[LoveLetter Convention] Interview mit Susanne Schomann



~ Interview mit Susanne Schomann ~




Hallo ihr Lieben,

„Susanne Schomann wurde 1958 in Hamburg geboren und ist dort auch zur Schule gegangen. […]
Kaum in der Schule, entdeckte sie auch schon ihre Leidenschaft für Bücher und ihr Vater bezeichnete sie oft liebevoll als seine ‚Leseratte‘.
[…]
Nach der Geburt ihres ersten Sohnes gab sie ihren Beruf auf, um ganz für ihn, und bald darauf auch für seinen kleinen Bruder da sein zu können.
Als ihre Söhne schließlich beide zur Schule gingen, nutzte sie die gewonnene freie Zeit, um ihrer großen Leidenschaft, dem kreativen Schreiben, intensiver nachzugehen.
Die Autorin ist seit 1981 glücklich verheiratet und lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden erwachsenen Söhnen in ihrer Heimatstadt.“

Text Quelle: Susanne Schomann
Bild Copyright: Sabine Kayser, Fotostudio Blendenspiel, Hamburg


Liebe Susanne, du besuchst die LoveLetter Convention in diesem Jahr nicht das erste Mal.
Woran erinnerst du dich besonders gerne zurück, welche Momente sind dir in Erinnerung geblieben?

Ja, ich bin in diesem Jahr bereits zum dritten Mal dabei. Besondere Momente gab es so viele und ich möchte keinen einzigen davon missen. Der Austausch mit Kolleginnen, das Kennenlernen, aber vor allem die großartigen Gespräche mit den Lesern, das alles sind Schätze für mich. Ich erinnere mich so gerne an einzelne Begebenheiten.

Mein allererstes Blind-Date zum Beispiel (LLC 2012). Ich kam an diesen Tisch, war noch vollkommen unbekannt, da mein Debütroman „Bernsteinsommer“ gerade einmal vier Wochen auf dem Markt war. Das war Stress pur. An den Nebentischen saßen die schon bekannten Kolleginnen und ich dachte nur: Oh Gott, niemand hier am Tisch, will wirklich mit DIR hier sitzen! 🙂 Ich habe einfach drauflos gequatscht und hinterher sind daraus so unglaublich nette Gespräche und kleine Freundschaften entstanden. Ein Traum!
Oder die Leserin, die mir bei der Signierstunde erzählte, wie mein Buch ihre Ehe gerettet hat. Das sind Erlebnisse, die bleiben für immer in guter Erinnerung.



Im April erscheint bereits dein neues Buch „Die Farbe des Mondes“ und im August kommt dann noch „Wilder Wacholder“.
Zwei Bücher in einem Jahr, 5 Bücher in deiner bisherigen Autorenkarriere.
Hat sich das Schreiben für dich verändert? Geht es dir vielleicht mittlerweile einfacher von der Hand, als noch bei „Bernsteinsommer“?

Das Schreiben wird sich für mich nie wirklich verändern. Es ist meine Passion und ich glaube, es wird mir auch niemals zu viel werden. Natürlich gehört auch eine Portion Handwerk dazu. Bei MIRA-Taschenbuch, hatte ich das Glück, von Anfang an mit hervorragenden und sehr einfühlsamen Lektorinnen arbeiten zu dürfen, die mir stets das Gefühl vermitteln, dass sie meine Arbeit schätzen.

Natürlich lernt man von Buch zu Buch dazu, entwickelt sich als Autor weiter, aber der Prozess bleibt wie er ist. Jede Geschichte sucht sich von allein ihren eigenen Rhythmus.



Wie beginnst du eine neue Geschichte?
Ist da plötzlich ein Fragment aus einer Handlung, oder stellt sich dir ein Protagonist vor, oder wirst du durch Erlebnisse inspiriert?

Die Frage wird oft gestellt, und ich beantworte sie immer wieder gerne. Bei mir ist das so, dass sich zunächst der Held Platz in meinem Kopf erkämpft. Seine Geschichte bringt er oft im Gepäck gleich mit. Meine Helden sind meist sehr präsent und weigern sich, wieder zu gehen, bis ich endlich zugestimmt habe, ihre Geschichte zu erzählen. Sie verlangen von mir, ihnen ihre ganz persönliche Heldin zu erschaffen, und ich tue es. Wie könnte ich so tolle Männer auch jemals enttäuschen? Außerdem kann ich immer erst wieder richtig ruhig schlafen, sobald ich angefangen habe, ihre Geschichte zu schreiben.



Mir persönlich gefallen ja deine romantisch-verspielten Cover total.
Hast du Einfluss auf ihre Gestaltung?

Die Cover sind ein Traum! Ich liebe sie auch. Ob ich Einfluss habe? Sagen wir mal so: ich werde gefragt. Es würde wohl kein Cover veröffentlich werden, mit dem ich nicht einverstanden wäre. Sobald mir ein Cover gar nicht gefällt, könnte ich das auch sagen. Als ich das Cover für „Die Farbe des Mondes“ gesehen habe, hatte ich vor Freude und Verzückung Tränen in den Augen. Aber das heißt nichts, ich bin eine Heulsuse. 
Das Cover ist einfach so stimmungsvoll und zauberhaft. Es war der allererste Vorschlag der Graphiker und ich habe ihn sofort angenommen. Ich fand alle Cover schön, aber dieses haut mich glatt um. Wie immer, kann ich es kaum erwarten, das Buch endlich in den Händen halten zu dürfen.



Meine erste Frage drehte sich um die vergangenen Conventions, meine letzte Frage ist nur für die zukünftige gedacht.
Worauf freust du dich, wenn du an die LLC 2014 denkst?

Auf ALLES! Auf die anderen Autoren, auf Euch Blogger, meine Leser (die von allen die besten sind!), die ganz eigene Atmosphäre. Ich hoffe sehr, dass ich dieses Mal ein bisschen mehr Zeit habe, um mit einigen ein paar Worte mehr zu wechseln. (Zum Beispiel mit Dir, liebe Ramona)
Außerdem bin ich schon sehr gespannt auf die neue Location. Und ich freue mich wie verrückt darüber, dass mein Sohn Lennart dieses Mal der offizielle Fotograf der LLC sein wird. Seine Fotos von der letzten Convention — die er eigentlich nur für mich gemacht hatte — haben die Veranstalter überzeugt. Nun muss ich ihn zwar ein bisschen teilen, aber ich gönne ihm diese Herausforderung von Herzen.



Vielen Dank, dass du dir die Zeit für die Beantwortung meiner Fragen genommen hast.
Ich freue mich schon sehr, dich im Mai dann wieder persönlich zu sehen!



Wer freut sich noch darauf, Susanne auf der LLC kennenzulernen? 🙂

[LoveLetter Convention] Interview mit Nalini Singh



~ Interview mit Nalini Singh ~




Hallo ihr Lieben,

die Bücher von Nalini Singh stelle ich am Donnerstag vor, aber gibt es nun etwas ganz besonderes! Die Autorin hat mir 5 Fragen beantwortet! 🙂 Ein klitzekleines Interview mit einem Einblick in ihre Welt, die bestimmt ein paar ihrer Leser interessieren dürfte! Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf, sie bald persönlich kennenzulernen!

Die Antworten der Autorin habe ich nach bestem Wissen und Gewissen übersetzt und die Originale eingefügt.

Copyright: Nalini Singh


Du hast die erste LoveLetter Convention 2012 in Berlin besucht und du warst 2 Mal auf kurzer Lesereise in Deutschland. Hattest du Zeit für ein bisschen Sightseeing? Gibt es etwas, was du nochmal sehen möchtest, oder etwas, was du eingeplant hast, das du bei deinen letzten Reisen nicht geschafft hast?
You attended the first LoveLetter Convention in Berlin in 2012 and also
did two short book tours that year in Germany. Did you have time to do some
sightseeing? Anything you would like to visit again or plan to do this time
that you didn’t get around to see during your last trips?

Ich war ein bisschen auf Sightseeing tour. Normalerweise bin ich während einer Lesereise nur einen Tag in der Stadt, so können wir nicht viel machen, aber trotzdem genieße ich die kurzen Stops immer sehr.

In Trier zum Beispiel saßen wir auf dem Platz, haben Eis gegessen und einfach die Umgebung genossen. In Köln konnte ich zur Kathedrale gehen und einige Fotos machen, während wir in Limburg genug Zeit hatten, durch die Kopfsteinpflasterstraßen zu spazieren und einfach die Atmosphäre zu genießen. Das gleiche ist mit den anderen Städten, die ich während der Lesereise besucht habe – es gibt immer etwas zu tun.

Nach der Lesereise kam ich zurück nach Berlin und ich konnte die Stadt mehr im Detail erkunden, was viel Spaß gemacht hat. Dieses Mal werde ich keine Freizeit für Sightseeing in Deutschland haben – ich schätze, ich muss nochmal wiederkommen!

I did get to do a little bit of sightseeing. Usually, on a book tour, we’re only in the city for a day, so we can’t go far, but I always still enjoy the stops.

In Trier for example, we sat in the square, had ice-cream, and just soaked in the surroundings. In Cologne, I was able to go to the Cathedral and take some photos, while in Limburg, we had enough time to go for a walk through the cobblestoned streets and just enjoy the atmosphere. The same with the other cities I visited on the book tours – there’s always something to do!

After the book tour, I came back to Berlin and was able to explore in more detail, which was fun. This time around, I won’t have free time to sightsee in Germany – I guess I’ll just have to come back again!




Was erwartest du von deiner zweiten Teilnahme an der Convention? Denkst du, die LLC hat sich sehr verändert? Und gibt es dort Menschen (Autoren, Leser,…) auf deren Wiedersehen du dich freust?

What do you expect from your second participation in the event? Do you
think the LLC will have changed a lot? And are there people (fellow authors,
readers …) you are especially looking forward to seeing again?

Ich bin sehr aufgeregt, zu sehen, wie sich die LLC entwickelt hat und wie sie seit der ersten Convention gewachsen ist. Ich erwarte, dass es viel Spaß machen und sehr einladend sein wird. Ich freue mich auf jeden!

I’m super excited to see how LLC has developed and grown since the very first convention. I expect it to be just as fun and as welcoming. I’m looking forward to seeing everyone!




Was war deine schönste Erfahrung während einer Lesung?

What was your best experience during a reading?

Jede Lesung oder Signierstunde ist anders, aber ich finde meine Leser sind so liebe, liebe Menschen. Ich verbringe so eine schöne Zeit mit ihnen, wenn ich mit ihnen rede und ihre Gedanken zu den Charakteren und Stories höre. Ich fühle mich privilegiert, dass ich die Möglichkeit habe, mit ihnen zu interagieren.

