Gabriella Engelmann begleitet mich in meinem Leseleben schon sehr lange. Mittlerweile hat sie so einige Bestseller geschrieben und ich bin sehr stolz, dass ich 2010 ein ausfĂźhrliches Interview mit ihr fĂźhren durfte.
Von Gabriella Engelmann habe ich schon viele BĂźcher gelesen.
Hier eine Auswahl der ausfĂźhrlicheren Bewertungen:
Liebe Gabriella, vielen Dank, dass sie diesen Fragen Ihre Zeit widmen mĂśchten. Bitte stellen Sie sich doch zuerst kurz vor.
Meinen Namen kennen Sie ja schon, was also gibt es noch zu erzählen? Mal sehen ⌠Ich wurde vor 44 Jahren in MĂźnchen geboren, vor 30 Jahren nach Hamburg âumgesiedeltâ, wo es mir ausgesprochen gut gefällt. Nach Stationen als Buchhändlerin, Lektorin und Verlagsleiterin schreibe ich seit 2004 â und das mit sehr viel Freude. Wenn ich nicht gerade arbeite oder lese, gehe ich gern ins Kino, ins Theater, in die Natur oder Essen. Ich liebe es, mit Menschen zusammen zu sein, bin aber auch gern fĂźr mich allein. FĂźr meine Buchrecherchen in anderen Städten oder auf Inseln nehme ich mir immer eine persĂśnliche âAuszeitâ, um auf andere Gedanken zu kommen und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Mich interessieren Menschen (okay, ich geb´s zu: in erster Linie Frauen, denn die machen meist mehr aus ihrem Leben), die sich entwickeln und auch manchmal unkonventionelle Wege gehen. Deshalb schreibe ich auch gern Ăźber Frauen an so genannten Wendepunkten ihres Lebens.
Haben Sie immer schon gerne mit BĂźchern zu tun gehabt?
Ja, seitdem meine Eltern zusammen mit mir Pappbilderbßcher angeschaut haben. Als ich selbst begann zu lesen, schleppte ich immer stapelweise Bßcher aus der Bßcherei und brachte sie zur Verwunderung der Bibliothekarin eine Woche später komplett gelesen wieder zurßck. Da war es nur logisch und konsequent, später beruflich etwas mit Bßchern zu machen.
Hat Ihnen der Beruf der Buchhändlerin Freude bereitet? Wurde es nicht auf die Dauer langweilig?
Ich habe diesen Beruf von der ersten Sekunde an geliebt â und wĂźrde ihn jederzeit wieder ergreifen, wenn die Umstände danach wären. Es hat mir groĂen SpaĂ gemacht fĂźr Kunden das jeweils passende Buch zu finden, auch wenn es oft lange gedauert hat. Ein weiteres Hobby: Unbekannte Titel oder Autoren zu empfehlen. Langweilig wurde es eigentlich nie. Es gab nur ein paar stereotype Fragen, die ich im Laufe der Zeit nicht mehr hĂśren konnte, hier eine kleine Auswahl: âHaben Sie was Nettes fĂźrs Krankenhaus?â, âSind Sie die Hauptkasse?â, oder âIch suche ein Geschenk fĂźr jemanden, den ich kaum kenne und von dem ich auch nicht weiĂ, ob er gern liestâ.
Wie war die Umstellung auf die FĂźhrung eines Verlages?
Einerseits weitgehend unkompliziert, da ich bereits eine groĂe Abteilung der Thalia Buchhandlung mit mehreren Mitarbeitern geleitet hatte â andererseits eine Herausforderung, weil ich diesmal mit Autoren, Illustratoren, AuĂendienstmitarbeitern, Agenten und Managern zu tun hatte â bis dato alles Neuland fĂźr mich. Alles in allem aber eine spannende Sache, eine Zeit, in der ich unglaublich viel gelernt habe und die ich keinesfalls missen mĂśchte.
Wie haben Sie andere Menschen zum Schreiben gebracht?
Als Verlags- und Programmleiterin war es meine Aufgabe, interessante und kompetente Autoren zu akquirieren. Da âEdition Riesenradâ sich nach dem groĂen Erfolg des Bilderbuches von Katja Riemann auf KinderbĂźcher aus der Feder von Prominenten spezialisiert hatte, habe ich den âMarktâ beobachtet und geschaut, wen ich fĂźr talentiert halte, zu wem unser Konzept passt, wer glaubwĂźrdig â und vor allem mit dem Herzen bei der Sache – ist. Waren diese Voraussetzungen erfĂźllt, war der âRestâ in der Regel kein Problem, denn die meisten haben sich sehr Ăźber meine Anfrage gefreut.
