wenn das letzte Baby gerade erst die Geburt überstanden hat, ist schon ein neues in Planung?
Yes! Und was für eins!


Woher ziehst du die Inspiration beim Schreiben? Woher kommen deine Geschichten?
Meine Themen und meine Hauptfiguren inspirieren mich. Wo ich auf sie stoße, ist eigentlich nebensächlich, das kann ein Zeitungsartikel sein, ein Fernsehbericht, der Brief eines Fans…


Kennst du Schreibblockaden? Wie gehst du mit ihnen um?
Nö, eigentlich nicht. Wenn ich in meinem Manuskript mal nicht vorankomme, überarbeite ich den Text, den ich bis dahin habe. Und das inspiriert mich dann meistens schon wieder zum weiterschreiben.


Träumst du davon, vielleicht auch mal eines deiner Bücher verfilmt zu sehen?
Es wäre schön, aber mein Glück hängt nicht davon ab. Lesen ist Kino im Kopf, sage ich immer, wer braucht da noch die Glotze?!


Wie gehst du an eine neue Romanidee heran?
Recherchieren, recherchieren, recherchieren. Plot, Figuren und Action entwickeln sich danach.


Wie viel Zeit planst du für Recherche und Schreiben, bis daraus dann ein ganzes Buch wird?
Das legen mein Verlag und ich gemeinsam fest, in der Regel habe ich für einen Roman eineinhalb Jahre Zeit.


Wie recherchierst du? Fährst du an die Orte, gehst du in Archive, wälzt du Bücher?
Alles zusammen. Vor Ort zu sein ist immens wichtig für mich, denn wie sich St. Petersburg während der „Weißen Nächte“ anfühlt, das finde ich in keinem Reiseführer.


Wie leicht kannst du dich von deinen Figuren verabschieden?
Eigentlich kann ich’s gar nicht. Rosa, Marie, Flora, Olly und Wera – sie alle sind wie alte Freundinnen für mich, mit denen man nicht mehr viel Kontakt hat, an die man sich jedoch immer mit Wohlwollen und Freude erinnert.


Was machst du, wenn du nicht schreibst?
Lesen. Mantrailing mit meinem Hund trainieren. Kochen. Das Haus und den Garten dekorieren. Wandern. Und tausend Dinge mehr …


Was ist dein größter Wunsch?
Gesundheit für meine Lieben.


Könntest du dir ein Leben ohne das Schreiben noch vorstellen?
Nee …


Bitte vervollständige diese Sätze:
Schreiben ist
mein Leben, meine Droge, meine Berufung, mein Glück, mein Broterwerb


Ich bin glücklich, wenn … die Tage ohne größere Katastrophen um mich herum verstreichen.


Was wolltest du deinen Lesern immer schon mal sagen?
Ganz gleich, woran euer Herz hängt – Leute, traut euch!


Ein ganz großes Dankeschön, an dich, liebe Petra, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg für alle deine Wünsche und natürlich deine Bücher!

Interview mit Gabriella Engelmann

Gabriella Engelmann hat sich für euch kielfeders Fragen gestellt.


gabriella engelmann
Viel Spaß!


Liebe Gabriella, vielen Dank, dass sie diesen Fragen Ihre Zeit widmen möchten. Bitte stellen Sie sich doch zuerst kurz vor.
Meinen Namen kennen Sie ja schon, was also gibt es noch zu erzählen? Mal sehen … Ich wurde vor 44 Jahren in München geboren, vor 30 Jahren nach Hamburg „umgesiedelt“, wo es mir ausgesprochen gut gefällt. Nach Stationen als Buchhändlerin, Lektorin und Verlagsleiterin schreibe ich seit 2004 – und das mit sehr viel Freude. Wenn ich nicht gerade arbeite oder lese, gehe ich gern ins Kino, ins Theater, in die Natur oder Essen. Ich liebe es, mit Menschen zusammen zu sein, bin aber auch gern für mich allein. Für meine Buchrecherchen in anderen Städten oder auf Inseln nehme ich mir immer eine persönliche „Auszeit“, um auf andere Gedanken zu kommen und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Mich interessieren Menschen (okay, ich geb´s zu: in erster Linie Frauen, denn die machen meist mehr aus ihrem Leben), die sich entwickeln und auch manchmal unkonventionelle Wege gehen. Deshalb schreibe ich auch gern über Frauen an so genannten Wendepunkten ihres Lebens.


Haben Sie immer schon gerne mit Büchern zu tun gehabt?
Ja, seitdem meine Eltern zusammen mit mir Pappbilderbücher angeschaut haben. Als ich selbst begann zu lesen, schleppte ich immer stapelweise Bücher aus der Bücherei und brachte sie zur Verwunderung der Bibliothekarin eine Woche später komplett gelesen wieder zurück. Da war es nur logisch und konsequent, später beruflich etwas mit Büchern zu machen.


Hat Ihnen der Beruf der Buchhändlerin Freude bereitet? Wurde es nicht auf die Dauer langweilig?
Ich habe diesen Beruf von der ersten Sekunde an geliebt – und würde ihn jederzeit wieder ergreifen, wenn die Umstände danach wären. Es hat mir großen Spaß gemacht für Kunden das jeweils passende Buch zu finden, auch wenn es oft lange gedauert hat. Ein weiteres Hobby: Unbekannte Titel oder Autoren zu empfehlen. Langweilig wurde es eigentlich nie. Es gab nur ein paar stereotype Fragen, die ich im Laufe der Zeit nicht mehr hören konnte, hier eine kleine Auswahl: „Haben Sie was Nettes fürs Krankenhaus?“, „Sind Sie die Hauptkasse?“, oder „Ich suche ein Geschenk für jemanden, den ich kaum kenne und von dem ich auch nicht weiß, ob er gern liest“.


Wie war die Umstellung auf die Führung eines Verlages?
Einerseits weitgehend unkompliziert, da ich bereits eine große Abteilung der Thalia Buchhandlung mit mehreren Mitarbeitern geleitet hatte – andererseits eine Herausforderung, weil ich diesmal mit Autoren, Illustratoren, Außendienstmitarbeitern, Agenten und Managern zu tun hatte – bis dato alles Neuland für mich. Alles in allem aber eine spannende Sache, eine Zeit, in der ich unglaublich viel gelernt habe und die ich keinesfalls missen möchte.


Wie haben Sie andere Menschen zum Schreiben gebracht?
Als Verlags- und Programmleiterin war es meine Aufgabe, interessante und kompetente Autoren zu akquirieren. Da „Edition Riesenrad“ sich nach dem großen Erfolg des Bilderbuches von Katja Riemann auf Kinderbücher aus der Feder von Prominenten spezialisiert hatte, habe ich den „Markt“ beobachtet und geschaut, wen ich für talentiert halte, zu wem unser Konzept passt, wer glaubwürdig – und vor allem mit dem Herzen bei der Sache – ist. Waren diese Voraussetzungen erfüllt, war der „Rest“ in der Regel kein Problem, denn die meisten haben sich sehr über meine Anfrage gefreut.


Inwiefern ist dadurch „Die Promijägerin“ entstanden?
Ich habe eines Nachts geträumt, dass ich selbst einen Roman schreibe. Nachdem ich den Gedanken zunächst als komplett abstrus abtat, setzte ich mich irgendwann an den Laptop und heraus kam „Die Promijägerin“. Ich hatte im Laufe von fünf Jahren Verlagsleitung so viele Promis mit all ihren Macken, Liebenswürdigkeiten, Eitelkeiten und sonstigen Besonderheiten kennen gelernt, dass ich intuitiv wusste: Das hat echtes Potenzial für eine Komödie.


Sprudelten die Ideen nur so aus Ihnen heraus und wollten Sie nach Ihrem ersten Buch gleich weiter schreiben?
Beide Fragen kann ich eindeutig mit „ja!“ beantworten. Nach der „Promijägerin“ hatte ich das Gefühl, viele meiner Anekdoten noch nicht untergebracht zu haben. Außerdem stand Marie Teufel zum Ende des Buches hin am Anfang eines neuen Lebensweges. Den wollte ich einfach gern weiter erzählen. Alle Buchideen, die danach entstanden, sind mir im Laufe der Zeit zugeflogen, wofür ich sehr dankbar bin. Es ist zum Glück nach wie vor so, dass ich immer noch mindestens fünf weitere Romane im Kopf habe, die ich gern noch erzählen würde … Hoffentlich bleibt das so!