Every reading or signing is different, but what I’ve found is that my readers are lovely, lovely people. I have such a good time talking to you all and hearing your thoughts on the characters and the stories. I feel privileged to have the opportunity to interact with you.




Warum liebst du es, ein Happy End für deine Charaktere zu schreiben?

Why do you love to give your characters a happy ending?

Es macht mich glücklich, meinen Charakteren ein glückliches, hoffnungsvolles Ende zu geben. Insbesondere den Charakteren die harte, dunkle und emotionale Erfahrungen in der Geschichte machen mussten. Die Wärme und das Licht eines Happy Ends sind nach allem, was geschehen ist, sehr wichtig. Für die Charaktere, für mich und ich glaube, auch für meine Leser.

It gives me joy to give my characters a happy, hopeful ending, especially given that my characters often go through some tough, dark, and rawly emotional experiences in the story. The warmth and light of a happy ending is important after all that. To the characters, to me, and I believe, to my readers.




Kannst du uns ein bisschen über deinen normalen „Schreiballtag“ erzählen?

Can you tell us something about your „normal writing day“?

Ich bin eine Nachteule, morgens bin ich kein effizienter Autor. In der Regel lösche ich morgens meine Mails, checke Facebook und/ oder Twitter, oder update meinen Blog. Ich mache auch „geschäftliche“ Dinge während dieser Zeit, zum Beispiel Verträge durchsehen, Telefongespräche führen und solche Sachen. Und ich muss trainieren! (Auf diese Weise kann ich auch weiterhin meiner Schokoladensucht frönen).

Außerdem versuche ich ein bisschen zu lesen, weil ich das Lesen liebe und ich denke, dass es gut für die Seele ist. Oft stütze ich mein iPad beim Gehen auf das Laufband, so kann ich lesen und trainieren zur gleichen Zeit!

Nach dem Mittagsessen schreibe ich. Wie viele Stunden, das hängt vom Tag ab. An manchen Tagen arbeite ich bis 2 oder 3 Uhr morgens, während ich mich an anderen Tagen entscheide, bis 8 oder 9 zu arbeiten.

Jedoch kann sich all das ändern, wenn zum Beispiel die Korrekturfahnen für ein Manuskript eintreffen. Die müssen in der Regel kurzfristig bearbeitet werden und dann verschwinde ich aus sozialen Netzwerken und arbeite so lange wie möglich, um so schnell wie es geht fertigzuwerden.

I’m a bit of a night owl, so I’m not as efficient a writer in the mornings. So usually, I’ll clear my emails, check Facebook and/or Twitter, or update my blog in the mornings. I also do „business“ things during this time – like go over any contracts I have to look at, answer phone calls and things like that. Plus, I have to exercise! (This way, I can continue to feed my chocolate addiction).

I also try to get in a little reading, because I love to read, and I think it’s good for the soul. Often, I prop up my Ipad on the treadmill while walking, so I read and exercise at the same time. Bonus!

After lunch is my writing time. How many hours I do depends on the day. Some days, I’ll keep going till two or three in the morning, while other days, I’ll decide to stop around 8 or 9.

However, all of that can change if, for example, copy edits come in for a manuscript. These usually have a short turnaround, so I generally disappear off social media and work as many hours as possible to get them completed asap.




Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast! Ich freue mich schon sehr, dich auf der LLC zu sehen!

Thank you for answering my questions. I’m really happy to see you at the LLC!

Wir sehen uns! Und danke für das Interview!

Nalini

See you there! And thanks for the great interview.

Nalini

Interview mit Arno Strobel

Heute im Interview: Arno Strobel!




Lieber Arno, schön, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!
Bitte stelle dich doch zu Beginn kurz vor!


Arno Strobel: Geboren bin ich am 18.08.1962 in Saarlouis, der „heimlichen Hauptstadt des Saarlandes“.
Die „normalen“ Stationen habe ich, wie es bei mir üblich ist, nicht in der „normalen“ Reihenfolge absolviert.
Erst kam (Haupt-)Schule und Ausbildung in einem handwerklichen Beruf, dann Bundeswehr und zwei Jahre Berufserfahrung und dann erst Mittlere Reife, Abi und schließlich ein Studium im FB Versorgungstechnik.
Fertig? Oh nein!! Denn jetzt merkte ich, dass ich eigentlich ein Faible für den IT-Bereich habe.
Also weiter im Text. Studiumaufbau IT, Programmieren und Netztwerktechnik, dann selbständig im Bereich IT-Unternehmensberatung.
Ah, nun also am Ziel …!?
Na ja, fast! Der letzte Schritt meines bisherigen beruflichen Werdeganges war schließlich der zu einer großen deutschen Bank in Luxembourg, wo ich seitdem im Bereich Change Management/Organisation tätig bin.
Ich bin verheiratet und habe drei Kinder. Zusammen leben wir in einem gemütlichen Häuschen in der Nähe von Deutschlands ältester Stadt Trier.


Nun ist dein zweiter Roman Das Wesen bei den Fischerverlagen erschienen. Wie fühlst du dich?


Arno Strobel: Es ist eine Mischung aus Freude über den vorgezogenen Veröffentlichungstermin und angespannter Erwartung, wie Das Wesen wohl ankommen wird.


Hättest du, als du dein erstes Buch auf eigene Faust herausbrachtest, mit deiner jetzigen, so großen positiven Resonanz gerechnet?


Arno Strobel: Niemals. Ich habe mich unheimlich gefreut, als meine ersten beiden Romane beim dtv herausgebracht wurden, denn schon in diesem Moment hatte ich mehr erreicht, als ich es mir erträumt hatte. Seit aber der Fischer Taschenbuchverlag meinen Trakt zum Spitzentitel gemacht hat komme ich mir vor wie Alice in einer Endlosschleife im Wunderland.


Ist es schöner, auf eigenen Beinen zu stehen, oder bei einem Verlag einen Vertrag zu haben? Beides hat Vor- und Nachteile…


Arno Strobel: Für mich ist es definitiv die jetzige Variante. Was nützt mir die totale Selbständigkeit, wenn ich weder das Know-How, noch die Vertriebswege eines Publikumsverlages habe. Von den finanziellen Mitteln für eine Marketingkampagne ganz zu schweigen.


Du hast Ideenbücher, du hast Eingebungen – wie entscheidet sich, aus welcher Spielerei letztlich ein Buch wird?


Arno Strobel: Im ersten Moment aus dem Bauch heraus. Ich schaue mir meine Zettelchen durch, und wenn ich bei einem das Gefühl habe, es ist jetzt der richtige Moment für diese Geschichte, denke ich darüber nach. Mittlerweile gibt es aber noch ein weiteres Kriterium, und das ist die Resonanz auf die vorherigen Bücher. Gibt es Kritikpunkte, die vermehrt auftauchen, versuche ich, die beim nächsten Projekt zu berücksichtigen, zu verbessern. Dabei kann es sein, dass eine Idee, die ich ursprünglich gut fand, in den Mülleimer wandert.


Hast du bestimmte Macken beim Schreiben? Brauchst du Musik, oder Schokokekse, oder einfach nur die Kaffeetasse neben dir?


Arno Strobel: Nein, leider nicht. Leider, weil es einen so blass macht, so „normal“, wenn man nicht mindestens mit einem gekochten Ei aufwarten kann, das beim Schreiben in einem orangefarbenen Eierbecher links neben dem Schreibtisch stehen muss, oder der Armbanduhr, die schon lange nicht mehr funktioniert, die beim Schreiben aber immer am Arm ist. Nein, keine Macken, nichts Außergewöhnliches. Nur hinsetzen und mit Freude schreiben.


Ich denke, es kommt auch vor, dass der Autor mit seinem Text nicht zufrieden ist. Geht es dir so? Krempelst du auch öfter noch mal alles um, wenn es dir nicht gefällt? Bist du also eher der kritische Leser deiner eigenen Ergüsse, oder siehst du erst mal alles positiv?


Arno Strobel: Ich bin superkritisch, was meine Texte angeht. Es kommt durchaus vor, dass ich zehn oder mehr Seiten lösche, weil sie mit beim Redigieren nicht mehr richtig gefallen. Ich hebe diese Seiten auch nicht auf, sondern lösche sie komplett, um nicht in Versuchung zu kommen, sie doch noch zu benutzen.


Beschäftigst du dich mit der Psyche und Wahrnehmung, wenn du deine Bücher schreibst?


Arno Strobel: Natürlich, aber das ist nicht außergewöhnlich, und auch nicht zwangsläufig mit dem Genre Psychothriller verknüpft. Jede/r Autor/in wird sich vor dem Schreiben mit der Psyche im Allgemeinen und der seiner/ihrer Figuren ganz besonders auseinandersetzen müssen, wenn sie ein „Eigenleben“ entwickeln sollen.


Wie leicht fällt es dir, dich von deinen Figuren zu verabschieden?


Arno Strobel: Oh, das ist wirklich schwer. Nicht nur, dass man ein gewisses „Verhältnis“ zu den Figuren aufgebaut hat, es ist auch das Bewusstsein, ihnen nun nicht mehr helfen, sie nicht mehr lachen lassen zu können. Man übergibt sie der Obhut der Leser/innen, ohne zu wissen, wie die sie sich ‚erdenken‘ werden.


Welchen Rat würdest du Jungautoren geben?


Arno Strobel: Ich weiß nicht, ob ich in der Position bin, anderen Autoren einen Rat zu geben, auch nicht sogenannten Jungautoren. Ich weiß aber sicher, dass ich nicht dort stehen würde, wo ich jetzt bin, wenn ich nicht drei Dinge gehabt hätte: Ausdauer, Glück und Glück.


Wenn man dich nach 5 Lieblingsautoren fragt, welche würdest du spontan nennen?


Arno Strobel: Keine, denn ich habe viel mehr als fünf Lieblingsautoren, und nur fünf davon zu nennen würde den anderen nicht gerecht werden.


Hast du als Kind schon gerne geschrieben?


Arno Strobel: Ja, aber nie mit dem Gedanken, es einmal beruflich zu tun.


Was war der Auslöser dafür, dass du mit 40 plötzlich das Schreiben für dich entdeckt hast?


Arno Strobel: Das waren Internetforen, die ich zu dieser Zeit entdeckte, in denen jeder seine selbst geschriebenen Kurzgeschichten veröffentlichen und der Meinung wildfremder Menschen aussetzen konnte. Das fand ich interessant, und ich schrieb meine ersten beiden Texte. Die kamen dann so gut an, dass mich das ermutigte, weiter zu schreiben.


Was ist dein größter Traum?


Arno Strobel: Dass meine Träume sich irgendwann, aber nicht zu schnell, erfüllen werden.


Bitte vervollständige diese Sätze:
Schreiben ist…


Arno Strobel: entspannender Stress, freiwillige Notwendigkeit, berufliches Hobby, zweiter Erstjob, eigentlich nicht zu beschreiben.