Inwiefern ist dadurch âDie Promijägerinâ entstanden?
Ich habe eines Nachts geträumt, dass ich selbst einen Roman schreibe. Nachdem ich den Gedanken zunächst als komplett abstrus abtat, setzte ich mich irgendwann an den Laptop und heraus kam âDie Promijägerinâ. Ich hatte im Laufe von fĂźnf Jahren Verlagsleitung so viele Promis mit all ihren Macken, LiebenswĂźrdigkeiten, Eitelkeiten und sonstigen Besonderheiten kennen gelernt, dass ich intuitiv wusste: Das hat echtes Potenzial fĂźr eine KomĂśdie.
Sprudelten die Ideen nur so aus Ihnen heraus und wollten Sie nach Ihrem ersten Buch gleich weiter schreiben?
Beide Fragen kann ich eindeutig mit âja!â beantworten. Nach der âPromijägerinâ hatte ich das GefĂźhl, viele meiner Anekdoten noch nicht untergebracht zu haben. AuĂerdem stand Marie Teufel zum Ende des Buches hin am Anfang eines neuen Lebensweges. Den wollte ich einfach gern weiter erzählen. Alle Buchideen, die danach entstanden, sind mir im Laufe der Zeit zugeflogen, wofĂźr ich sehr dankbar bin. Es ist zum GlĂźck nach wie vor so, dass ich immer noch mindestens fĂźnf weitere Romane im Kopf habe, die ich gern noch erzählen wĂźrde ⌠Hoffentlich bleibt das so!
Haben Sie lange nach Verlagsangeboten suchen mĂźssen, oder kamen die mit der Zeit von selbst?
Im Falle der âPromijägerinâ hatte ich das GlĂźck von einer guten Agentin, aber vor allem von der wunderbaren Autorin Gaby Hauptmann unterstĂźtzt zu werden, die mir damals ein tolles Quote fĂźr das Buch schrieb. Klar, dass da gleich mehrere Kandidaten Interesse bekundet hatten. Mittlerweile ist es so, dass ich von anderen Verlagen â im Bereich Kinder- und Jugendbuch, aber auch im Falle meiner KomĂśdien unter dem Pseudonym Rebecca Fischer â aktiv von Lektoren angesprochen werde. Ein echter Luxus, und Anlass dankbar zu sein.
Inseln, Meer und Liebe. Gute Themen fĂźr romantische Literatur. Was bringt aber Inseln wie Sylt und Amrum in ihre Romane? War es der Charme, oder wollten Sie einfach schon immer mal dorthin?
Ich war schon als Kind fasziniert von Inseln und habe häufig dort Urlaub gemacht. Die Nordseeinseln haben es mir aber immer schon besonders angetan. Von daher ist es natĂźrlich purer Luxus, Privates mit Beruflichem zu verbinden und zu Ăźberlegen, welche Geschichten sich dort abseits des Touristentrubels abspielen kĂśnnten. Auf Inseln konzentriert sich alles â das ist ja schon räumlich bedingt â also natĂźrlich auch die persĂśnlichen Themen der Heldinnen. Sich von der Weite des Meeres gefangen nehmen zu lassen, kann da manchmal ganz hilfreich sein, auch wenn sich das ein bisschen nach Klischee anhĂśrt.
Auf der Homepage steht: Ziegler Film KĂśln hat die Filmrechte fĂźr âInselzauberâ erworben. Was kĂśnnen Sie dazu sagen? Verläuft das Projekt im Sande?
Mittlerweile ist die Option leider ausgelaufen, weil Ziegler Film Berlin stattdessen den Roman âFerien auf Sylt-Krokanâ von Nina Kresswitz mit Christine Neubauer in der Hauptrolle an die ARD verkauft hat. Der Film lief neulich und hat mir gut gefallen – also an dieser Stelle Gratulation an Frau Kresswitz! Ehrlich gesagt finde ich aber immer noch, dass mein âInselzauberâ das Potenzial zu einem TV-Movie hat, zumal es altersmäĂig und thematisch eine andere Zielgruppe ansprechen wĂźrde. Und man darf ja schlieĂlich auch träumen đ
Schreiben Sie schon an einem neuen Buch? KĂśnnen Sie darĂźber, wenn ja, schon etwas verraten?