Haben Sie lange nach Verlagsangeboten suchen müssen, oder kamen die mit der Zeit von selbst?
Im Falle der „Promijägerin“ hatte ich das Glück von einer guten Agentin, aber vor allem von der wunderbaren Autorin Gaby Hauptmann unterstützt zu werden, die mir damals ein tolles Quote für das Buch schrieb. Klar, dass da gleich mehrere Kandidaten Interesse bekundet hatten. Mittlerweile ist es so, dass ich von anderen Verlagen – im Bereich Kinder- und Jugendbuch, aber auch im Falle meiner Komödien unter dem Pseudonym Rebecca Fischer – aktiv von Lektoren angesprochen werde. Ein echter Luxus, und Anlass dankbar zu sein.


Inseln, Meer und Liebe. Gute Themen für romantische Literatur. Was bringt aber Inseln wie Sylt und Amrum in ihre Romane? War es der Charme, oder wollten Sie einfach schon immer mal dorthin?
Ich war schon als Kind fasziniert von Inseln und habe häufig dort Urlaub gemacht. Die Nordseeinseln haben es mir aber immer schon besonders angetan. Von daher ist es natürlich purer Luxus, Privates mit Beruflichem zu verbinden und zu überlegen, welche Geschichten sich dort abseits des Touristentrubels abspielen könnten. Auf Inseln konzentriert sich alles – das ist ja schon räumlich bedingt – also natürlich auch die persönlichen Themen der Heldinnen. Sich von der Weite des Meeres gefangen nehmen zu lassen, kann da manchmal ganz hilfreich sein, auch wenn sich das ein bisschen nach Klischee anhört.


Auf der Homepage steht: Ziegler Film Köln hat die Filmrechte für „Inselzauber“ erworben. Was können Sie dazu sagen? Verläuft das Projekt im Sande?
Mittlerweile ist die Option leider ausgelaufen, weil Ziegler Film Berlin stattdessen den Roman „Ferien auf Sylt-Krokan“ von Nina Kresswitz mit Christine Neubauer in der Hauptrolle an die ARD verkauft hat. Der Film lief neulich und hat mir gut gefallen – also an dieser Stelle Gratulation an Frau Kresswitz! Ehrlich gesagt finde ich aber immer noch, dass mein „Inselzauber“ das Potenzial zu einem TV-Movie hat, zumal es altersmäßig und thematisch eine andere Zielgruppe ansprechen würde. Und man darf ja schließlich auch träumen 😉


Schreiben Sie schon an einem neuen Buch? Können Sie darüber, wenn ja, schon etwas verraten?
Aktuell schreibe ich gerade an einer Komödie für die so genannten „Jungen Erwachsenen“, die 2010 bei Rowohlt/Rotfuchs erscheint. Darin geht es um eine (glückliche) Pessimistin, die nach einem Schlag auf den Kopf zur Optimistin wird. Klingt erst einmal nach Happy End – doch im Falle von July ist es so, dass ihr Leben danach komplett aus dem Ruder läuft. Wie sie aus diesem (vermeintlichen) Dilemma herauskommt, kann man im März nächsten Jahres lesen – sich dabei hoffentlich schlapp lachen und ein bisschen darüber nachdenken, wie man es eigentlich selbst in Sachen Lebenseinstellung hält.


Erst kürzlich erschien ein Buch unter dem Pseudonym „Rebecca Fischer“. Wie kamen Sie zu diesem Namen und überhaupt zu einem Pseudonym?
Da man als Autorin exklusiv bei einem „Hausverlag“ schreibt, sollte man bei Arbeiten für einen anderen Verlag ein Pseudonym wählen, um Handel und Lesern nicht zu irritieren. Viele Autoren wählen diesen Weg auch, um zwei unterschiedliche Genres zu bedienen. Den Namen hat der Verlag aus meinen Favoriten an Vor- und Nachnamen zusammengestellt.


Wird es mehr aus dieser Richtung von Ihnen geben?
Ich hoffe, dass „Lügst du noch oder liebst du schon?“ viele begeisterte Leser findet, weil es mir Spaß macht, ergänzend zu meinen etwas ernsteren Romanen weiterhin Komödien für Erwachsene zu schreiben. Im Kinder- und Jugendbuch kann ich mich diesbezüglich ja auch schon austoben. Eine etwas andere Richtung beschreite ich hingegen bei meinem (modernen) Märchen-Buch (Weiß wie Schnee, rot wie Blut, grün vor Neid – ein mörderischer Schneewittchen-Roman), das Mitte Juni im Arena Verlag erscheint. Dort habe ich eine Thriller-Ader in mir entdeckt, von deren Existenz ich bislang selbst nicht wusste ;-). In diese Richtung wird es hoffentlich auch noch ein bisschen weitergehen. Als nächstes steht bei Arena „Dornröschen“ auf dem Programm.


Wie kamen Sie zum Literary-Scouting?
Diese Entscheidung entstand nach meiner Kündigung im Verlag. Ich hatte nach wie vor Ideen zu Buchprojekten und suchte nach einem Weg, diese verwirklichen zu können, ohne beim Verlag angestellt zu sein, oder eine Agententätigkeit auszuüben. Also habe ich mit Agenturen, die ich mag und denen ich vertraue, eine Basis der Zusammenarbeit gefunden, um Buchprojekte zu realisieren und neue Talente zu entdecken und zu fördern.
Würden Sie das Literary-Scouting kurz näher erläutern?
Ich arbeite in diesem Fall als eine Art „Subunternehmerin“ für literarische Agenturen und damit auf Erfolgsbasis. Ich prüfe und redigiere Manuskripte, die an mich herangetragen werden, oder konzipiere selbst Buchideen und suche passende Autoren. Aus Zeitgründen muss ich stark selektieren und konzentriere mich schwerpunktmäßig auf Projekte, die ich selbst entwickle. Meine jüngsten „Coups“: Die Jugendbücher der NDR-Moderatorin Birgit Hasselbusch, die ich für eine sehr talentierte und kreative Autorin halte, was der Rowohlt Verlag offenbar genauso sieht. Und die Zusammenarbeit an der tollen Kurzgeschichte „Seelenverwandte“, mit dem erfolgreichen Texter und Sänger Frank Ramond (schreibt u.a. für Annett Louisan, Ina Müller und Roger Cicero), die im Februar 2011 in der Anthologie „Liebe macht doof“ im Fischer Taschenbuchverlag erscheint.


Was ist Ihr größter Traum?
Mit mir selbst möglichst immer im Reinen zu sein. Selbstbewusst, mutig, optimistisch und gesund im Leben zu stehen und meine Zeit mit Menschen, die ich liebe zu verbringen, denen es genauso gut gehen soll. Außerdem wäre ich gern meine Katzenallergie los, dann könnte ich endlich hemmungslos mit ihnen schmusen … ach ja: ein Häuschen an der Nordsee wäre auch schön, es darf auch klitzeklein sein ….


Wie lange schreiben Sie schon?
Ich schreibe seit 2003. Ich habe – schon damals unter Pseudonym – bei Edition Riesenrad einige Kinderkurzgeschichten für Prominente geschrieben, die in der Anthologie „Pfeif der Angst ein Liedchen“ (Ein Projekt gegen rechte Gewalt, dessen Teilerlöse der Aktion Gesicht zeigen e.V. zu Gute kamen) abgedruckt wurden. Die Promis haben sich gefreut, bei einem so schönen und ambitionierten Buch dabei sein zu dürfen – und ich habe dabei für mich ungeplanter weise das Schreiben entdeckt. Der nächste Schritt war dann mein Debütroman.


Haben Sie schreibende Vorbilder?
Keine direkten, aber viele, viele Autoren, die ich sehr mag. Dazu gehören aus dem Comedy-Genre auf alle Fälle Steffi von Wolff, Kerstin Gier und Sophie Kinsella. Ich mochte aber auch „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner und liebe die beiden „Nordwind“- Bücher von Daniel Glattauer. Aus dem ernsten Genre lese ich sehr gern Künstlerbiografien, Texte von Wilhelm Genazino, Thomas Bernhard oder Satiren auf den Literaturbetrieb wie „Das bin doch ich“ von Thomas Glavinic. Und je länger ich nachdenke und in meine Regale schaue, desto mehr fällt mir ein. Ich bin wohl wirklich eine echte „Bücherfrau.“ Mein neues Lieblingsbuch ist übrigens „Königskinder“ von Gernot Gricksch!