Ich bin glücklich, wenn…


Arno Strobel: es allen in meinem Umfeld gut geht. Wenn ich mit dem, was ich schreibe das erreiche, was ich möchte: unterhalten.


Lieber Arno, vielen Dank für dieses Gespräch! Ich habe mich sehr gefreut und wünsche dir noch ganz viel Erfolg auf deinem weiteren Weg. Ich werde ihn auf jeden Fall weiterhin begleiten!




Wenn ihr nun Interesse an den Büchern von Arno Strobel habt, dann schaut euch doch folgende Thriller von ihm mal an:
Zur Rezension zu Das Wesen von Arno Strobel
Zur Rezension zu Der Trakt von Arno Strobel
Zur Rezension zu Schlusstakt von Arno Strobel


Welche Bücher von Arno habt ihr schon gelesen und könnt ihr empfehlen?

Interview mit Nicole Joens

Heute möchte ich euch Nicole Joens vorstellen!
Ihr Buch, Maria und Josef (Werbung) habe ich vor kurzem gelesen und es hat mich so begeistert, dass ich kurzerhand Kontakt zur Autorin aufgenommen habe.
Und ich möchte euch das Buch wirklich ans Herz legen. Das ist keine verschwendete Zeit.


VIEL SPAß!



Liebe Nicole, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben.
Bitte stellen Sie sich doch zu Beginn kurz vor.

Liebe Ramona, das ist mein erstes Interview als Romanautorin. Es freut mich, dass Sie sich für mich als Mensch interessieren, aber vor allem fand ich Ihre Rezension meines Erstlings einfach wunderbar. Dafür also schon einmal meinen Dank.

Ich werde diese Weihnachten 49 Jahre alt. Als typisches Kind meiner Generation würde ich mich als Suchende bezeichnen, auch als eine Rastlose vielleicht. Die Liebe zwischen Mann und Frau hat mich schon immer fasziniert, weil sie mir grundsätzlich unmöglich scheint. Eigentlich verstehen wir uns nicht. Wir suchen uns ein Leben lang und jede Generation versucht aufs Neue ihr Glück, manchmal mit erstaunlich schönen Blüten, was mich zutiefst berührt.
Ich bin religiös, aber ohne Konfession. Wenn überhaupt, bin auch ich ein Marienkind, wie so einige der Charaktere in meinem Roman. Meine Antennen sind auf eine erdige Wahrheit, eine wirkliche Verbindung ausgerichtet und viel von Miriam lebt in meiner eigenen unruhigen Frauenseele.


Ihr Debütroman ist erfolgreich veröffentlicht. Wie fühlt sich das an?
Obwohl ich immer im Filmgeschäft tätig war, sowohl in den USA als auch in Deutschland, ist mein erster Roman vergleichbar mit einem Seelen-Striptease, weil er mein Innerstes offenbart. Es ist schaurig schön, also auch beängstigend.


Wie lange hat es gedauert, bis sich für „Maria sucht Josef“ ein Verlag interessiert hat?
Ehrlich gesagt ging es sehr schnell, da es bereits ein Drehbuch gab, das hier in Bayern von der Regierung gefördert wurde. Zudem habe ich eine Agentin, die mich begleitet hat, sodass ich das Dickicht der Verlage nicht alleine durchforsten musste.


Warum haben Sie das Buch geschrieben? Gab es einen Auslöser?
Ja, es gab einen ganz konkreten Auslöser, nämlich den Wunsch zu verstehen wer Maria und Josef heute sein würden. Kinderfragen waren der Auslöser. Zudem wünsche ich mir persönlich, dass die Qualität eines Josefs wieder Einzug hält in den Männerherzen. Ich sehe viel Schönheit darin.


Wie lange haben Sie an dem Buch geschrieben?
Ein halbes Jahr insgesamt, wobei die grundsätzliche Geschichte, also die zwei Wochen bereits in meinem Drehbuch aufgeschrieben war.


Hatten Sie manchmal Zeiten, an denen Sie einfach nicht weiterschreiben konnten – Schreibblockaden?
Nein, so etwas kenne ich nicht. Wenn ich genug geschlafen habe wache ich morgens auf und will an meinen Schreibtisch. Mein persönliches Teufelchen ist nicht die Blockade, sondern die Verzettelung. Ich könnte meinen Roman immer wieder und wieder überarbeiten, ein schrecklicher Zustand.


Die Protagonistin Miriam ist schwanger. Die Hebamme, bei der sie Hilfe sucht, nimmt z.B. Kontakt zum Ungeborenen auf. Oder sie versetzt Miriam in Trance und ergründet mit ihr zusammen ihre verletzte Seele. Wie sind Sie auf diese Themen gekommen? Glauben Sie selbst an solche Dinge?
Nicht nur glaube ich an solche Dinge, sondern ich habe sie selber erlebt. Es gibt heutzutage über Körperarbeit die Möglichkeit tief in die eigene Psyche einzudringen und sozusagen Verknüpfungen zu schaffen, die neue Wege öffnen.


Arbeiten Sie derzeit an einem 2. Roman?
Ja, ich habe bereits begonnen. Es ist wieder eine Frauengeschichte, ein sehr ungewöhnliches Schicksal, in einem historischen Kontext. Ich bin nach meinem ersten Roman wirklich süchtig nach der Arbeit selber geworden. Das Schreiben macht mich glücklich.


Lesen Sie selbst auch gerne?
Ich lese leidenschaftlich gerne, schon seit meiner Kindheit. Immer waren es die Autoren oder Autorinnen, die mich fasziniert haben. Oft habe ich alles gelesen, was jemand veröffentlich hat. Sie waren meine geheimen Freunde, vor allem auch in schwierigeren Lebenssituationen.


Was machen Sie sonst noch so in Ihrer Freizeit?
Meine größte Leidenschaft ist das Reisen, aber ich sehe auch sehr gerne gute Filme. Ansonsten habe ich nicht sehr viel Freizeit im landläufigen Sinne. Ich bin Mutter, Drehbuchautorin, seit neustem auch Filmproduzentin und versuche meine Zeit sinnvoll zu nutzen. Würde man mich allerdings fragen, was ich außer der Arbeit gerne mache, – die Antwort ist trivial: Kochen, Freunde treffen, in der Natur sein und mich mit einem guten Buch im Bett verkriechen und dem Regen zuhören. Ich liebe Regen und oft auch die Einsamkeit.


Hat Sie die Zeit in New York geprägt?
New York hat mich sehr geprägt. Ich war letzte Woche nach acht Jahren zum ersten Mal mit Mann du Kindern dort und habe eine Kaskade von widersprüchlichen Gefühlen erlebt. Meine Vergangenheit stieg auf. Viel Armut habe ich dort erfahren, auch Gewalt, aber vor allem durfte ich in dieser Stadt anders sein. Ohne es glorifizieren zu wollen, verdanke ich New York sehr viel. Die Stadt hat mich geschliffen.


Trug das Schreiben der Drehbücher Früchte? Hatten Sie Erfolg?
Wenn Sie Erfolg mit Geld gleichsetzen dann hatte ich welchen. Ich lebe seit über zwanzig Jahren davon, als Alleinerziehende mit zwei Kindern hat es gereicht, auch ohne Kindsunterhalt. Dafür bin ich dankbar. Generell finde ich, dass heutzutage nur noch sehr wenig Kreativität im Fernsehen zu beobachten ist. Es herrscht die Angst vom Publikum abgelehnt zu werden. Mein Roman „Maria sucht Josef“ hätte als Fernsehgeschichte keine Chance gehabt. Die Figur der Miriam wäre zu etwas mutiert, das Ihnen nicht auffallen wäre. Das sollte uns allen zu denken geben, wie ich finde, denn wir Frauen haben ja erst begonnen unsere wahren Geschichten zu erzählen.


Haben Sie schon vorher gerne geschrieben, oder kam das erst nach der Zeit in New York?
Jetzt haben Sie mich erwischt! Mein Schreiben war eine langsame Geburt. Im Rückblick erzähle ich sie manchmal Kindern, die Probleme mit dem Fach Deutsch haben. Ich war Legasthenikerin. Auf Grund meiner Sensibilität und schwierigen familiären Umständen wollte ich immer Teil der Tapete sein. Ich wollte alles sehen, aber nicht gesehen werden und mich vor allem nie preisgeben müssen. Erst mit fast dreißig und der Hilfe eines guten Therapeuten in den USA habe ich mit dem Schreiben begonnen. Doch dann war schnell klar, dass ich in meiner Muttersprache schreiben muss. Dort wohnen meine tiefsten Gefühle.


Vielen Dank, liebe Frau Joens!
Es hat mir Spaß gemacht, mir Fragen für Sie zu überlegen! Ich würde mich freuen, bald mehr von Ihnen zu lesen! Viel Erfolg für Ihren weiteren Weg!

Auch Ihnen danke ich sehr. Es war ganz erstaunlich zu lesen, wie Sie meinen Roman empfunden haben. Nie hätte ich ihn so zusammenfassen können! Gleichzeitig haben Sie mich zu Tränen gerührt, weil Sie etwas erkannt haben, das ich genau so transportieren wollte (Miriam und die Hebamme). Auch Ihnen viel Erfolg, denn natürlich bin ich schwer beeindruckt von Ihrem Engagement.

Lieben Gruß aus München,
Nicole Joens

Interview mit Sabine Ebert

Ich freue mich, euch ein Interview mit der bekannten Autorin Sabine Ebert präsentieren zu können!



VIEL SPAß!




Liebe Sabine, vielen Dank, dass sie sich die Zeit für das Interview nehmen!
Bitte stellen sie sich doch zu Beginn kurz vor.

Ich bin in Berlin aufgewachsen, absolvierte in Magdeburg mein journalistisches Volontariat, studierte in Rostock und lebe seit rund 25 Jahren in Freiberg. Dort arbeitete ich als Journalistin, bis ich mich ganz auf das Schreiben von Romanen konzentrieren konnte. Ich habe zwei Kinder, aber die sind beide schon aus dem Haus und arbeiten bzw. studieren in Hamburg,


Der 4. Teil der Hebammen-Serie steht bald im Laden. Wann haben sie sich entschlossen, die Trilogie fortzusetzen? Oder waren von Anfang an 5 Bände geplant?
Es war von Anfang an ein Handlungsbogen über dreißig Jahre geplant. Doch damals wusste ich noch nicht, dass ich fünf statt nur einem oder drei Büchern brauchen werde, um die ganze Geschichte zu erzählen. Dass „Blut und Silber“, was etwa hundert Jahre später spielt, zwischendrin erschien, war eine Entscheidung des Verlages, der nun gern auch ein Hardcover von mir wollte, aber die „Hebammen“-Reihe aus Taschenbuch fortsetzen möchte.