Aktuell schreibe ich gerade an einer KomĂśdie fĂźr die so genannten âJungen Erwachsenenâ, die 2010 bei Rowohlt/Rotfuchs erscheint. Darin geht es um eine (glĂźckliche) Pessimistin, die nach einem Schlag auf den Kopf zur Optimistin wird. Klingt erst einmal nach Happy End â doch im Falle von July ist es so, dass ihr Leben danach komplett aus dem Ruder läuft. Wie sie aus diesem (vermeintlichen) Dilemma herauskommt, kann man im März nächsten Jahres lesen â sich dabei hoffentlich schlapp lachen und ein bisschen darĂźber nachdenken, wie man es eigentlich selbst in Sachen Lebenseinstellung hält.
Erst kĂźrzlich erschien ein Buch unter dem Pseudonym âRebecca Fischerâ. Wie kamen Sie zu diesem Namen und Ăźberhaupt zu einem Pseudonym?
Da man als Autorin exklusiv bei einem âHausverlagâ schreibt, sollte man bei Arbeiten fĂźr einen anderen Verlag ein Pseudonym wählen, um Handel und Lesern nicht zu irritieren. Viele Autoren wählen diesen Weg auch, um zwei unterschiedliche Genres zu bedienen. Den Namen hat der Verlag aus meinen Favoriten an Vor- und Nachnamen zusammengestellt.
Wird es mehr aus dieser Richtung von Ihnen geben?
Ich hoffe, dass âLĂźgst du noch oder liebst du schon?â viele begeisterte Leser findet, weil es mir SpaĂ macht, ergänzend zu meinen etwas ernsteren Romanen weiterhin KomĂśdien fĂźr Erwachsene zu schreiben. Im Kinder- und Jugendbuch kann ich mich diesbezĂźglich ja auch schon austoben. Eine etwas andere Richtung beschreite ich hingegen bei meinem (modernen) Märchen-Buch (WeiĂ wie Schnee, rot wie Blut, grĂźn vor Neid â ein mĂśrderischer Schneewittchen-Roman), das Mitte Juni im Arena Verlag erscheint. Dort habe ich eine Thriller-Ader in mir entdeckt, von deren Existenz ich bislang selbst nicht wusste ;-). In diese Richtung wird es hoffentlich auch noch ein bisschen weitergehen. Als nächstes steht bei Arena âDornrĂśschenâ auf dem Programm.
Wie kamen Sie zum Literary-Scouting?
Diese Entscheidung entstand nach meiner Kßndigung im Verlag. Ich hatte nach wie vor Ideen zu Buchprojekten und suchte nach einem Weg, diese verwirklichen zu kÜnnen, ohne beim Verlag angestellt zu sein, oder eine Agententätigkeit auszußben. Also habe ich mit Agenturen, die ich mag und denen ich vertraue, eine Basis der Zusammenarbeit gefunden, um Buchprojekte zu realisieren und neue Talente zu entdecken und zu fÜrdern.
Wßrden Sie das Literary-Scouting kurz näher erläutern?
Ich arbeite in diesem Fall als eine Art âSubunternehmerinâ fĂźr literarische Agenturen und damit auf Erfolgsbasis. Ich prĂźfe und redigiere Manuskripte, die an mich herangetragen werden, oder konzipiere selbst Buchideen und suche passende Autoren. Aus ZeitgrĂźnden muss ich stark selektieren und konzentriere mich schwerpunktmäĂig auf Projekte, die ich selbst entwickle. Meine jĂźngsten âCoupsâ: Die JugendbĂźcher der NDR-Moderatorin Birgit Hasselbusch, die ich fĂźr eine sehr talentierte und kreative Autorin halte, was der Rowohlt Verlag offenbar genauso sieht. Und die Zusammenarbeit an der tollen Kurzgeschichte âSeelenverwandteâ, mit dem erfolgreichen Texter und Sänger Frank Ramond (schreibt u.a. fĂźr Annett Louisan, Ina MĂźller und Roger Cicero), die im Februar 2011 in der Anthologie âLiebe macht doofâ im Fischer Taschenbuchverlag erscheint.
Was ist Ihr grĂśĂter Traum?
Mit mir selbst mĂśglichst immer im Reinen zu sein. Selbstbewusst, mutig, optimistisch und gesund im Leben zu stehen und meine Zeit mit Menschen, die ich liebe zu verbringen, denen es genauso gut gehen soll. AuĂerdem wäre ich gern meine Katzenallergie los, dann kĂśnnte ich endlich hemmungslos mit ihnen schmusen ⌠ach ja: ein Häuschen an der Nordsee wäre auch schĂśn, es darf auch klitzeklein sein âŚ.
Wie lange schreiben Sie schon?