Wie sieht ein typischer Schreibtag bei Ihnen aus?
Er beginnt zunächst damit, dass ich (im Bett sitzend), einen großen Becher Milchkaffee trinke und den vorangegangenen Tag Revue passieren lasse. Ich führe mir vor Augen, was mir alles Schönes passiert ist und überlege dann, worauf ich mich am heutigen Tag freuen kann. Nachdem ich meine Mails gelesen und beantwortet habe, checke ich das Amazon-Ranking, meiner Bücher. Als nächstes lese ich Korrektur dessen, was ich am Tag zuvor geschrieben habe und beginne mich selbst zu redigieren. Dann schreibe ich ein paar Stunden, bis ich Hunger bekomme. (Eigentlich habe ich fast immer Hunger, das nur so nebenbei). Die Mittagspause verbringe ich häufig mit meinem Freund, meiner besten Freundin Steffi von Wolff, oder Kolleginnen (Eimsbüttel ist ein echtes Autorennest) – also mit Menschen, die ebenfalls freiberuflich arbeiten. Ich genieße es sehr, aus meinem Arbeitszimmer zu verschwinden und für ein bis zwei Stunden Bücher einfach Bücher sein zu lassen. Danach schreibe ich je nach Tagesform bis in den Abend hinein. Eine Regel gibt es dabei allerdings: Spätestens um halb acht muss der Computer aus sein, weil ich sonst nicht abschalten kann und die Romanfiguren mich den ganzen Abend und später in meinen Träumen begleiten …


Wie leicht können Sie sich von Ihren Figuren am Ende verabschieden?
Ehrlich gesagt nicht so leicht. Schließlich ist es bei ihnen ja ein bisschen wie bei Kindern: man bringt sie auf die Welt, dann auf den Weg – und irgendwann muss man loslassen und kann ihnen nur das Beste wünschen. Vielleicht ist es daher auch ganz natürlich, dass ich im Geiste ihre Geschichten immer mal wieder weiterspinne, um ihnen den Rahmen für eine Fortsetzung zu geben. Realisiert habe ich das aber bislang nur bei der „Jagdsaison für Märchenprinzen“, dem Nachfolger der „Promijägerin“. Ein weiteres Lieblingsspiel von mir ist es übrigens, Figuren aus unterschiedlichen Büchern aufeinander treffen zu lassen. Aber mit dieser Marotte stehe ich vermutlich nicht ganz allein auf weiter Flur …


Vielen Dank, dass sie sich Zeit für das Interview genommen haben. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg weiterhin!
Vielen Dank, liebe Frau Nicklaus, dass Sie so schöne Fragen gestellt haben. Weiterhin ganz, ganz viel Erfolg für Ihren Blog und herzlichen Dank für die schöne Unterstützung!

Interview mit Petra Schier

Heute gibt es das Interview mit Petra Schier inklusive aller Leserfragen, die ihr ihr gestellt habt!


petra schier
Viel Spaß!



Liebe Petra, vielen Dank, dass Du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!
Zu Beginn erzähle doch bitte erst mal etwas über Dich!

Tja, da erzähle ich am besten das, was auch in meiner offiziellen Vita steht: Ich bin Jahrgang 1978, lebe mit meinem Mann und unserem Schäferhund Zeus in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Studiert habe ich Literatur und Geschichte und seit 2003 arbeite ich freiberuflich als Autorin (und nebenher auch als Lektorin, jedoch mittlerweile nur noch sporadisch für einen kleinen Verlag in der Eifel). Ich bin Mitglied im SYNDIKAT, bei DeLiA sowie bei Quo Vadis und pflege neben meiner Internetseite www.petra-schier.de auch noch einen Autorenblog und ein eigenes Forum (beides über die Homepage erreichbar). Außerdem findet man mich bei wer-kennt-wen.de, Facebook und Twitter.


Warum schreibst Du? Bist Du über das Lesen dazu gekommen, oder hast Du schon immer gerne Texte verfasst?
Beides würde ich sagen. Ich habe schon immer gerne gelesen, Auslöser war das Buch „Madita“ von Astrid Lindgren. Aber ich habe mir auch schon immer selbst Geschichten ausgedacht. Mit dem Schreiben habe ich im Grunde angefangen, als ich mit elf Jahren mein erstes Tagebuch geschenkt bekam.


Wie viele Anläufe hat es gebraucht, bis Dein allerstes Buch im Laden stand?
Na, ich würde sagen, so einige. Meinen ersten Roman habe ich während des Abiturs und der ersten beiden Studiensemester verfasst. Selbstverständlich habe ich ihn Verlagen angeboten und selbstverständlich wurde er überall mit Standardabsagen abgelehnt. Danach schrieb ich fleißig an verschiedenen Projekten und pflegte auch schon meine Autorenhomepage. Eines Tages, fast sieben Jahre später (!) wurde dann durch einen Zufall ein bekannter Literaturagent auf mich aufmerksam. Zu diesem Zeitpunkt war ich zwar (noch) nicht wieder auf Verlagssuche, hatte aber den Entwurf für einen historischen Roman, den der Agent anforderte und für so gut befand, dass er mich unter Vertrag nahm. Daraus ist dann mein erster Adelina-Roman „Tod im Beginenhaus“ entstanden, der 2005 bei Rowohlt erschienen ist.


Wie hast Du dich gefühlt, als frischgebackene Autorin?
Das Gefühl, zum ersten Mal das eigene, selbst geschriebene und tatsächlich veröffentlichte Buch in Händen zu halten, ist unbeschreiblich. Und das Wissen, dass von nun an viele Menschen genau dieses Buch lesen werden, noch viel mehr. Allerdings hat diese Freude bei den nachfolgenden Romanen nicht wirklich abgenommen. Ein neues Buch ist immer wieder aufregend und ein Grund zum Freudentanz.


Bis heute sind schon eine ganze Menge Bücher von Dir erschienen und es werden jährlich mehr. Hat man da auch Angst, in schon bekannte Muster zu verfallen, sich zu wiederholen?
Ja, diese Angst kann kommen. Deshalb habe ich nach dem dritten Band „Verrat im Zunfthaus“ 2008 auch zunächst mit der Adelina-Reihe Schluss gemacht und bin in andere Gefilde gewechselt. Nach zwei Aachen-Romanen und einer glücklichen Fügung im Verlagsprogramm hatte ich dann aber plötzlich wieder richtig Lust auf eine Fortsetzung, und die wird ja dann im August dieses Jahres als „Frevel im Beinhaus“ erscheinen.
Vor allem bei Trilogien und Reihen ist also eine gewisse Pause zwischendurch oft sinnvoll, auch wenn die Leser dann länger auf Nachschub warten müssen. Ansonsten denke ich aber, dass meine Geschichten doch immer so unterschiedlich angelegt sind, dass ich nicht in immergleiche Muster verfallen kann (es sei denn, das wäre geplant).


Benutzt Du beim Schreiben auch ein Synonymwörterbuch?
Ja, das lässt sich oft nicht vermeiden, wenn man die Sprache in einem Roman vielfältig gestalten möchte. Und nebenbei ist ein Synonymlexikon sehr lehrreich.


Warum gerade historische Krimis? Hast Du dafür einfach ein Faible?
Krimis an sich, also zeitgenössische, sind eigentlich nicht so mein Ding. Und die historischen Krimis haben sich auch eher zufällig ergeben, weil sich die jeweiligen Plots bzw. die historischen Gegebenheiten dafür einfach angeboten haben. Aber meine Romane sind ja nie reine Krimis, sondern beinhalten immer auch einer mindestens genauso wichtige Rahmen- oder Zweithandlung, und das ist mir auch sehr wichtig.


Wie viel „Petra Schier“ steckt in Deinen Figuren?
Das ist schwer zu sagen. Als Autor steckt man immer ein gewisses Maß an Herzblut und eigenen Erfahrungen in eine Figur. Das muss aber nicht bedeuten, dass man deshalb ähnliche oder gleiche Charakterzüge trägt.


Würdest Du gerne mal in die Vergangenheit reisen?
Ja, vielleicht schon. Ins späte Mittelalter, ins 17. Jahrhundert oder auch ins 18./19. Jahrhundert würde ich gerne mal einen Live-Blick werfen. Allerdings nur als Besucherin bzw. Beobachterin. Die vielen Bequemlichkeiten und auch die Freiheiten der heutigen Zeit würde ich wohl nur ungern eintauschen wollen.