Wie kam es zu ihrem ersten Buch „Das Geheimnis der Hebamme“?
Haben sie vorher schon gern geschrieben und das war einfach nur ein weiterer Kuss der Muse, oder haben sie die Geschichte sorgfältig geplant?

Der Impuls, diesen dramatischen Stoff um die Siedlerzüge in die Gebiete östlich von Elbe und Saale im 12. Jahrhundert einmal in Romanform zu bringen, entstand nach mehreren Sachbüchern, die ich über Freiberg und seine Geschichte geschrieben habe.
Doch natürlich habe ich den Verlauf der Geschichte genau geplant und schon einmal ein Jahr lang recherchiert, bevor ich überhaupt die erste Zeile schrieb.


Dauerte die Suche nach einem Verlag lange? Hatten sie vielleicht Hilfe, durch eine Agentur oder ähnliches?
Damals arbeitete ich noch ohne Agenten und hatte etwa ein Dutzend Absagen von Verlagen bekommen, als Droemer Knaur sich für mein Manuskript interessierte.


Wie viel Zeit nehmen sie sich für ihre Recherche und dann für das eigentliche Schreiben?
Die Recherche nimmt fast die Hälfte der Arbeitszeit in Anspruch.


Wie recherchieren sie? Stöbern sie im Internet, in Bibliotheken, oder auch in Archiven? Sehen sie sich die Schauplätze an?
Ich bin viel in Archiven und Bibliotheken, die meisten Quellen – nicht die Originale, die sind wirklich den Historiker vorbehalten, sondern die Übersetzungen – kann ich mir auch über Fernleihe in die Freiberger Universitätsbibliothek oder Sächsische Landesbibliothek kommen lassen. Ich spreche viel mit Historikern und Fachleuten auf anderen Gebieten, sehe mir wichtige Originalschauplätze an. Und zu einer wichtigen Erfahrung ist für mich auch die Zusammenarbeit mit Reenactmentgruppen geworden, die sich in ihrer Freizeit sehr intensiv mit dem Mittelalter befassen und ein enormes Detailwissen besitzen, zum Beispiel über Kleidung und Kampftechniken. Die Dinge am Wochenende im Mittelalterlager einmal selbst zu sehen und zu erleben, ist ein ganz anderer, für mich wichtiger Zugang zu dieser Zeit geworden.


Seit wann schreiben sie schon Geschichten? Kam die Lust daran erst im Erwachsenenalter oder war die schon früher da?
Ich habe schon immer Geschichten geschrieben, einfach aus Lust daran, hätte aber nie gedacht, dass ich einmal einen ganzen Roman zustande bringe, geschweige denn mehrere.


Fällt ihnen das Schreiben nach einigen erfolgreichen Veröffentlichungen leichter?
Es ist eher schwieriger geworden durch den großen Erwartungsdruck von allen Seiten.


Haben sie für die Zeit nach Marthe schon etwas Neues im Kopf?
Die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ist mein nächstes großes Projekt.


Lesen sie auch so gerne wie sie schreiben?
Ja, ich habe schon immer gern und viel gelesen.


Haben sie vielleicht Autorenvorbilder oder Lieblingsautoren?
Zu viele, um jetzt einzelne Namen zu nennen.


Was machen sie, wenn sie nicht gerade schreiben?
Dann treffe ich mich mit Freunden, lese oder sehe einen guten Film.


Sind sie durch das Schreiben neugierig auf das Mittelalter geworden, oder waren sie das schon vorher?
Nein, ich bin erst durch meinen Romanstoff zum Mittelalter gekommen. Davor hatte ich mich eher für die Antike interessiert.


Haben sie beim Schreiben irgendwelche „Macken“? Brauchen sie dabei zum Beispiel Musik oder immer etwas zu trinken?
Ich brauche Stille um mich herum, um ich ganz in meine Figuren hineindenken zu können.


Denken sie, jeder kann schreiben, oder muss man das erst lernen?
Es ist ein großer Unterschied, ob man einen Aufsatz für die Schule oder einen journalistischen oder literarischen Text zur Veröffentlichung schreibt. Für eine Roman braucht es neben der Idee, der Ausdauer und der Disziplin auch jede Menge Handwerkszeug: der präzise Umgang mit der Sprache, mit einzelnen Worten und Bedeutungsnuancen, wie man den Spannungsbogen hält, glaubwürdige Charaktere schafft usw. Ohne meine journalistische Ausbildung und mehr als zwanzig Jahre Berufserfahrung als Journalist hätte ich meine Romane nie so schrieben können.


Was ist ihr größter Wunsch?
Dass die Leute auch künftig meine Bücher lesen und mögen.


Bitte vervollständigen sie diese Sätze: Schreiben ist eine Gabe, harte Arbeit und große Verantwortung.


Ich bin glücklich, wenn die Leser mit den von mir geschaffenen Figuren mitfiebern.


Vielen Dank, liebe Sabine, dass sie ein bisschen ihrer Zeit für dieses Interview gegeben haben. Ich wünsche ihnen weiterhin viel Erfolg für ihre Bücher, viele Ideen und dass sich alle ihre großen und kleinen Wünsche erfüllen mögen.

Interview mit Kim Schneyder

Kim Schneyder hat für kielfeder einige Fragen beantwortet.


Vielen Dank!



Liebe Kim, vielen Dank, dass du mitmachst!
Bitte stelle dich doch zu Beginn kurz vor.

Hi, ich bin Kim Schneyder. Auf mein Konto gehen die Romane „Hilfe, ich bin reich!“ (leider nicht autobiografisch), „Ich und er und er und null Verkehr“ (Gott sei Dank auch nicht autobiografisch) und „Frauen rächen besser“ (schon gar nicht autobiografisch), und demnächst wird „Im Bett mit Brad Pitt“ (auch nicht… seufz…) erscheinen.
Zu meiner Person: Ich habe meine frühe Kindheit in Deutschland und in der Schweiz verbracht, lebe nunmehr seit geraumer Zeit in Österreich, bin verheiratet und habe eine entzückende Tochter.


3 Romane sind aktuell von dir auf dem Markt und der 4. erscheint bald. Wie fühlt sich das an?
Ganz ausgezeichnet. Nach all der Unsicherheit und der jahrelangen Arbeit, die ich in das Projekt Schriftstellerei gesteckt habe, ist es eine wundervolle Bestätigung, dass sich meine Bücher wachsender Beliebtheit erfreuen, sodass mein Verlag weiterhin auf mich setzt. An dieser Stelle auch gleich mal schönen Dank an meine Leserinnen!


Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?
Das ergab sich aus purem Zufall. Als meine Tochter im Kindergartenalter war, gingen uns irgendwann die Geschichten aus, und aus dieser Not heraus begann ich dann Kinderkurzgeschichten niederzuschreiben. Als die dann beim Knirpspublikum (das durchaus kritisch sein kann!) überraschend gut ankamen, hatte mein Mann die Idee, dass ich mich doch auch mal an Erwachsenenbüchern versuchen könnte.


Warum schreibst du lustige Frauenromane?
Das ist bei mir nur logisch: Ich bin eine Frau und ich lache gern, außerdem bin ich der Meinung, dass es für die Menschen (und vor allem für uns Frauen) mehr gute Unterhaltung als Ausgleich für unseren teilweise doch sehr harten Alltag geben sollte.


Hättest du Lust, dich auch mal in einem anderen Genre zu versuchen?
Definitiv. Ich bastle auch gerade mit meinem Mann, der mich bei meinen Arbeiten auch immer tatkräftig unterstützt, an einem seiner Projekte, das sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, und natürlich haben es mir Thriller angetan.
Ich habe auch schon ein konkretes Projekt in der Schublade, das eine Verknüpfung zweier unterschiedlicher Genres darstellt, jedoch will ich noch zuwarten, bis ich über eine entsprechende Fanbase verfüge, da wir damit Neuland betreten und ein entsprechendes Risiko eingehen würden.


War es schwierig, dein erstes Buch bei einem Verlag unterzubringen? Hattest du vielleicht Hilfe durch eine Agentur?
Überraschenderweise nicht, was umso verwunderlicher ist, wenn man weiß, dass bei großen Verlagen durchschnittlich vierzig unverlangte Einsendungen pro Woche einlangen. Ich schickte ein Exposé und eine kleine Leseprobe von „Frauen rächen besser“ an zehn oder zwölf renommierte deutsche Verlage, und zu meiner Überraschung waren zwei davon auf Anhieb interessiert. Letztlich hat sich dann Piper schneller für mich entschlossen, was den Ausschlag gab.


Wo bekommst du die Inspiration für deine Geschichten her?
Überall. Das können direkte Erlebnisse aus dem nahen Umfeld sein oder auch Erzählungen, Personen, die einen (positiv oder negativ) inspirieren, Filme, die einen tiefen Eindruck hinterlassen, andere Bücher, und oftmals kommt eine Idee auch aus dem Nichts, kurz vor dem Einschlafen zum Beispiel, was beim Ehepartner jedes Mal besondere Freude auslöst, wenn man mit voller Elan wieder aus den Federn klettert und kurz nach Mitternacht nochmals den Computer anwirft 🙂


Schlummert schon wieder eine neue Geschichte in deinen grauen Zellen/ deinem Computer?
Ich habe auf meiner Festplatte eine Ideensammlung, bestehend aus Ein- oder Zweizeilern, die einzelne Szenen, literarisch interessante Figuren oder auch ganze Buchideen repräsentieren. Diese Ideensammlung umfasst inzwischen mehr als dreißig Seiten, und geht man von, sagen wir mal, zwanzig Geistesblitzen pro Seite aus, dann wären das mehr als sechshundert Ideen… und täglich kommen neue dazu!
Wie´s aussieht, müsste ich wohl Methusalems Rekord (Wie alt wurde der, 999?) brechen, um das alles umzusetzen.


Kennst du Schreibblockaden? Wie gehst du damit um?
Kenne ich nicht, und da bin ich heilfroh darüber. Es kann zwar vorkommen, dass es – abhängig von sonstigen Umständen – ein bisschen dauert, bis ich in Fahrt komme, aber wenn ich dann erstmal in Schwung bin, kommt immer irgendwas Brauchbares dabei raus.


Brauchst du beim Schreiben eine bestimmte Atmosphäre?
Oh ja, und zwar mein stilles Kämmerchen. Zum Schreiben brauche ich ein gewisses Maß an Ruhe, um mich in die gerade anstehende Szene und die Personen hinein zu leben, ansonsten geht gar nichts.


