Interview mit Arno Strobel

Heute im Interview: Arno Strobel!!


arno_strobel


Lieber Arno, schön, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!
Bitte stelle dich doch zu Beginn kurz vor!

Geboren bin ich am 18.08.1962 in Saarlouis, der „heimlichen Hauptstadt des Saarlandes“.
Die „normalen“ Stationen habe ich, wie es bei mir üblich ist, nicht in der „normalen“ Reihenfolge absolviert.
Erst kam (Haupt-)Schule und Ausbildung in einem handwerklichen Beruf, dann Bundeswehr und zwei Jahre Berufserfahrung und dann erst Mittlere Reife, Abi und schließlich ein Studium im FB Versorgungstechnik.
Fertig? Oh nein!! Denn jetzt merkte ich, dass ich eigentlich ein Faible für den IT-Bereich habe.
Also weiter im Text. Studiumaufbau IT, Programmieren und Netztwerktechnik, dann selbständig im Bereich IT-Unternehmensberatung.
Ah, nun also am Ziel …!?
Na ja, fast! Der letzte Schritt meines bisherigen beruflichen Werdeganges war schließlich der zu einer großen deutschen Bank in Luxembourg, wo ich seitdem im Bereich Change Management/Organisation tätig bin.
Ich bin verheiratet und habe drei Kinder. Zusammen leben wir in einem gemütlichen Häuschen in der Nähe von Deutschlands ältester Stadt Trier.


Nun ist dein zweiter Roman „Das Wesen“ bei den Fischerverlagen erschienen. Wie fühlst du dich?
Es ist eine Mischung aus Freude über den vorgezogenen Veröffentlichungstermin und angespannter Erwartung, wie „Das Wesen“ wohl ankommen wird.


Hättest du, als du dein erstes Buch auf eigene Faust herausbrachtest, mit deiner jetzigen, so großen positiven Resonanz gerechnet?
Niemals. Ich habe mich unheimlich gefreut, als meine ersten beiden Romane beim dtv herausgebracht wurden, denn schon in diesem Moment hatte ich mehr erreicht, als ich es mir erträumt hatte. Seit aber der Fischer Taschenbuchverlag meinen Trakt zum Spitzentitel gemacht hat komme ich mir vor wie Alice in einer Endlosschleife im Wunderland.


Ist es schöner, auf eigenen Beinen zu stehen, oder bei einem Verlag einen Vertrag zu haben? Beides hat Vor- und Nachteile…
Für mich ist es definitiv die jetzige Variante. Was nützt mir die totale Selbständigkeit, wenn ich weder das Know-How, noch die Vertriebswege eines Publikumsverlages habe. Von den finanziellen Mitteln für eine Marketingkampagne ganz zu schweigen.


Du hast Ideenbücher, du hast Eingebungen – wie entscheidet sich, aus welcher Spielerei letztlich ein Buch wird?
Im ersten Moment aus dem Bauch heraus. Ich schaue mir meine Zettelchen durch, und wenn ich bei einem das Gefühl habe, es ist jetzt der richtige Moment für diese Geschichte, denke ich darüber nach. Mittlerweile gibt es aber noch ein weiteres Kriterium, und das ist die Resonanz auf die vorherigen Bücher. Gibt es Kritikpunkte, die vermehrt auftauchen, versuche ich, die beim nächsten Projekt zu berücksichtigen, zu verbessern. Dabei kann es sein, dass eine Idee, die ich ursprünglich gut fand, in den Mülleimer wandert.


Hast du bestimmte Macken beim Schreiben? Brauchst du Musik, oder Schokokekse, oder einfach nur die Kaffeetasse neben dir?
Nein, leider nicht. Leider, weil es einen so blass macht, so „normal“, wenn man nicht mindestens mit einem gekochten Ei aufwarten kann, das beim Schreiben in einem orangefarbenen Eierbecher links neben dem Schreibtisch stehen muss, oder der Armbanduhr, die schon lange nicht mehr funktioniert, die beim Schreiben aber immer am Arm ist. Nein, keine Macken, nichts Außergewöhnliches. Nur hinsetzen und mit Freude schreiben.