Liest Du gerne? Welche Autoren stehen in Deinem Bücherregal?
Natürlich lese ich sehr gerne. Leider aber mehr beruflich und immer seltener privat, weil mir einfach die Zeit fehlt. Jane Austen mag ich ausgesprochen gern, aber ich mag auch z. B. die historischen Romane meiner Kolleginnen Andrea Schacht und Helga Glaesener. Und meine absolute Lieblingsautorin (und zugleich mein Vorbild in schriftstellerischer Hinsicht wie auch was den Erfolg angeht) ist Nora Roberts.


Was für Inspirationen brauchst Du zum Schreiben?
Zum Schreiben selbst eigentlich keine. Manchmal arbeite ich in der Stille, manchmal läuft passende (historische) Musik im Hintergrund. Zu den Weihnachtsbüchern schalte ich gelegentlich auch entsprechende Musik ein.
Als Inspiration zu neuen Ideen kann hingegen so gut wie alles dienen: ein interessantes Buch, ein Film, eine Dokumentation, ein Lied im Radio, eine Szene auf der Straße oder bei einer Geselligkeit oder oder oder. Und manchmal scheinen die Ideen auch einfach vom Himmel zu fallen.


Was ist so ein typischer Ablauf für Dich, wenn Du ein neues Buch schreiben möchtest?
Am Anfang steht natürlich zunächst einmal die Idee oder zumindest ein Thema. Dieses drehe und wende ich im Kopf so lange, bis ein konkretes Gerüst entsteht. Das kann ein paar Stunden, einige Tage oder auch Monate dauern. Parallel und um diesen Gedankenvorgang zu unterstützen, beginne ich dann auch schon mit der ersten Recherche, ich suche mir Informationen im Internet aber dann auch bald mehr in Bibliotheken. Um ein Gefühl für ein Thema, eine Zeit etc. zu bekommen, lese ich alles, was mir dazu relevant erscheint.
Wenn dann das Gerüst in meinem Kopf in etwa steht, verfasse ich ein Exposé auf drei bis fünf Seiten, um der geplanten Geschichte eine Struktur zu geben. Dieses Exposé erhält dann (in geschliffener Form) mein Agent, der es dann bei Interesse an den entsprechenden Verlag weiterleitet. Inzwischen spreche ich bei Rowohlt auch mit meiner Lektorin schon vorher über neue Ideen, um anzutesten, ob es sinnvoll ist, ein Exposé zu verfassen.
Wird das Exposé angenommen und ein Vertrag aufgesetzt, erhalte ich damit dann auch den Zeitrahmen, innerhalb dessen das Buch entstehen muss, sprich den Abgabetermin. Von da an geht es in die Detailrecherche. Zudem erstelle ich inzwischen für alle wichtigen Personen (und auch für die meisten Nebenfiguren) mehr oder weniger ausführliche Steckbriefe und Lebensläufe mit allen wichtigen und möglicherweise relevanten Informationen.
Das ist sehr viel Vorarbeit, hat sich aber sehr bewährt, um den Überblick zu bewahren.
Und ab einem bestimmten Zeitpunkt, den ich mir meist vorher ausgucke, beginnt dann das eigentliche Schreiben. Dabei kann ich mich dann am Exposé orientieren, allerdings muss man dazu sagen, dass sich so gut wie alle Geschichten in Sequenzen beim Schreiben noch einmal verändern. Figuren entwickeln sich anders als erwartet, es kommen neue hinzu oder fallen einige vorzeitig weg. Manchmal stolpert man auch erst beim Schreiben über Ungereimtheiten, sodass man am Plot etwas verändern muss. Solange der rote Faden erhalten bleibt, ist das aber nicht weiter schlimm und die Verlage wissen auch, dass das Schreiben nicht nach Schablonen verlaufen kann, sondern ein dynamischer Prozess ist. Solange man nicht die komplette Geschichte umwirft oder gar aus einem weiblichen Protagonisten einen männlichen macht (oder umgekehrt), ist das in Ordnung und wird auch toleriert. Der Rahmen sollte aber schon deshalb bestehen bleiben, weil der Verlag in der Regel schon ein Jahr im Voraus mit Katalogdruck und Werbung beginnt. Da kann man nicht einfach willkürlich den Vorschautext ändern oder Ähnliches.


Wie verbringst Du gerne Deine Freizeit? (Wenn Du nicht schreibst …)
Ich koche und backe sehr gerne, beschäftige mich mit meinem Hund, gehe mit ihm sehr gerne spazieren oder kümmere mich bei entsprechendem Wetter um den Garten.


Stehst Du gerne im Kontakt zu Deinen Lesern?
Für mein Leben gern! Die Leser sind ja genau die Menschen, für die ich meine Geschichten zu Papier bringe. Deshalb nehme ich sehr gerne Feedback entgegen und tausche mich so oft es geht mit meinen Lesern aus, ob nun per Email, Foren, Facebook & Co. oder bei Lesungen.


Was machst Du an regnerischen Wochenenden am liebsten?
Auf der Couch liegen und faulenzen, viel schlafen oder auch endlich mal wieder ein gutes Buch lesen.


Wie leicht fällt es Dir, dich von Deinen Figuren zu verabschieden?
Ich denke, das fällt niemals leicht. Bei Trilogien und Reihen kommt man allerdings auch nicht so schnell an den Punkt, sich verabschieden zu müssen. Dennoch ist es manchmal nötig und auch wichtig, um sich weiterzuentwickeln.


Leserfragen:
Rebecca K. aus Lunden fragt: Wie schafft man es, so viele Bücher in einem Jahr zu schreiben? Bei anderen Autoren liest man, dass sie nur eins im Jahr schaffen, da sie viel recherchieren müssen und dann keine Zeit mehr bleibt ein Neues anzufangen.
Es ist richtig, die Recherche nimmt einen Großteil der Zeit für ein neues Buch ein, wenn man sie gewissenhaft betreibt, was wohl die meisten Autoren anstreben. Allerdings sind nicht alle Autoren in der glücklichen Lage, sich ausschließlich aufs Schreiben konzentrieren zu können. Die meisten gehen in erster Linie noch einem Brotberuf nach. Ich bin seinerzeit kopfüber ins kalte Wasser gesprungen und habe mich selbstständig gemacht (mit der Unterstützung meines Mannes und anfangs etlicher Nachhilfe-Nebenjobs). Somit arbeite ich also Vollzeit an meinen Geschichten. Zudem habe ich mir eine eiserne Disziplin antrainiert: Ich schreibe (wenn ich an einem Manuskript arbeite) täglich sieben Seiten an fünf Tagen pro Woche. Das kann an guten Tagen zwei Stunden dauern, im Schnitt drei und an weniger guten Tagen auch schon mal bedeuten, dass ich spät abends noch am PC sitze. Ich höre aber nicht eher auf, bis ich dieses Pensum im Kasten habe. Andernfalls könnte ich die jeweiligen Abgabetermine gar nicht schaffen.


Anita F. aus Brake möchte gerne wissen, woher Sie die Ideen für ihre Bücher nehmen?
Wie weiter oben schon beschreiben, kann eine Idee von den unterschiedlichsten Reizen ausgelöst werden: ein Lied, ein Buch, ein Film, eine interessante oder auch ganz alltägliche Situation. Manchmal entdecke ich auch im Internet ein interessantes Thema oder auch bei der Recherche für einen Roman.


Anastasia aus Bulgarien fragt: Welches Buch liegt momentan auf Ihrem Nachttisch, Frau Schier?Bis gestern lag da noch „Rückkehr nach Rivers’ End“ von Nora Roberts, das ich schon mehrfach gelesen habe. Und weil ich gerade so in der passenden Stimmung bin, werde ich als Nächstes von derselben Autorin noch einmal „Der Ruf der Wellen“ lesen. Vielleicht, weil das Wetter gerade so schön warm und sonnig ist.


Diana V. aus Bergheim ist gleich an mehreren Dingen interessiert: War das Schreiben schon immer ein Traum von Ihnen?
Wahrscheinlich schon. Geschichten haben mich seit meiner Kindheit begleitet. Wenn ich längere Zeit nicht schreiben kann, fühle ich mich unwohl. Es hat also vielleicht auch etwas mit „Berufung“ zu tun.


Gibt es bestimmte Plätze, an denen Sie am liebsten schreiben?Der beste Platz zum Schreiben ist und bleibt der PC in meinem Arbeitszimmer. Da habe ich meine Handbibliothek und alle verfügbaren Informationen in Griffweite und die nötige Ruhe.


Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: Schreiben ist für mich …… lebenswichtig. Mein Kopf ist voller Ideen und manchmal kommt es mir so vor, als würden es täglich mehr. Dürfte ich sie nicht aufschreiben, würde es in meinem Kopf vermutlich bald aussehen wie in einem Albtraum von Hieronymus Bosch.