Meinst du, Schreiben kann man lernen?
Bis zu einem gewissen Grad, vielleicht. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es ein Mindestmaß an Talent braucht, und auf den Verdacht hin, dass jetzt einige ausrufen werden: „Ach darum!“, möchte ich darauf verweisen, dass ich selbst über keinerlei professionelle Schreibausbildung verfüge.


In deinem Roman „Hilfe, ich bin reich!“ geht es um Geld. Geld in größeren Mengen… Hast du für die genaue Abwicklung eines Großgewinns recherchiert? Wenn ja, wie sah diese Recherche aus?
Da ich ja auf keine persönlichen Erfahrungen zurückgreifen konnte (Mist, wann kommt denn da endlich was?!), habe ich einfach bei diversen Lottoannahmestellen erkundigt. Ich hoffe, dass ich die Informationen auch richtig umgesetzt habe, sollte jedoch ein sensationell gut aussehender Multimillionen-Jackpot-Gewinner andere Erfahrungen gemacht haben, kann er sich gerne bei mir melden 😉


Wie lange braucht es bei dir, um deine Ideen und Gedanken zu einem richtigen Buch zu verarbeiten?
Sobald ich das Okay vom Verlag habe, kann man von einem guten halben Jahr ausgehen, bis alles im Kasten ist.


Wie leicht kannst du dich von deinen Figuren verabschieden?
Sehr schwer. Es ist, als würde man sein Kind zum ersten Mal im neuen Kindergarten zurücklassen.


Schreibst du nicht nur, sondern liest du auch selbst?
Und wie! Daher kommt ja auch mein Interesse an Büchern und Geschichten im Allgemeinen.


Was liest du gerne?
Komödien, Thriller, Krimis, historische Romane, manchmal aber auch Geschichten, die sich nicht in ein bestimmtes Genre einordnen lassen. Zum Beispiel fällt mir bei „Die Bücherdiebin“, einem Buch, das mich in letzter Zeit tief bewegt hat, keine entsprechende Zuordnung ein.


Hast du Autorenvorbilder?
Nicht unbedingt Vorbilder in dem Sinn, dass ich genauso schreiben möchte wie sie, weil ich der Meinung bin, dass man an die Originale nicht herankommen und somit nur seinen eigenen Stil nur verwässern würde, aber es gibt eine ganze Reihe von Autoren, deren Bücher mich schlichtweg begeistern.
Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit sein an dieser Stelle erwähnt: Sophie Kinsella, für mich die Königin der romantischen Komödie, weil sie wie sonst niemand Herzschmerz mit Dramatik und Humor kombinieren kann, und natürlich Kerstin Gier (die übrigens auch im privaten Umgang eine erfrischend witzige und kluge Person ist), weiters Ildikó von Kürthy und Tommy Jaud, dann natürlich bei der Thrillerfraktion Dan Brown, Tess Gerritsen und Stieg Larsson, nicht zu vergessen Simon Beckett, Paul Cleave und Cody Macfadyan, und bei den „Sonstigen“ Charlotte Link, Markus Zusak, Daniel Kehlmann, Wolf Haas, Hakan Nesser und und und…
Es gibt so viele gute Autoren, dass mich jetzt gleich das schlechte Gewissen packt, weil ich so viele unerwähnt gelassen habe, und gleichzeitig tut es mir leid, dass ich nicht mehr Zeit zum Lesen habe.


Was machst du, wenn du nicht an einem neuen Buch sitzt?
Ich bin in meinem Brotberuf (in der Apotheke) tätig, da vom Schreiben ja nur die Wenigsten leben können und mich dieser Beruf auch immer wieder aufs Neue fasziniert, und ich habe meine großartige Familie und meine Freunde, für die mir stets zu wenig Zeit bleibt.


Was ist dein größter Wunsch?
Hm, ganz schön schwer, sich auf einen einzigen festzulegen…
Okay, ich versuch´s einfach mit einem multiplen Supermegawunsch: Ich wünsche mir für die Zukunft einen Mix aus Gesundheit für mich und meine Lieben, wirtschaftlich ausreichendem Erfolg, um sorgenfrei leben zu können, einer zufriedenen und hoffentlich wachsenden Fangemeinde, damit ich auch weiterhin Bücher veröffentlichen kann, und … was sagen die bei den Misswahlen immer?… ach ja, Weltfrieden natürlich!


Vervollständige bitte diese Sätze:
Schreiben ist…
Berufung, Hobby, Vergnügen, harte Arbeit, Herausforderung, Ausgleich, Befriedigung, Himmel, Hölle, Frustration, Euphorie, Entspannung, und mittlerweile ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil meiner Persönlichkeit.


Das wichtigste in meinem Leben… ist meine Tochter, dicht gefolgt von meinem Mann, dem Rest der Familie, meinen Freunden, dann kommen Schreiben, Beruf und Freizeit. Habe ich was vergessen?
Oh ja, Filme mit Brad Pitt, die sollte es auf Kasse für weibliche Seelenmassage geben 🙂


Herzlichen Dank, liebe Kim! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg für deine Wünsche und deine Bücher und auch faire Rezensenten 😉

Interview mit Petra Durst-Benning

Petra Durst-Benning hat für kielfeder Fragen beantwortet.



Viel Spaß beim Lesen!




Liebe Petra, vielen Dank, dass du dich den Fragen stellen möchtest. Für alle, die dich noch nicht kennen, stelle dich doch zu Beginn kurz vor!
„Kurz“? Oje, das fällt mir schwer, aber ich versuch’s. Mein Name ist Petra, ich bin 45 Jahre alt und schreibe und lese, seit ich denken kann. Meine große Liebe gehört den historischen Romanen, wobei ich stets versuche, neue Spielfelder zu finden statt nur auf der ausgetretenen Mittelalterschiene zu laufen.


„Die russische Herzogin“ ist dein neuestes Buch in einer ganzen Reihe von erfolgreichen Veröffentlichungen deinerseits.
Wie fühlst du dich?

Sehr, sehr gut! Ich glaube nämlich, dass dies ein richtig guter Roman geworden ist mit zwei superspannenden weiblichen Hauptfiguren.


Was fasziniert dich so sehr an der Zarenfamilie und dem ganzen drumherum im damaligen Russland?
Eigentlich sind es nur einige wenige Mitglieder der Zarenfamilie, die ich spannend finde – eben die, über die noch nicht meterweise Romane, Essays und Fachbücher geschrieben wurden. So wie meine Olga und Wera.


Geht dir das Schreiben jetzt leichter von der Hand, als noch vor ein paar Jahren?
Ja und nein. Einerseits besitze ich heutzutage viel mehr Erfahrung, andererseits fällt es mir heute auch schwerer, die „Leichtigkeit“ des Anfängers immer wieder aufs Neue aufzubringen und mich nicht vom Erfolgsdruck belasten zu lassen.


Wie hast du überhaupt begonnen zu schreiben? Und warum?
Andere Frage: Kann man leben ohne zu schreiben? ;-))


Wie kam es zu deiner allerersten Veröffentlichung? War es ein langer Weg?
Schon als Kind schrieb ich Tagebuch, Gedichte, Tiergeschichten, meine erste Veröffentlichung kam sehr viel später, ich war damals Ende zwanzig, frisch verheiratet und hatte endlich den Mut, mich mit „Die Silberdistel“ an einen Verlag zu wenden.


Auch wenn das letzte Baby gerade erst die Geburt überstanden hat, ist schon ein neues in Planung?
Yes! Und was für eins!


Woher ziehst du die Inspiration beim Schreiben? Woher kommen deine Geschichten?
Meine Themen und meine Hauptfiguren inspirieren mich. Wo ich auf sie stoße, ist eigentlich nebensächlich, das kann ein Zeitungsartikel sein, ein Fernsehbericht, der Brief eines Fans…


Kennst du Schreibblockaden? Wie gehst du mit ihnen um?
Nö, eigentlich nicht. Wenn ich in meinem Manuskript mal nicht vorankomme, überarbeite ich den Text, den ich bis dahin habe. Und das inspiriert mich dann meistens schon wieder zum weiterschreiben.


Träumst du davon, vielleicht auch mal eines deiner Bücher verfilmt zu sehen?
Es wäre schön, aber mein Glück hängt nicht davon ab. Lesen ist Kino im Kopf, sage ich immer, wer braucht da noch die Glotze?!


Wie gehst du an eine neue Romanidee heran?
Recherchieren, recherchieren, recherchieren. Plot, Figuren und Action entwickeln sich danach.


Wie viel Zeit planst du für Recherche und Schreiben, bis daraus dann ein ganzes Buch wird?
Das legen mein Verlag und ich gemeinsam fest, in der Regel habe ich für einen Roman eineinhalb Jahre Zeit.


Wie recherchierst du? Fährst du an die Orte, gehst du in Archive, wälzt du Bücher?
Alles zusammen. Vor Ort zu sein ist immens wichtig für mich, denn wie sich St. Petersburg während der „Weißen Nächte“ anfühlt, das finde ich in keinem Reiseführer.


Wie leicht kannst du dich von deinen Figuren verabschieden?
Eigentlich kann ich’s gar nicht. Rosa, Marie, Flora, Olly und Wera – sie alle sind wie alte Freundinnen für mich, mit denen man nicht mehr viel Kontakt hat, an die man sich jedoch immer mit Wohlwollen und Freude erinnert.


Was machst du, wenn du nicht schreibst?
Lesen. Mantrailing mit meinem Hund trainieren. Kochen. Das Haus und den Garten dekorieren. Wandern. Und tausend Dinge mehr …


Was ist dein größter Wunsch?
Gesundheit für meine Lieben.


Könntest du dir ein Leben ohne das Schreiben noch vorstellen?
Nee …


Bitte vervollständige diese Sätze:
Schreiben ist
mein Leben, meine Droge, meine Berufung, mein Glück, mein Broterwerb


Ich bin glücklich, wenn … die Tage ohne größere Katastrophen um mich herum verstreichen.


Was wolltest du deinen Lesern immer schon mal sagen?
Ganz gleich, woran euer Herz hängt – Leute, traut euch!


Ein ganz großes Dankeschön, an dich, liebe Petra, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg für alle deine Wünsche und natürlich deine Bücher!

Interview mit Peter Prange

„Diese Stunde haben wir dem Himmel gestohlen“
Gespräch mit Peter Prange



autor




Gerade erschien Ihr neuer Roman Himmelsdiebe. Welchen Stellenwert hat er für Sie ganz persönlich?
Im Leben eines jeden Autors gibt es ein oder zwei Bücher, die über alles entscheiden. In meinem Fall sind dies Das Bernstein-Amulett – und Himmelsdiebe. Das Bernstein-Amulett hat entschieden, ob ich ein Autor bin, Himmelsdiebe wird entscheiden, was für ein Autor ich bin.