Ich denke, es kommt auch vor, dass der Autor mit seinem Text nicht zufrieden ist. Geht es dir so? Krempelst du auch öfter noch mal alles um, wenn es dir nicht gefällt? Bist du also eher der kritische Leser deiner eigenen Ergüsse, oder siehst du erst mal alles positiv?
Ich bin superkritisch, was meine Texte angeht. Es kommt durchaus vor, dass ich zehn oder mehr Seiten lösche, weil sie mit beim Redigieren nicht mehr richtig gefallen. Ich hebe diese Seiten auch nicht auf, sondern lösche sie komplett, um nicht in Versuchung zu kommen, sie doch noch zu benutzen.


Deine Bücher haben den Aufdruck „Psychothriller“. Denkst du, in diese Sparte passen sie?
Ich denke schon. Wenn mir halbwegs gelingt, was ich realisieren möchte, dann sind es Psychothriller.


Beschäftigst du dich mit der Psyche und Wahrnehmung, wenn du deine Bücher schreibst?
Natürlich, aber das ist nicht außergewöhnlich, und auch nicht zwangsläufig mit dem Genre Psychothriller verknüpft. Jede/r Autor/in wird sich vor dem Schreiben mit der Psyche im Allgemeinen und der seiner/ihrer Figuren ganz besonders auseinandersetzen müssen, wenn sie ein „Eigenleben“ entwickeln sollen.


Wie leicht fällt es dir, dich von deinen Figuren zu verabschieden?
Oh, das ist wirklich schwer. Nicht nur, dass man ein gewisses „Verhältnis“ zu den Figuren aufgebaut hat, es ist auch das Bewusstsein, ihnen nun nicht mehr helfen, sie nicht mehr lachen lassen zu können. Man übergibt sie der Obhut der Leser/innen, ohne zu wissen, wie die sie sich ‚erdenken‘ werden.


Welchen Rat würdest du Jungautoren geben?
Ich weiß nicht, ob ich in der Position bin, anderen Autoren einen Rat zu geben, auch nicht sogenannten Jungautoren. Ich weiß aber sicher, dass ich nicht dort stehen würde, wo ich jetzt bin, wenn ich nicht drei Dinge gehabt hätte: Ausdauer, Glück und Glück.


Wenn man dich nach 5 Lieblingsautoren fragt, welche würdest du spontan nennen?
Keine, denn ich habe viel mehr als fünf Lieblingsautoren, und nur fünf davon zu nennen würde den anderen nicht gerecht werden.


Hast du als Kind schon gerne geschrieben?
Ja, aber nie mit dem Gedanken, es einmal beruflich zu tun.


Was war der Auslöser dafür, dass du mit 40 plötzlich das Schreiben für dich entdeckt hast?
Das waren Internetforen, die ich zu dieser Zeit entdeckte, in denen jeder seine selbst geschriebenen Kurzgeschichten veröffentlichen und der Meinung wildfremder Menschen aussetzen konnte. Das fand ich interessant, und ich schrieb meine ersten beiden Texte. Die kamen dann so gut an, dass mich das ermutigte, weiter zu schreiben.


Was ist dein größter Traum?
Dass meine Träume sich irgendwann, aber nicht zu schnell, erfüllen werden.


Bitte vervollständige diese Sätze:
Schreiben ist…
entspannender Stress, freiwillige Notwendigkeit, berufliches Hobby, zweiter Erstjob, eigentlich nicht zu beschreiben.


Ich bin glücklich, wenn… es allen in meinem Umfeld gut geht. Wenn ich mit dem, was ich schreibe das erreiche, was ich möchte: unterhalten.


Lieber Arno, vielen Dank für dieses Gespräch! Ich habe mich sehr gefreut und wünsche dir noch ganz viel Erfolg auf deinem weiteren Weg. Ich werde ihn auf jeden Fall weiterhin begleiten!

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