Susanne K.-L. aus Hof fragt: Ist „Die Eifelgräfin“ ein für sich alleinstehender Roman oder evtl. der Beginn einer neuen Reihe?Zur „Eifelgräfin“ ist noch eine (aber nur eine) Fortsetzung geplant. Näheres darf ich noch nicht verraten, denn der Vertrag wird gerade erst ausgearbeitet. Aber es wird noch etwa anderthalb Jahre dauern, bis dieses Buch erscheinen soll.


Neele aus Schüttorf und auch Andreas möchten wissen: Welche Voraussetzungen braucht man zum Schreiben?Neben dem Quäntchen Talent, das nicht fehlen darf, muss man bereit sein, lebenslang zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Neunzig Prozent beim Schreiben bestehen aus Handwerk, das man lernen kann und muss. Und darüber hinaus braucht man neben Begeisterungsfähigkeit auch jede Menge Motivation und Durchhaltevermögen.


Kerstin M. aus Bindlach fragt: Welches Ereignis in Ihrem Leben hat sie am meisten für die Schriftstellerei geprägt?Ich glaube, das kann man in meinem Fall nicht an einem bestimmten Ereignis festmachen. Mit elf Jahren erhielt ich mein erstes Tagebuch. Seither schreibe ich. Aber die Geschichten in meinem Kopf waren auch vorher schon da.


Frederike R. aus Berlin würde gerne erfahren: Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher, besonders bei den Historischen. Interessieren Sie sich hauptsächlich nur für diese eine bestimmte Epoche?
Zu den Ideen allgemein: siehe oben. Gerade bei den historischen Romanen kommt es auch vor, dass ich bei der Recherche über neue Themen stolpere, die ich dann später weiter verfolge. Bei „Die Stadt der Heiligen“ war es aber wieder anders. Da bin ich auf der Suche nach interessanten Dingen einfach durchs Internet gesurft und zufällig auf der Seite des Aachener Domes gelandet. Das war 2007, und da wurde gerade über die kurz bevorstehende Heiligtumsfahrt berichtet, die in Aachen alle sieben Jahre stattfindet. Ich wurde neugierig, fand heraus, dass es diese Heiligtumsfahrt schon seit Jahrhunderten gibt: Damit war eine neue Idee geboren.
Es stimmt, dass ich mich momentan hauptsächlich im späten Mittelalter bewege. Dort kenne ich mich natürlich sehr gut aus. Aber es sind inzwischen auch schon Ideen zu anderen Epochen in meinem Kopf. Und Rowohlt ist da auch gar nicht abgeneigt, also lassen Sie sich überraschen! 🙂


Ich bedanke mich im Namen aller fleißigen Fragesteller ganz herzlich für dieses Interview, liebe Petra, und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg beim Schreiben!

Interview mit Lea Korte

Heute hat Lea Korte für euch Fragen beantwortet!

Viel Spaß!




Liebe Lea, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Zu Beginn erzähle doch kurz etwas über dich.
Was gibt es über mich zu erzählen? Ich bin mit einem Franzosen verheiratet, habe zwei Kinder (9 und 14), einen (reichlich!) verrückten Hund und eine schwarze Katze, die auch nicht viel normaler als der Hund ist.
Seit etwa 18 Jahren lebe ich überwiegend in Spanien. Mit 12 war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal am spanischen Mittelmeer und habe „beschlossen“, dass ich dort leben will. Mit dem Schreiben war es ähnlich: Das war auch so ein früher „Beschluss“. Dass später in der Tat beides geklappt hat, zeigt, dass man seine Kinderträume manchmal doch in die Tat umsetzen kann. 😉


Zwei Veröffentlichungen, viele gute Rezensionen und gerade erst in einer neuen lovelybooks-Aktion neben vielen namhaften Autoren vertreten. Du startest durch – vom anderen Ende Europas…
Wie fühlt sich so viel Erfolg an?

Ich freue mich natürlich riesig, dass vor allem mein neuer Roman „Die Maurin“ ein so großes Echo erfährt! Vor allem sage ich deswegen, weil mir gerade „Die Maurin“ besonders am Herzen liegt. Neben dem historischen Hintergrund und Zahra as-Sulamis Geschichte geht es in diesem Buch auch um die Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen. Das Buch zeigt, dass wir über viele Jahrhunderte schon einmal sehr gut miteinander ausgekommen sind. Toleranz und Verständnis füreinander waren damals die großen Stichworte. Und ich würde mir wünschen, dass wir wieder zu einem friedlichen Miteinander zurückfänden.


Gehen wir einmal zurück zu den Anfängen: Was war dein erster Roman? Und wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, Bücher zu schreiben?
Dass ich „später“ einmal schreiben wollte, habe ich schon sehr früh beschlossen, mit 12 oder 13, und das mit der gleichen Naivität wie andere in dem Alter beschließen, Tierarzt, Astronaut oder Lokomotivführer zu werden. Ich war schon damals eine absolute Leseratte und dachte, es müsse wunderbar sein, nie etwas anderes tun zu müssen, als immer nur zu lesen und zu schreiben – und das finde ich noch immer. 😉

Aber bis es dann wirklich Realität geworden ist, hat schon noch ein wenig gedauert: Zuerst habe ich, vor allem zur Beruhigung der Nerven meiner Mutter, einen Brotberuf studiert – aber nachdem ich meine Diplome als Dolmetscher und Diplomökonom in der Tasche hatte, habe ich dann gleich mit dem Schreiben losgelegt. Als mein erster Roman fertig war, habe ich ihn an eine Agentur geschickt, die diesen Roman zwar nicht wollte, weil er ihnen mit seinen 850 Seiten zu dick war, mir aber ein anderes Projekt vorgeschlagen hat: einen Frauenroman. Und so kam es zu meinem ersten dann auch veröffentlichten Roman.


Nachdem du nun den ersten Schritt in die große Welt des Schreibens getan hattest, wie ging es weiter? Vor allem: Wie ist es dazu gekommen, dass du angefangen hast, historische Romane zu schreiben?
Ich habe zunächst noch zwei weitere Frauenromane geschrieben, dann einen Entwicklungsroman – und bei diesen Recherchen festgestellt, dass mir das Nachforschen und Suchen nach Informationen großen Spaß macht. Da ich mich außerdem schon immer sehr für die Geschichte meiner Wahlheimat interessiert habe, war es von da nur noch ein kleiner Schritt zu meinem ersten historischen Roman.


Als du schon mit dem Schreiben von historischen Romanen begonnen hast, ist eine deiner Kurzgeschichten auch in einer Anthologie erschienen. Der eigene Name in mitten vieler anderer. Wie ist deine Geschichte in dieses Sammelwerk gekommen?
Nachdem „Die Nonne mit dem Schwert“ veröffentlicht worden ist, bin ich in die Autorenvereinigung Quo vadis eingetreten, in der sich inzwischen über 100 Autoren historischer Romane zusammengeschlossen haben. Ruben hatte die Idee, dass wir eine gemeinsame Anthologie herausbringen sollten: „Das steinerne Auge“. Es ist eine Sammlung von historischen Kurzgeschichten von der Antike bis fast in die Neuzeit; in jeder von ihnen spielt ein Achat eine mehr oder minder große Rolle. Ich war natürlich sofort begeistert und habe bei diesem Projekt sehr gern mitgemacht.


„Die Nonne mit dem Schwert“ spielt in Spanien. War die Wahl dieser Schaustätte persönlicher Natur? Schließlich lebst du im schönen Spanien.
Ja, genau, da ich in Spanien lebe und sehr gut Spanisch spreche, war es sowohl für mich als auch für meinen Agenten naheliegend, dass ich mir ein Thema aussuche, das ich von dort aus gut recherchieren kann.


Wie kamst du zur Handlung? Ist sie dir über den Weg gelaufen, hast du sie zusammenkonstruiert, oder ist sie vielleicht sogar aus dem Alltag heraus entstanden?
Ich habe damals eine Umfrage in meinem (spanischen) Freundeskreis gestartet: Welche historische Frauenfigur fasziniert euch am meisten? – Außer einigen Königinnen und Teresa de Avila fiel dabei auch der Name von Catalina de Erauso, die im 17. Jahrhundert gelebt hat. Ihre Eltern hatten sie schon früh in ein Kloster gesteckt, wo Catalina sich allerdings vom ersten Tag an nicht wohl gefühlt hat. Sie war zu wild, zu freiheitsliebend und wollte „die große Welt“ kennen lernen. Als der Tag der Weihe nahte, sah sie die Möglichkeit zur Flucht und hat diese auch sofort ergriffen. Als Frau hätte Catalina damals kaum ein Auskommen finden können und überdies suchten ihre Eltern sie natürlich; also stibitzte sie sich die Kleider eines Jungen und lebte fortan mit aller Konsequenz als Mann. Sie hatte ein sehr aufregendes Leben, und da sie später, als sie in Spanien und in Südamerika schon zu einiger Berühmtheit gelangt war, auch eine Autobiografie darüber geschrieben hat, ist auch heute noch sehr viel darüber bekannt. Diese Autobiografie, die den Titel „Die Nonne Fähnrich“ trägt, ist die Grundlage meines Romans.