Sie sind vor allem für Ihre historischen Romane bekannt. Für Die Principessa, Die Philosophin, Die Rebellin, Der letzte Harem und zuletzt Die Gottessucherin. Was hat Sie dazu bewogen, sich jetzt mit Himmelsdiebe einem anderen Stoff zuzuwenden?
Nach fünf klassischen historischen Romanen kehre ich mit Himmelsdiebe dorthin zurück, wo ich mit dem Bernstein-Amulett angefangen habe: in die Mitte des 20. Jahrhunderts – in die vielleicht spannendste Epoche, die es je in Europa gegeben hat. Insofern stellt dieser Roman keinen völligen Neubeginn dar, eher eine Art schriftstellerischer Wiedergeburt. Abgesehen davon kann ich mir ja nicht aussuchen, welche Geschichten von mir geschrieben sein wollen. Hört sich komisch an, ist aber so. Plötzlich ist der Stoff da, eine Anekdote, eine Randnotiz in einer wissenschaftlichen Abhandlung, eine Begegnung auf Reisen, was auch immer – stets ist es eine Geschichte, die ich selber gerne lesen würde. Und ich wundere mich, warum sie noch kein anderer Autor geschrieben hat. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, ob das Thema etwas in meinem eigenen Innern zum Klingen bringt, auf eine Resonanz in mir trifft, die mich zum Schreiben zwingt. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob es sich um einen Stoff handelt, der im 16. Jahrhundert spielt wie die Gottessucherin, oder um einen Stoff aus der Neuzeit wie Himmelsdiebe. Hauptsache, er betrifft mich existenziell. Es kann also durchaus sein, dass das nächste Projekt wieder ein historischer Roman sein wird. Ein Vorteil, wenn die Geschichte in der Neuzeit spielt: Ich kann mich in meiner eigenen Sprache ausdrücken, muss mich nicht für jede Metapher in eine vergangene Kultur zurückversetzen. Das beflügelt mich beim Scheiben ungemein – ich hoffe, das merkt man bei der Lektüre.


Himmelsdiebe ist letztlich die Geschichte einer großen Leidenschaft, einer ungewöhnlichen Liebe. Was hat Sie an der Geschichte von Laura Paddington und Harry Winter besonders gereizt?
Die Radikalität, mit der sie ihre Vorstellung von der Liebe und vom Leben verwirklichen. Zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, begegnen einander und entbrennen in einer Amour fou. Alles spricht gegen sie – ihre Familien, ihre Freunde, die ganze Gesellschaft. Doch statt sich den Realitäten zu beugen, entfliehen die beiden der Wirklichkeit, erst aus London, dann aus Paris, um sich im hintersten Winkel Europas, in einem abgelegenen Pyrenäendorf, ihr eigenes Reich zu schaffen – ein Paradies der Liebe und der Kunst. Für eine kurze Weile erfüllt sich ihr Traum vom Himmel auf Erden. Dann aber bricht der große Krieg aus, der ganz Europa erfasst, und ihr Lebenskonzept wird auf die entscheidende Probe gestellt: Was ist stärker – die Leidenschaft, die Welt der Liebe und der Phantasie, die sie miteinander verbindet, oder die brutale, barbarische Wirklichkeit?


Sowohl Laura als auch Harry stehen, in ihrer Kunst, aber auch in ihrer Liebe, für die Unbedingtheit ihrer Träume ein. Sie rebellieren gegen die engen Grenzen, die die bürgerliche Welt ihnen setzt. Aber sie sind auch mit einer Wirklichkeit konfrontiert, der sie nicht entkommen können. Wie sehen Sie diesen Konflikt von Traum und Wirklichkeit in Ihrem Roman?
Der Konflikt von Traum und Wirklichkeit spielt in Lauras und Harrys Leben hinein wie in unser aller Leben. Wir alle haben Träume, Sehnsüchte, Wünsche, doch meistens hat die Wirklichkeit etwas dagegen, dass wir sie uns erfüllen. Dieser Konflikt ist oft eine entsetzliche Erfahrung. Doch zugleich macht er die Spannung des Lebens aus – wie auch die Spannung eines jeden guten Romans. Erst wenn die Wirklichkeit unsere Träume auf die Probe stellt, erfahren wir, wie ernst wir es mit ihnen meinen. Doch nur darin, wie wir uns zu unseren Träumen bekennen und versuchen, sie zu verwirklichen, begreifen wir unser Leben. Und erkennen uns selbst – wer wir wirklich sein wollen, wer wir wirklich sind.


Wenn man so will, leben ja auch wir in einer Zeit der „großen Anpassung“. Sicherheit scheint in Zeiten der Krise mehr wert zu sein als jede Form von Freiheit – von Träumen und Visionen ganz zu schweigen. Ist für Sie Himmelsdiebe indirekt auch ein Kommentar zu dem, was wir heute erleben?
Ich bin kein Soziologe, ich kann nur von mir selber erzählen. Als mein Vater, ein Kaufmann, sich in meiner Studienzeit sorgte, was später aus mir werden sollte, brachte ich ihn mit folgendem Satz zur Verzweiflung: „Das Leben ist zu kurz, um es mit Geldverdienen zu verplempern.“ Damals war ich jung und lebte von der Hand in den Mund. Doch war meine Maxime darum falsch? Als ich die Arbeit an Himmelsdiebe anfing, machte ich gerade eine schwierige Phase durch. Die Finanzkrise fraß in kurzer Zeit meine halbe Altersvorsorge auf, jedermann bedrängte mich, doch lieber einen klassischen historischen Stoff zu schreiben, um gerade jetzt auf Nummer sicher zu gehen – die ganze böse Wirklichkeit schien sich gegen mich verschworen zu haben. Doch was ist die Wirklichkeit gegen einen schönen Traum? Je stärker mir im wirklichen Leben das Lachen verging, umso mehr fühlte ich mich zu den Traumtänzern meines Romans hingezogen. Ich bin ganz und gar eingetaucht in ihre Welt, habe mit ihnen gelacht und geweint, gelitten und gesiegt. Und siehe da: Sie haben mich nicht im Stich gelassen. Kaum hatte ich die ersten hundert Seiten geschrieben, hatte ich die Qual der Wahl, bei welchem Verlag ich den Roman herausbringen sollte. Die globale Finanzkrise war damit, was meine Wenigkeit betrifft, überwunden. Fabula docet: Das Thema meines Romans wurde so zum „Problemlöser“ in meinem wirklichen Leben. Kann es für einen Autor eine schönere Bestätigung geben?


Ziemlich zu Beginn des Romans sagt Laura über ihre Faszination für Harry. „Ich will von ihm sehen lernen! Sehen und Malen! Sehen und Malen und Leben!“ Er ist für sie, die junge Künstlerin, also so etwas wie ein Lehrmeister. Doch im Laufe des Romans verändert sich das Verhältnis der beiden, verändert sich vor allem Laura. Wie würden Sie den Prozess, den Laura durchläuft, beschreiben?
Als die zwei einander zum ersten Mal begegnen, weiß Laura sofort: Das ist der Große Zauberer – der Mann, nach dem sie sich als Kind schon gesehnt hat, der Mann, der sie verwandeln wird. Und tatsächlich, Harry übt solchen Zauber auf sie aus, dass sie fortan nicht nur das Leben mit völlig neuen Augen sieht, sondern auch sich selbst. In seiner Gegenwart, manchmal auch in seinem Bann, wird sie zur Frau und zur Künstlerin. Doch Laura ist ein Zauberlehrling der besonderen Art. Schon bald vergeht ihrem Meister Hören und Sehen. Fühlt Laura sich zu Beginn des Romans durch Harry verzaubert, wird sie am Ende selbst für ihn zur Großen Zauberin – zu einem Rätsel, das Harry lösen muss.


Also geht es auch um die künstlerische Leidenschaft einer außergewöhnlichen Frau? Darum, wie sie – trotz und bei aller Liebe – ihre eigene Handschrift findet?
Die künstlerische Leidenschaft ist nur ein Teil von Lauras Entwicklung – worauf es wirklich ankommt, ist die Leidenschaft, mit der sie grundsätzlich lebt und ihren eigenen Weg geht: bedingungslos, ohne Netz und doppelten Boden. Diese Unbedingtheit treibt sie sogar über Grenzen hinaus, vor denen Harry zurück weicht. Sowohl in der Kunst als auch im Leben.


Wieso der ja doch etwas ungewöhnliche Titel Himmelsdiebe?
Bei dem Titel hat meine türkische Frau Patin gestanden. „Diese Stunde haben wir dem Himmel gestohlen“, sagt man im Türkischen, wenn man einen Augenblick besonderen Glücks erleben durfte. Solche Himmelsdiebe sind Laura und Harry, und von ihrer Himmelsbeute erzählt mein Roman. So oft sie auch auf den harten Boden der Realitäten aufschlagen, immer wieder gelingt es ihnen, eine Stunde des Glücks dem Himmel abzutrotzen.


Also so etwas wie „Himmelsstürmereien“. Wie steht es bei Ihnen als Autor um das Verhältnis von Phantasie und Wirklichkeit? Gab es so etwas wie Vorbilder für Ihren Roman?
Nicht in der Literatur, wohl aber in der Wirklichkeit. Ich habe meinen Roman einer Jahrhundertliebe gewidmet – Laura und Harry hat es, wenngleich natürlich unter anderen Namen, tatsächlich gegeben. Dennoch ist Himmelsdiebe keine Tatsachen-Biografie. Vielmehr ist der Roman ein in künstlerischer Freiheit gestaltetes Porträt zweier Liebender, die Geschichte einer Frau und eines Mannes, die mit ihrer Liebe und ihrer Kunst das Licht der Menschlichkeit am Leben erhielten in einer der finstersten Epochen Europas. Mit ihren Hoffnungen und Ängsten, mit ihren Zweifeln und Verzweiflungen, mit ihren Sehnsüchten und Ausflüchten verkörpern und kommentieren sie das Schicksal eines ganzen Kontinents, in der Mitte des 20. Jahrhunderts.


Vielen Dank für die Bereitstellung des Gesprächs an Peter Prange! Und natürlich an den Pendo Verlag!

Interview mit Corina Bomann

Mit etwas Verspätung kommt heute nun das Interview mit Corina Bomann!


corina bomann


VIEL SPAß!



Liebe Corina, vielen Dank, dass Du dir die Zeit für das Interview nimmst.
Bitte stelle Dich doch zu Beginn erst einmal kurz vor!

Ich bin 36 Jahre alt, wurde im mecklenburgischen Parchim geboren und seit 2002 Schriftstellerin. Geschrieben habe ich aber schon vorher, genau genommen seit ich acht Jahre alt war. Meine Hobbys sind Malen, Schneidern und Gitarre spielen und was am wichtigsten ist, ich liebe Bücher und schreibe sie für mein Leben gern!