Ich schreibe seit 2003. Ich habe â schon damals unter Pseudonym â bei Edition Riesenrad einige Kinderkurzgeschichten fĂźr Prominente geschrieben, die in der Anthologie âPfeif der Angst ein Liedchenâ (Ein Projekt gegen rechte Gewalt, dessen TeilerlĂśse der Aktion Gesicht zeigen e.V. zu Gute kamen) abgedruckt wurden. Die Promis haben sich gefreut, bei einem so schĂśnen und ambitionierten Buch dabei sein zu dĂźrfen â und ich habe dabei fĂźr mich ungeplanter weise das Schreiben entdeckt. Der nächste Schritt war dann mein DebĂźtroman.
Haben Sie schreibende Vorbilder?
Keine direkten, aber viele, viele Autoren, die ich sehr mag. Dazu gehĂśren aus dem Comedy-Genre auf alle Fälle Steffi von Wolff, Kerstin Gier und Sophie Kinsella. Ich mochte aber auch âMängelexemplarâ von Sarah Kuttner und liebe die beiden âNordwindâ- BĂźcher von Daniel Glattauer. Aus dem ernsten Genre lese ich sehr gern KĂźnstlerbiografien, Texte von Wilhelm Genazino, Thomas Bernhard oder Satiren auf den Literaturbetrieb wie âDas bin doch ichâ von Thomas Glavinic. Und je länger ich nachdenke und in meine Regale schaue, desto mehr fällt mir ein. Ich bin wohl wirklich eine echte âBĂźcherfrau.â Mein neues Lieblingsbuch ist Ăźbrigens âKĂśnigskinderâ von Gernot Gricksch!
Wie sieht ein typischer Schreibtag bei Ihnen aus?
Er beginnt zunächst damit, dass ich (im Bett sitzend), einen groĂen Becher Milchkaffee trinke und den vorangegangenen Tag Revue passieren lasse. Ich fĂźhre mir vor Augen, was mir alles SchĂśnes passiert ist und Ăźberlege dann, worauf ich mich am heutigen Tag freuen kann. Nachdem ich meine Mails gelesen und beantwortet habe, checke ich das Amazon-Ranking, meiner BĂźcher. Als nächstes lese ich Korrektur dessen, was ich am Tag zuvor geschrieben habe und beginne mich selbst zu redigieren. Dann schreibe ich ein paar Stunden, bis ich Hunger bekomme. (Eigentlich habe ich fast immer Hunger, das nur so nebenbei). Die Mittagspause verbringe ich häufig mit meinem Freund, meiner besten Freundin Steffi von Wolff, oder Kolleginnen (EimsbĂźttel ist ein echtes Autorennest) – also mit Menschen, die ebenfalls freiberuflich arbeiten. Ich genieĂe es sehr, aus meinem Arbeitszimmer zu verschwinden und fĂźr ein bis zwei Stunden BĂźcher einfach BĂźcher sein zu lassen. Danach schreibe ich je nach Tagesform bis in den Abend hinein. Eine Regel gibt es dabei allerdings: Spätestens um halb acht muss der Computer aus sein, weil ich sonst nicht abschalten kann und die Romanfiguren mich den ganzen Abend und später in meinen Träumen begleiten âŚ
Wie leicht kĂśnnen Sie sich von Ihren Figuren am Ende verabschieden?
Ehrlich gesagt nicht so leicht. SchlieĂlich ist es bei ihnen ja ein bisschen wie bei Kindern: man bringt sie auf die Welt, dann auf den Weg â und irgendwann muss man loslassen und kann ihnen nur das Beste wĂźnschen. Vielleicht ist es daher auch ganz natĂźrlich, dass ich im Geiste ihre Geschichten immer mal wieder weiterspinne, um ihnen den Rahmen fĂźr eine Fortsetzung zu geben. Realisiert habe ich das aber bislang nur bei der âJagdsaison fĂźr Märchenprinzenâ, dem Nachfolger der âPromijägerinâ. Ein weiteres Lieblingsspiel von mir ist es Ăźbrigens, Figuren aus unterschiedlichen BĂźchern aufeinander treffen zu lassen. Aber mit dieser Marotte stehe ich vermutlich nicht ganz allein auf weiter Flur âŚ
Vielen Dank, liebe Gabriella, dass sie sich Zeit fĂźr das Interview genommen haben. Ich wĂźnsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!
Vielen Dank, liebe Frau Nicklaus, dass Sie so schĂśne Fragen gestellt haben. Weiterhin ganz, ganz viel Erfolg fĂźr Ihren Blog und herzlichen Dank fĂźr die schĂśne UnterstĂźtzung!

1 Kommentar
Oh Oh immer wenn ich G.E. Namen hĂśre oder lese fällt mir ein, was ich eigentlich tun wollte…. đ