Aus einem Hintergrundbericht zu deinem ersten Roman erfährt man, dass die weibliche Hauptperson die Erlaubnis vom Papst persönlich hatte, in Männerkleidern zu leben. Eine ziemlich spektakuläre Story. Ist auch dies wirklich alles passiert?
Zwei Jahrhunderte vor Catalina lebte die berühmte Johanna von Orleans. Johanna wurde unter dem Vorwand, die Haare „nach Sklavenart kurzgeschoren“ und Männerkleidung getragen zu haben, auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In Europa ging die Inquisition um. Catalina war genau der gleichen Gefahr ausgesetzt: Wenn jemand herausfand, dass sie in Wahrheit eine Frau war, würde auch sie vor einem Inquisitionsgericht enden! Und in der Tat „fliegt“ sie an einer bestimmten Stelle des Romans „auf“ – und in ihrem wirklichen Leben natürlich ebenso! Ihre ganze Geschichte war auch aufgrund der großen Taten, die sie „als Mann“ vollbracht hatte, so spektakulär, dass man dann in Spanien nicht wagte, sie einfach hinzurichten, sondern sie in der Tat dem Papst vorführte. Aber wie der dann entschied und wie das Ganze weiterging, kann ich hier natürlich nicht verraten. 😉


War die Recherche schwierig, stellte sie dich vor Hindernisse?
Die Recherchen zu „Die Nonne mit dem Schwert“ waren eigentlich nicht so schwierig. Diese Zeit ist gut dokumentiert, aber die Recherche war trotzdem sehr aufwendig, weil ich natürlich auch viele Details recherchieren musste: Wie lebte man zu der Zeit? Wie ging es auf einem Schiff zu? Und überdies spielt ein Teil des Romans in Südamerika, so dass ich auch die dortige Geschichte und Lebensumstände recherchieren musste.





Mittlerweile ist dein zweiter historischer Roman bei Knaur erschienen. Auch dieser spielt wieder in Spanien. Der Unterschied, diesmal spielt es aus der Sicht der Mauren.
Wie bist du an diese Recherche herangegangen?

Bei „Die Maurin“ war das historische Geschehen rund um die letzten fünfzehn Jahre der Reconquista meine Ausgangsbasis. Davon ausgehend habe ich dann den Roman geplant, was schon ein ziemlich aufwändiges Unterfangen war. Nachdem ich diese letzten Jahre der Reconquista sehr genau studiert hatte, habe ich mir überlegt, welche Ereignisse hiervon die Wichtigsten waren. Aufgrund dieses Grundgerüsts habe ich fiktive Personen gesucht, die all dies am eigenen Leib miterleben konnten und auch selbst eine interessante Geschichte haben – und so entstanden Zahra as-Sulami und ihre Familie. Es war mir wichtig, ihr Leben und das ihrer Familie so mit der wahren Historie zu verweben, dass ein einziger, neuer Guss entsteht und der Leser dabei alle wichtigen Ereignisse der Reconquista so vermittelt bekommt, als wäre er quasi dabei – weil er mit Zahra und den ihren mitfühlt und mitleidet.


Hast du wieder „Klinken putzen“ müssen oder kam der Vertrag „freiwillig“?
Da sich „Die Nonne mit dem Schwert“ gut verkauft hat, war der Verlag auch selbst daran interessiert, dass es weitergeht – und ich natürlich auch. 😉 Ich habe dann ein Exposé geschrieben und es zusammen mit ein paar Probekapiteln vorgelegt … und kurz darauf bekam ich auch schon den Vertrag für „Die Maurin“.


Du hast als Protagonisten bisher sehr starke Charaktere gewählt. Kannst du dich mit ihnen vergleichen?
Mit Kämpfernaturen kann ich mich schon besser identifizieren, weil auch mich Widerstände nicht bremsen, sondern eher dazu veranlassen, alles aus mir herauszuholen. Von daher kann ich mich auch sehr gut mit dieser Weisheit von Seneca identifizieren, die ich der „Maurin“ vorangestellt habe: „Nicht, weil die Dinge uns unerreichbar erscheinen, wagen wir nicht – weil wir nicht wagen, erscheinen sie uns unerreichbar.“


Was hat dein Interesse so für die Religionskonflikte zwischen Mauren und Christen geweckt?Ein gewisses Interesse hatte ich auch schon, bevor ich mit dem Roman begonnen habe, aber in aller Konsequenz kam dies eigentlich erst durch die Arbeit an der „Maurin“. Da die Mauren Muslime waren, musste ich mich außer mit den geschichtlichen Ereignissen natürlich auch mit dem Islam auseinandersetzen und fand dies zunehmend faszinierender. Es ist eine fremde Welt für mich gewesen, die mir aber zunehmend vertrauter wurde. Dabei ist mir aufgefallen, dass ein Großteil der heutigen Konflikte zwischen Christen und Muslimen auch darauf beruht, dass wir einfach zu wenig voneinander wissen. Ich finde es schade, ja, sogar nicht mehr zeitgemäß, dass in den Schulen weiterhin vor allem oder sogar nur die eigene Religion und die Geschichte des eigenen Landes vermittelt werden. Die Globalisierung müsste auch in den Schulen Einzug einhalten: nur wenn ich „den anderen“ kenne und verstehe, kann ich eine vertrauensvolle Beziehung zu ihm aufbauen.


Wie viel Zeit hast du in die Recherche der damaligen religiösen Abhandlungen und Sitten verwendet? Ist das dem heutigen Alltag noch sehr ähnlich, oder hast du viele Unterschiede entdeckt?
Die Recherche war schon sehr umfangreich: drei Jahre habe ich für „Die Maurin“ gebraucht, und ein nicht geringer Teil fiel dabei allein auf die Recherche. Erschwerend kam hinzu, dass der Inquisitor Cisneros nach dem Ende der Reconquista Bücherverbrennungen in unglaublichem Ausmaß veranlasst hat. Dadurch sind viele Erinnerungen, Berichte, Daten und natürlich auch ein Großteil der reichen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Mauren für immer in Flammen aufgegangen. Aus diesem Grund kann man heute viele Informationen über die Mauren nur noch bei Fachleuten finden. Mein Glück war, dass der Bruder einer Freundin von mir an der Universität von Cádiz (Spanien) Professor für Arabistik und Islamwissenschaften ist. So hatte ich eine überaus kompetente Anlaufstelle für all die Fragen, die ich nicht allein durch das Lesen von Büchern oder Recherchereisen beantworten konnte. Ich bin Prof. Dr. Jordi Aguadé und seiner muslimischen Frau Laila Benyahia unendlich dankbar für ihre Hilfe.
Der Vergleich zwischen damals und heute ist schwer. Es gab und gibt sehr große Unterschiede zwischen Muslimen und wie sie ihren Glauben praktizieren. Überdies denke ich, ist es wichtig, nicht in erster Linie den Christen oder den Muslimen, sondern vor allem den Menschen zu sehen.