In nächster Zeit wird Dein frischester Roman in den Buchläden zu haben sein. Die „Sephira“ sind als Trilogie geplant. Du kannst mittlerweile auf einige Veröffentlichungen zurück blicken. Wie fühlst Du Dich?
Einfach nur toll, denn diese Geschichte hatte mir schon lange am Herzen gelegen. Als ich endlich das OK des Verlags bekam, habe ich mich riesig gefreut und noch schöner war, dass die Geschichte in Serie gehen soll. Wie viele Bände diese Serie haben wird, ist noch ungewiss. Drei auf jeden Fall, mehr sind aber auch vorstellbar. Meine lose Planung umfass sieben Bände.


Wie kamst Du zum Schreiben? Gab es irgendeinen Auslöser?
Schon als kleines Kind hatte ich immer viele Geschichten im Kopf. Sie fielen mir beim Spielen ein, bei Bus- oder Autofahrten. Da es immer mehr wurden und ich sie nicht verlieren wollte, habe ich sie, sobald ich schreiben konnte, aufgeschrieben. Und so ist es auch heute noch, gute Einfälle notiere ich gleich und mache hin und wieder eine Geschichte draus.


Wie lange hat es gedauert, bis Dein erstes Buch tatsächlich im Laden zu bekommen war?
Was hast Du dann empfunden?

Richtig im Laden zu haben war mein Buch „Die Spionin“, und zwei im Jahr 2008. Ein tolles Gefühl! Als ich das erste Belegexemplar in der Hand hielt, kamen mir vor Freude sogar die Tränen. Ich hatte ja vorher schon Veröffentlichungen, aber dieses Hardcover war etwas ganz besonderes. Ich war unheimlich stolz, wenn ich es in einem Buchladen entdeckte.


Ist es irgendwie anders, jetzt schon einige Titel in der Bibliografie zu haben? Schreibst Du jetzt vielleicht mit mehr Gelassenheit als vorher, weil Du weißt, du kannst Dich auf Dein Geschriebenes verlassen?
Jeder neue Roman ist ein neues Abenteuer. Mit jedem neuen Roman hat man Zweifel. Ist der Anfang gut genug? Wird die Geschichte ankommen. Kann man den Spannungsbogen einhalten. Gelassenheit stellt sich bei mir nicht ein. Es ist nur so, dass man weiß, dass das Buch veröffentlicht wird. Bevor das der Fall war, hatte man natürlich immer die Frage im Nacken: Wird es ein Verlag nehmen. Dieser Druck fällt jetzt weg, aber dennoch ist es immer wieder spannend, ein neues Buch anzufangen.


Wirst Du, wenn Die „Sephira“ jetzt in einigem Zeitabstand erscheinen, dazwischen auch noch andere Bücher veröffentlichen? Können wir uns vielleicht wieder auf etwas Historisches freuen?
Es wird im halbjährigen Wechsel zu Sephira auch immer einen historischen Roman geben. Im Moment habe ich Verträge für zwei weitere historische Jugendbücher. Auch im Erwachsenenbereich wird etwas Neues kommen.


Macht es einen Unterschied, ob man Bücher für Erwachsene oder für Kinder und Jugendliche schreibt?
Keinen besonders großen. Bei Jugendlichen wähle ich höchstens eine etwas einfachere Sprache, und natürlich werden Gewalt und Sex bei einem Jugendbuch nicht so ausführlich beschrieben. Ansonsten ist der Aufbau der Spannung ähnlich, und aus den Themen könnte man genauso gut ein Erwachsenenbuch wie ein Kinderbuch machen.


Wie schreibst Du? Nimmst Du dir ein bestimmtes Pensum vor, oder tippst Du dann, wenn Du eine kreative Eingebung hast? Teilst Du vorher alle Kapitel gedanklich auf, oder kommt das beim Schreiben? Wie läuft das bei Dir?
Ich setze mich morgens in mein Büro und leiste dann einen Arbeitstag ab wie jeder andere Disziplin ist wichtig und tatsächlich habe ich ein gewisses Maß, das ich an einem Tag schaffen möchte. Manchmal gelingt es mir, manchmal schreibe ich sogar mehr und an anderen Tagen wird es weniger, weil man die Gedanken doch nicht so fokussieren kann. Die Kapitel sind meist schon durch das Exposé aufgeteilt. Natürlich ändert sich beim Schreiben manchmal etwas, aber im Großen und Ganzen habe ich den Fahrplan vorher schon da.


Wie viel Zeit planst Du jeweils für Recherche und dann das eigentliche Schreiben?
Die Recherche dauert je nach Thema 1 -2 Monate, das Schreiben ein halbes Jahr, wobei ich auch beim Schreiben immer noch recherchiere.


Hast Du schon mal das Gefühl gehabt, keine neuen Ideen mehr zu haben?
Hatte ich zum Glück bisher noch nie, meine Ideenbücher quellen über und täglich kommen neue Ideen hinzu.


Wie leicht kannst Du eine Geschichte beenden? Spinnst Du dir vielleicht in Gedanken noch mehr zusammen, auch wenn es der Leser nicht erfährt?
Am Anfang einer Geschichte habe ich immer Angst, dass der Umfang nicht reichen wird. Dann setzt sich die Story fort, und schließlich ist es so, dass ich weit über den gesetzten umfang hinausschieße. Da zum Ende zu kommen ist nicht leicht, weil einem immer wieder etwas einfällt. Weiter spinne ich die Geschichten aber höchst selten. Ich kann verstehen, dass Leser noch mehr über die liebgewonnenen Figuren wissen möchte, aber da ich mich als Beobachter meiner Figuren verstehe, will ich ihnen auch ein wenig Privatsphäre hinterher gönnen und verlasse sie dann. Schweren Herzens zwar, aber sie und auch die Leser müssen Freiraum zum Weiterspinnen haben. Gedanken über eine Fortsetzung habe ich mir bisher nur bei der Spionin gemacht, ob es da zu einem zweiten Teil kommen wird, steht aber in den Sternen.


Wie sieht ein typischer Schreibtag bei Dir aus?
Um 8.00 Uhr an den Schreibtisch, schreiben bis Mittag, Mittagspause, schreiben am Nachmittag (oder Erledigungen in der Stadt), Kaffeepause und schreiben am Abend bis um 20.00 Uhr. Alles recht glanzlos, der Glanz des Schriftstellers findet in seinen Geschichten statt.


Was machst Du, wenn Du gerade nicht schreibst?
Was wohl jeder macht. Hausarbeit, Behördenkram, im Sommer Radeln, Lesen oder ins Kino gehen. Ich bin ein großer Filmfan.


Vor dem beruflichen Schreiben hast Du als Zahnarzthelferin gearbeitet. Wie bist Du dazu gekommen? Auch die Inspiration daraus zu ziehen ist lustig: Zähne und Buchstaben haben sonst nicht wirklich viel miteinander zu tun… 😉
Zahnarzthelferin war nicht mein Traumjob, muss ich sagen. Nach der Wende waren Lehrstellen knapp. Eigentlich wollte ich Kindergärtnerin werden, aber dieser Berufsstand ging 1990 den Bach hinunter. Nachdem ich ein halbes Jahr im Finanzamt gearbeitet habe, habe ich eher durch Zufall die Ausbildungsstelle zur Zahnarzthelferin bekommen. Und die Arbeit hat mir großen Spaß gemacht. Der Umgang mit Menschen war sehr lehrreich und die Tätigkeit spannend. Sie kommt mir auch heute noch zugute, wenn ich medizinische Fragen in einem Roman erläutere oder Personen beschreibe. Wir hatten manchmal echte Typen unter unseren Patienten.
Nach Ende meiner Ausbildung hätte ich um ein Haar ein Studium aufgenommen, um Kieferchirurgin zu werden. Dieser Plan hat sich durch unglückliche familiäre Entwicklungen zerschlagen, und schließlich hatte ich das Glück, mein Hobby zum Beruf zu machen.


Hast Du einen großen Traum?
Sogar zwei. Zum einen will ich die Scheune meines Bauernhofes zu einem Atelier und Treffpunkt für Künstler ausbauen. Und zum anderen mit meinen Büchern auf die Bestsellerliste kommen.


Was wolltest Du deinen Lesern schon immer mal sagen? Tu es hier und jetzt:
Kauft meine Bücher und bleibt mir gewogen!;-)




Diese Fragen kommen von begeisterten Lesern:

Ramona: Wodurch werden Sie inspiriert, einen Fantasy-Roman zu schreiben bzw. woher kommen diese Ideen?
Fantasy war eines der ersten Genres, mit denen ich mich befasst habe. Mein allererster Roman war eine Vampirgeschichte. Die liegt in meiner Schublade und bleibt auch dort. Fantasy und Mystery mochte ich neben historischen Geschichten immer schon sehr gern. Als es sich anbot, meine beiden Lieblingsgenres zu verbinden, habe ich zugegriffen.


Sylvia: Was machen Sie, wenn Sie mitten im Roman einen Ideen-Black-out haben?
Das habe ich nur sehr selten, doch wenn ich mal nicht weiterkomme, lasse ich die Geschichte sein, gehe spazieren, fahre Rad oder lese. Oder erledige andere Dinge. Meist kommen mir während des Einheftens von Kontoauszügen oder anderem langweiligen Kram neue Ideen.


Anastasia: Kennen Sie Schreibblockaden?
Bisher hatte ich glücklicherweise noch keine. Aber ein Lektor riet mir mal: „Wenn du einen Text nicht mehr sehen kannst oder keine Idee hast, mach einen Tag lang was anderes.“ Das hat mich bisher immer vor Blockaden bewahrt.


Elke: Lesen Sie selber und wenn ja, welches Genre bevorzugen Sie?
Ich lese eigentlich querbeet, am liebsten aber Krimis und historische Romane, außerdem Fantasy und manchmal auch Science-Fiction. Ob ich mich für ein Buch interessiere, hängt nicht vom Genre ab sondern ob mich der Klappentext anspricht. Ich habe auch anspruchsvolle oder schräge Bücher, berufsbedingt lese ich sehr viele Sachbücher und historische Biographien.


Bettina: Wie lange hat die Entwicklung der Idee bis zum fertigen Buch gebraucht?
Das geht bei guten Geschichten eigentlich sehr schnell. Wenn mich eine Idee gepackt hat, brauche ich meist nur ein bis zwei Tage, um ein Exposé in groben Zügen fertig zu haben. Dann muss ich natürlich sehen, wie sich historische Gegebenheiten einpassen lassen. So kann bis zu eine Woche vergehen, bis das Exposé hieb- und stichfest ist. Danach geht die Recherche los, während der ich meist auch schon zu schreiben beginne, denn es gibt ja Szenen, die man unabhängig vom Hintergrund schreiben kann. Insgesamt brauche ich für ein Buch ungefähr ein halbes bis dreiviertel Jahr.