Bist du selbst religiös?
Ich bin fest davon überzeugt, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, aber religiös in dem Sinne, dass ich an eine der Religionen glaube, bin ich nicht. Ich bin sehr interessiert an den Religionen, und zwar an allen, und denke, sie sind wichtig: als Hoffnungsspender und als moralischer Leitfaden. Die Kriege und Auseinandersetzungen lösen ja auch nicht die Religionen aus, sondern „die“ Menschen. In jeder Religion gibt es das Gebot „Du sollst nicht töten“ und die Aufforderung, seine Mitmenschen zu achten und zu lieben. Würden wir das alle tun, ginge es der Menschheit um einiges besser. Ich denke, Toleranz ist das „Zauberwort“. 😉


Wie sieht so ein typischer Schreibtag bei dir aus?
Sehr starr und schematisch: Kaum sind die Kinder aus dem Haus, setze ich mich auch schon vor den PC. Nach dem „Warmschreiben“ durch das Beantworten meiner Mails oder Facebook- und Twitternachrichten beginne ich mit dem Schreiben. In der Regel setze ich mir als Ziel, wenigstens sieben Seiten am Tag zu schreiben, aber zuvor überarbeite ich immer die Kapitel der letzten ein bis drei Tage.
Für die historischen Romane ist natürlich viel Recherchearbeit nötig. Das Gros davon mache ich, bevor ich mit dem Schreiben anfange, aber auch beim Schreiben gibt es immer noch Dinge, die man recherchieren muss. Aber wenn ich erst einmal mit einem Buch angefangen habe, stehen diese sieben Seiten schon ganz oben auf meiner Liste. Zur Not muss die Nacht zum Recherchieren herhalten.
Derzeit habe ich auch einige Leserunden laufen, so dass auch dies Teil meiner Arbeit ist. Der Kontakt mit den Lesern ist mir sehr wichtig – und das war auch der Hauptgrund für mich, mich bei facebook und twitter „einzuklinken“.


Wenn du gerade nicht schreibst, was machst du dann?
Da ich eine Familie mitsamt zwei Kindern habe, bleibt da neben dem Schreiben gar nicht mehr so viel Zeit für anderes. Ich gehe mit unserem Hund spazieren, lese auch selbst gern und viel, mache Yoga und spiele Klavier. Entspannung pur ist für mich ein Bad im Meer. Teilweise lese ich auch meine Manuskripte oder Fachbücher am Strand oder im Strandcafé. Eigenartigerweise kann ich mich dort am besten konzentrieren und nehme das „Gewusel“ dort um mich herum gar nicht wahr.


Sicher quälst du deine Tastatur schon wieder stundenlang. Kannst du den Lesern schon einen winzigen Vorgeschmack auf dein nächstes Buch geben? Und wird es wieder spanisch geprägt sein?
Ich plane einen neuen historischen Roman, der in dem Spannungsfeld der drei großen Religionen spielen wird: dem Islam, dem Christen- und dem Judentum. Mit dem Ende der Reconquista bricht dieser Konflikt nämlich erst richtig auf! Es ist gut möglich, dass er die Fortsetzung von „Die Maurin“ wird.


Was wolltest du deinen Lesern schon immer mal sagen?
Nun, vor allem wohl, dass wir Autoren nichts ohne sie, die Leser, wären. Ich freue mich über den persönlichen Kontakt zu meinen Lesern, kann versprechen, dass ich sowohl auf E-Mails als auch auf Facebook- oder Twitternachrichten immer recht prompt antworte und kann deswegen alle nur animieren, mir einfach mal zu schreiben!


Und zum Schluss vervollständige bitte diese Sätze:
Schreiben ist….

mein Leben.
Ich bin glücklich, wenn…
meine Familie es auch ist.


Ich bedanke mich ganz herzlich bei dir für dieses Interview!

Interview mit Laila El Omari

Heute im Interview ……. LAILA EL OMARI…..



Viel Spaß beim Lesen!


Du schreibst an einem neuen Buch? Das hört sich sehr interessant an. Würdest du deinen Stammlesern ein paar Tipps geben?
Laila El Omari: Dieses Mal handelt es sich um einen Roman, der in Gibraltar spielt, während der Großen Belagerung von 1779-83. Es ist wieder eine Familiensaga, die sich dieses Mal jedoch um ein Geheimnis rankt, das erst im Laufe des Romans ans Licht kommt.


Wie kann man sich vorstellen, sieht bei dir die Arbeit an einem neuen Roman aus? Wie beginnst du, wann schreibst, brauchst du bestimmte Orte…?
Laila El Omari: Am liebsten schreibe ich an meinem Schreibtisch, ich kann am besten arbeiten, wenn ich meinen gewohnten Arbeitsplatz habe. Ich beginne meist am frühen Vormittag mit dem Schreiben, habe um mich herum meine Unterlagen zur Recherche griffbereit und trinke dabei Unmengen an Kaffee …


Wie hast du mit dem Schreiben begonnen? Liest man dein letztes Buch, ist man auch gleich sehr beeindruckt von deinem Stil.
Laila El Omari: Das war eigentlich ganz unspektakulär, ich habe mich eines Tages hingesetzt und beschlossen, dass ich – nach vielen angefangenen Romanen in meiner Jugend- und Studentenzeit – jetzt mal eine Geschichte komplett erzähle und bis zum Schluss durchhalte, und daraus wurde die englische Erbin.


Sind dir auch Schreibblockaden ein Begriff? Wenn ja, wer oder was hilft dir wieder auf die Beine?
Laila El Omari: Ja, Schreibblockaden hatte ich auch schon. Da helfen mir persönlich ganz unterschiedliche Dinge: Oft lasse ich den Text dann ruhen, mache Spaziergänge und versuche, ihn aus der Distanz zu betrachten, oder ich durchbreche die Blockade, indem ich einfach drauflos schreibe, auch wenn ich das Meiste hinterher wieder löschen muss, aber oft finde ich auf diese Weise einen Faden, an den ich anknüpfen kann.


Gehst du noch anderen Hobbys außer dem Schreiben nach und liest du auch so gerne wie du schreibst?
Laila El Omari: Ich bin jahrelang geritten, musste den Reitsport aber aus Zeitgründen leider aufgeben. Und natürlich lese ich sehr gerne und versuche immer, mir einige Stunden dafür freizuschaufeln, auch wenn die Zeitpläne eng sind.


Was ist das für ein Gefühl, wenn man Erfolg mit seinen Geschichten hat? Möchtest du die Meinung des Lesers schnell erfahren, oder findest du deine eigenen Sätze vollkommen unspektakulär?
Laila El Omari: Ich glaube, die Lesermeinungen sind für jeden Autor wichtig. Es ist immer sehr spannend, zu erfahren, wie der eigene Roman ankommt.


Wie sammelst du Informationen für einen neuen Roman? Begibst du dich auch an die Handlungsorte?
Laila El Omari: Normalerweise recherchiere ich ausschließlich aus Büchern.


Freust du dich auf die Wintermonate, oder bist du eher der am-Strand-liege-Typ?
Laila El Omari: Ich mag beides. Der Winter hat was Gemütliches, wenn man sich mit einem Buch aufs Sofa kuschelt, und im Sommer kann man einfach viel im Freien unternehmen.


Vielen Dank an dich, Laila, für die Beantwortung der Fragen. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem momentanen Projekt und auch für die Zukunft.

Interview mit Inge Löhnig

Heute im Interview ……. Inge Löhnig!


Inge Löhnig


Viel Spaß beim Lesen!



Liebe Inge, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Bitte erzählen Sie zu Beginn doch kurz etwas von sich und Ihrem Leben.
Ich bin verheiratet und lebe mit meinem Mann und meinen Kindern, die beide noch studieren, in der Nähe von München. Der Fünfte in der Runde ist Max, unseren 13 Jahre alten Kater, den ich ja viel lieber Jimmy Kater genannt hätte. Von Beruf bin ich eigentlich Grafik-Designerin und seit über zwanzig Jahren selbständig. Eigentlich, schreibe ich, weil ich momentan zwei Berufe habe, Autorin und Designerin und davon träume, irgendwann ganz vom Schreiben leben zu können.


Bevor Sie begonnen haben zu schreiben, haben Sie selbst viel gelesen. Tun Sie das heute auch noch, oder fehlt dafür einfach die Zeit? Haben Sie Lieblingsautoren?
Ganz ehrlich: Mir fehlt inzwischen die Zeit dafür, soviel zu lesen wie früher. Außerdem kann ich keine Krimis lesen, während ich selbst an einem schreibe. Das liegt daran, dass ich nun weiß, zu welchen Mitteln man greifen muss, um den Leser möglichst lange im Unklaren zu lassen, falsche Fährten zu legen und die Spannung zu halten. Mir fehlt also inzwischen der unvoreingenommene Blick aufs Genre. Und das ist sehr schade! Außerdem beginne ich zu vergleichen und das Ergebnis fällt natürlich bei Lektüre meiner Lieblingsautoren deprimierend aus. Also hebe ich mir Krimis und Thriller für die Zeit auf, in der ich nicht selbst an einem Manuskript arbeite.
Zu meinen Lieblingsautoren gehören Karin Alvtegen, Henning Mankell, Martin Suter, Charles Lewinsky, Paul Auster, Irene Dische, Annie Proulx … das würde jetzt eine lange Liste werden.


Ihr erster Roman wurde ja eher zufällig veröffentlicht. Wie haben Sie darauf reagiert?
Zufällig trifft es nicht so ganz. Meinen ersten Roman „Der Sünde Sold“ habe ich ursprünglich nur für mich geschrieben, weil ich wissen wollte, ob es mir gelingt ein Buch zu schreiben, das ich gerne lesen würde. Außerdem – das las ich in Schreibratgebern und Foren – sei der Erstling für die Schublade, den würde eh kein Verlag annehmen. Also habe ich mich mit meinem zweiten Roman bei Literaturagenten beworben und bin schnell bei einer Agentin untergekommen. Im Laufe eines Gesprächs erzählte ich auch vom Manuskript, das in der Schublade schlummerte. Natürlich wollte meine Agentin es sehen, es gefiel ihr ausnehmend gut und sie bot es verschiedenen Verlagen an. Ullstein hat dann ein sehr gutes Angebot für zwei Bücher gemacht – und das an meinem 50. Geburtstag! Natürlich war ich total glücklich. Eine Flasche Champagner lag ohnehin schon im Kühlschrank. Also haben wir den Korken knallen lassen.


Nachdem er wirklich gerne gelesen wurde, hat das Ihrem Selbstbewusstsein gut getan? Von wegen erster Roman – Übungsroman. Bei Ihnen war er gleich ein einschlagender Erfolg.
Natürlich habe ich mich über den Erfolg meines Erstlings gefreut und er hat mir auch Mut gemacht weiter zu schreiben. Und ich freue mich noch. Im Windschatten des Folgebands „In weißer Stille“, gewinnt Band Eins zurzeit wieder neue Leser und die gönne ich Dühnfort und seinem Team.


Ich habe gelesen, Filmrechte seihen nun auch schon vergeben. Wie viel können Sie dazu sagen und wie fühlten Sie sich nach dieser Nachricht?
Die Filmoption wurde verkauft. Das bedeutet, dass die Erwerber dieser Option innerhalb einer festgelegten Zeit die Produktion des Films auf die Beine stellen können, ohne dass ihnen jemand die Filmrechte wegschnappen kann. Es müssen also Geldgeber gefunden werden. „Der Sünde Sold“ sollte eine Fernsehproduktion werden. Ich sage sollte, denn seit ein paar Tagen weiß ich, dass leider nichts daraus wird. Das ist einerseits sehr schade, andererseits kannte ich die Faustregel, die besagt, dass nur aus jeder zehnten Option auch tatsächlich ein Filmrechtekauf und somit ein Film wird. Aber wer weiß, vielleicht klappt das irgendwann doch noch.


Das zweite Buch wurde mit viel Begeisterung von den Lesern angenommen und das dritte Buch ist in Arbeit. Können Sie darüber schon etwas aus dem Nähkästchen plaudern?
Dühnforts dritter Fall ist abgeschlossen und bereits im Lektorat. Vor ein paar Tagen habe ich den Entwurf fürs Cover gesehen. Es sieht klasse aus, passt in die Reihe und ist das bisher spektakulärste Cover der Serie.
Vom Inhalt kann ich auch schon ein wenig verraten. Ganz klar: Dühnfort hat seinen Segelunfall überlebt. Nach OP und Reha ist er wieder im Dienst. Dieses Erlebnis hat ihn ein klein wenig offener gemacht und auch ein wenig spontaner. Dennoch ist er nach wie vor ein Grübler, der sein Herz nicht auf der Zunge trägt. In die Lösung seines neuen Falls sind seine empathischen Fähigkeiten von größerer Bedeutung, als Kriminaltechnik und Fallanalyse. Agnes ist nicht ganz von der Bildfläche verschwunden, was Gina natürlich nicht gefällt. Und es gibt eine weibliche Hauptfigur, die ich sehr mag. Eine freche, übermütige und leider auch etwas unbedachte junge Frau mit ungewöhnlichem Hobby, einigen Brüchen in ihrem Lebenslauf und einer Schildkröte namens Epiktet.


Vielen Lesern gefallen Ihre Bücher, der Stil, der Ideenreichtum. Lesen Sie Meinungen im Web und wie steht es mit dem Kontakt zu Ihren Lesern? Kommen viele auch über Mailkontakt auf Sie zu?
Da ich im Web sehr aktiv bin, sehe ich mir gelegentlich die Rezensionen zu meinen Büchern an und begleite Leserunden in Internet. Die Meinung der Leser und deren Feedback sind mir wichtig, denn inzwischen schreibe ich ja nicht mehr für mich alleine. Außerdem ist es sehr interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Eindrücke zu meinen Romanen und Figuren sind.
Das Internet bietet mir gute Möglichkeiten mit meinen Lesern in Kontakt zu kommen und natürlich gilt das auch umgekehrt. Ich habe eine eigene Autorenwebsite und eine Fanpage bei Facebook. Wer also mit mir in Kontakt treten möchte, kann mir Mails schreiben, mich über FB kontaktieren oder mir einen Brief mit der guten alten Post schicken. Das ist tatsächlich auch schon einmal geschehen. In der Regel bekomme ich allerdings Emails.


Bücher sind viel Arbeit. Wie gehen Sie an eine neue Geschichte heran? Müssen Sie manchmal auch mit Ihrem Durchhaltevermögen kämpfen?
Das ist eine schwierige Frage, denn bisher gab es bei jedem Romanprojekt einen anderen Ausgangspunkt. Als ich mit „Der Sünde Sold“ begann, hatte ich keine Ahnung, wie man einen Roman schreibt. Daher ist er während eines jahrelangen Lernprozesses entstanden. Fachbücher und Workshops haben mir dabei geholfen.
Beim zweiten Roman stand zu Beginn ein Thema im Vordergrund, das sich dann jedoch nach langer Planung als zu komplex für einen Krimi erwies. Von all meinen Ideen blieb eine Leiche übrig, bei der mir der Mörder abhanden gekommen war. Also habe ich an diesem Punkt neu angesetzt.
Das Thema für den aktuellsten Fall fand ich eines Morgens beim Frühstück. Ich las in einem Buch, das zum Recherchematerial des zweiten Dühnfort-Krimis gehörte und entdeckte dabei etwas, das mich nicht mehr losgelassen hat.
Da mir das Schreiben sehr viel Freude macht, muss ich mich nicht zwingen. Manchmal gibt es allerdings Zeiten, in denen es sehr zäh vorangeht. Dann ist Durchhaltevermögen gefragt. Mittlerweile habe ich herausgefunden woran das in den meisten Fällen liegt. Entweder kenne ich eine meiner Figuren nicht gut genug, um zu wissen, wie sie sich verhalten würde oder ich habe etwas nicht gut genug recherchiert und muss nachrecherchieren. Was ich gar nicht gerne schreibe ist Polizeiarbeit. Die ist nämlich, wenn man sie realistisch beschreiben würde, häufig sehr langweilig.


Wie sieht ein „typischer“ Tag bei Ihnen aus?
Morgens um sechs stehe ich auf. Jeden Tag. An Wochenenden und Feiertagen, in den Ferien und im Urlaub. Als erstes mache ich mir – noch im Schlafanzug – eine Kanne Grünen Tee, setze mich an meinen Mac und schreibe. Um diese Zeit ist mein Kopf noch völlig frei und ich kann mich ganz auf meine Geschichte einlassen. An normalen Arbeitstagen sehe ich zu, dass meine Kinder und mein Mann in die Gänge kommen, mache Frühstück und wenn dann alle das Haus verlassen haben, versuche ich vormittags zu schreiben und nachmittags meine Grafik-Aufträge zu erledigen. Zwischendurch mache ich Haus- und Gartenarbeit und kümmere mich um meine Mutter, die nebenan wohnt. An stressigen Tagen kommt das Schreiben oft zu kurz.


Haben Sie beim Schreiben eine Art Macke? Immer ein Stückchen Schokolade, oder ein Tee…. Sowas in der Art…?
Ja, diese Macke habe ich, wie schon beschrieben: Am liebsten schreibe ich morgens um sechs und trinke dabei eine Kanne Grünen Tee.


Vervollständigen Sie bitte diese Sätze;
Schreiben ist…
… für mich ein ganz großes Vergnügen.

Ich bin glücklich, wenn…
… meine Figuren mir das Heft des Handelns aus der Hand nehmen und sich alleine schreiben.


Ich bedanke mich bei Inge Löhnig für dieses Interview und wünsche Ihnen recht herzlich weiterhin viel Erfolg mit Ihren Büchern!