Karolina: Es werden immer häufiger Romane als Filmvorlage verwendet.
Meinen Sie, ihre Romane wären verfilmbar? Wenn ja welche?!

Würden Sie Einfluss nehmen wollen oder sich vom Regisseur und seinem Team überraschen lassen wollen, wie diese Menschen ihr Buch interpretieren?
Von einer Verfilmung träumt natürlich jeder Autor, auch ich. Verfilmbar wären meine Bücher sicher alle, mit mehr oder weniger Aufwand. Für die „Spionin“ und den „Pfad der roten Träume“ müsste das Filmteam ein wenig reisen (England, Australien), beim „Krähenweib“ und „Sturmsegel“ könnte es sogar hier vor Ort filmen (Berlin/Dresden, Stralsund) was für die Produktionskosten sicher sehr günstig ist. Ich würde mich tatsächlich vom Regisseur überraschen lassen, allerdings darauf bestehen, dass er keine groben Änderungen im Plot vornimmt. Alles andere würde ich ihm überlassen und wäre gespannt, was er draus macht.


Nicole: Wenn Sie einen Roman schreiben, schreiben Sie dann die Geschichte von vorne bis hinten oder fangen Sie mit irgendeinem Kapitel an und das Buch entsteht dann rundherum?
Ich fange die Geschichte natürlich vorn an, springe aber zwischen je nach Einfällen mal vor und mal zurück. Manchmal ist es gut, eine Entwicklung weiter hinten zu kennen, da kann man dann weiter vorn schon Hinweise und Spuren legen. Hin und wieder drängt sich auch eine Szene vor, weil ich gerade einen guten Einfall dafür habe. Chronologisch runter schreibe ich meine Bücher nie.


Verena: Wie sind Sie gerade dazu gekommen, Fantasy-Romane zu schreiben,
reizt es sie auch einmal, sich in anderen Genres auszutoben?,
haben die literarische Vorbilder, wenn ja welche?

Historische Romane und Fantasy sind meine Lieblingsgenres, aber es würde mich auch sehr reizen, einen Krimi oder Thriller zu schreiben, der in der Gegenwart angesiedelt ist. Als literarische Vorbilder würde ich Arturo Perez Reverte und Bram Stoker ansehen.


Martina: Wann haben Sie Ihre Liebe und/oder Ihr Talent zum Schreiben entdeckt und geschah dies durch ein für Sie bedeutendes Ereignis? Bei mir wurde die Liebe zum Lesen in der 1. Klasse geweckt als wir mit der Schule einen Ausflug in die Bücherei
gemacht und dort einige Kinderbücher vorgestellt bekommen haben, unter anderem „Meine Schwester Klara“, mein erstes Buch 🙂
Meine Liebe zu Büchern ist durch Märchen erwacht. Als ich noch nicht lesen konnte, habe ich bereits für Grimms Märchen geschwärmt, ich hatte ein altes Märchenbuch von meiner Großmutter, in dem wunderschöne Zeichnungen drin waren. Ich konnte nicht abwarten, sie selbst lesen zu können, und so angefixt wollte ich natürlich mehr lesen.
Mein Wunsch, zu schreiben hat den Grund in meiner regen Fantasie. Ich habe mir schon als kleines Kind Geschichten ausgedacht, und da ich mich manchmal ärgerte, Teile von einer vergessen zu haben, schrieb ich sie auf.


Steffen: Da Ihre Bücher bei Knaur oder Ueberreuter verlegt werden – Was schreiben Sie lieber: Bücher für Erwachsene oder Jugendbücher?
Ich schreibe beides gleichermaßen gern, und mag es, zwischen Jugend- und Erwachsenenbuch zu wechseln. Die Unterschiede sind nicht sehr große, jede Story kann man für jedes Publikum erzählen.


Katharina: Wie viele Bände wird es zu „Sephira – Ritter der Zeit“ voraussichtlich
geben?

Wenn es nach mir geht zwölf, lose geplant sind sieben und spruchreif sind im Moment drei Bände.


Wie gefällt Ihnen das Cover? Durften Sie mitentscheiden?
Das Cover gefällt mir sehr gut, allerdings war eine kleine Korrektur vonnöten. Anstelle des Skarabäus stand im ersten Entwurf ein Kompass, der musste raus, weil er nicht passte. Der Grafiker hat dann auf meinen Wunsch auch noch etwas „wüstenmäßigeres“ mit reingebracht, sprich, die Pyramiden. Ein bisschen Mitspracherecht hat man als Autor schon.


Wie lange brauchen Sie in der Regel um ein Buch zu schreiben?
Ein halbes bis dreiviertel Jahr. Es kommt auf den Umfang an. Schmale Bücher dauern natürlich nicht so lange, diese Zeitspanne brauche ich für ein Buch von 400 Seiten.




Vielen, vielen Dank an Dich, dass du so frei zu jeder Schandtat bereit warst! 😉 Ich wünsche dir von Herzen weiterhin viel Erfolg für deine Bücher!
Ich danke dir und den Lesern für all die interessanten Fragen!

Interview mit Nicole C. Vosseler

Nicole C. Vosseler hat für kielfeder einem Interview zugestimmt!

Viel Spaß!


Bücher, von mir gelesen und empfohlen:
Der Himmel über Darjeeling
Die Caravaggio-Verschwörung
Sterne über Sansibar
Unter dem Safranmond




Liebe Nicole, vielen Dank, dass Du dir für die Fragen Zeit genommen hast!
Bitte erzähle zu Beginn doch kurz etwas über Dich!

Ich lebe in Konstanz am Bodensee – und dort ziemlich genau im letzten Zipfel von Deutschland, zwischen der Grenze zur Schweiz und dem Seerhein. Nachts, wenn alles sonst still ist, ich aber noch am Schreibtisch sitze, kann ich das Knatschen und Quaken der Wasservögel am Flussufer und das Bellen der Füchse hören. Seit einigen Jahren bin ich hauptberuflich Autorin, und neben zwei historischen Romanen für Jugendliche habe ich fünf für Erwachsene veröffentlicht, einen davon unter Pseudonym.


Du kannst mittlerweile eine schöne Bibliografie vorweisen. Gerade erst ist Dein Roman „Sterne über Sansibar“ erschienen.
Was motiviert Dich immer wieder auf neue zum Schreiben eines Buches?
Zuallererst meine Neugierde – auf eine vergangene Zeit, bestimmte Orte und darauf, was meinen Protagonisten in ihrem „Romanleben“ bevorsteht. Und weil ich einfach nicht anders kann: sobald mich eine Geschichte richtig gepackt hat, lässt sie mich auch nicht mehr los, bis ich sie zu Ende erzählt habe.


Wie und wann hast Du mit dem Schreiben angefangen?
Ich fand es schon als Kind faszinierend, dass es Menschen gibt, die all die wunderbaren Geschichten schreiben, die sich zwischen Buchdeckeln befinden – wenn ich auch keine genauere Vorstellung vom Schreiben hatte. Nur das große Bedürfnis, mir ständig neue Geschichten auszudenken.
Meine ersten eigenen Schreibversuche waren schrecklich sentimentale Gedichte im Teenageralter, danach viel zu lange Kurzgeschichten und einige Romanfänge, die aber nie weiter gediehen als ein oder zwei Seiten.
Den ersten ernsthaften Anlauf unternahm ich mit gut dreiundzwanzig – mit der Geschichte, aus der dann ein paar Jahre später mein erster veröffentlichter Roman wurde.


Du schreibst über längst vergangene Zeiten und Personen. Wie viel Wert und Zeit nimmst Du Dir für eine Recherche?
Die Recherche nimmt sicher den größten Teil der Arbeit an einem Buch ein. Sie beginnt meistens schon, während ich noch am vorigen Buch schreibe. Ich erarbeite mir nicht nur den jeweiligen zeitgeschichtlichen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Hintergrund, sondern auch bis ins Detail die Schauplätze zum Zeitpunkt der Romanhandlung. Überhaupt sind mir Details sehr wichtig, angefangen von Kleidung und Alltagsleben bis hin zu kleinen Eigenarten meiner Protagonisten, ihrer Herkunft und ihrer Biographie. Ich muss das Gefühl haben, die Welt eines Romans genau zu kennen, sie in allen Einzelheiten und mit allen Sinnen wahrnehmen zu können, ehe ich zu schreiben beginne.


Wie stößt Du auf die immer wieder neuen Geschichten? Suchst Du nach ihnen oder finden sie Dich?
Sowohl als auch – denn wie es so schön heißt: wer sucht, der findet (und wird dann auch gefunden…). Ich sammle ständig kleine Ideen-Schnipsel – historische Ereignisse und Persönlichkeiten, Themen oder Länder, über die ich gerne einmal in irgendeiner Form schreiben möchte. Manchmal ergibt sich daraus dann tatsächlich eine Spur, die ich weiterverfolge und aus der sich dann eine Geschichte entwickelt. Und manchmal fällt eine Geschichte buchstäblich vom Himmel, ist scheinbar von Gleich auf Jetzt einfach da – was jedes Mal aufs Neue wirklich sternstündig ist.


Wie bist Du zu deiner ersten Veröffentlichung gekommen? Hast Du lange gebraucht, bis Dein erster Roman angenommen wurde?
Zu Beginn habe ich mehrere Versuche unternommen, das Manuskript in Eigenregie an einen Verlag zu bringen, die aber ausnahmslos alle fehlschlugen. Sobald ich dann durch meine heutige Agentur vertreten wurde, ging es recht schnell: knapp fünf Monate, bis der Buchvertrag unterschrieben war.


Du hast unter anderem Literaturwissenschaften studiert. Steht das in einer Verbindung mit Deiner Tätigkeit als Autorin?
Ja, auf jeden Fall. Dass ich einmal Autorin werden würde, war schon sehr lange mein erklärtes Ziel – aber nach dem Abitur konnte ich mich schlecht einfach hinsetzen und sagen: so, ab heute bin ich Autorin, Punkt. Eine Berufsausbildung vorab schien mir vernünftig, ein Studium noch vernünftiger, und Literaturwissenschaft lag da einfach nahe. Ich habe aus dem Studium auch sehr viel mitgenommen, was mir heute bei der Arbeit hilft.


Schreibst Du lieber Jugendbücher oder Bücher für Erwachsene? Was sind da für Dich die wesentlichen Unterschiede?
Ich schreibe beides gleich gern, gerade auch, weil es ein ganz unterschiedliches Arbeiten ist. Komplexe historische Zusammenhänge für Jugendliche verständlich wiederzugeben, ohne sie zu verfälschen oder langweilig wirken zu lassen ist eine enorme Herausforderung, weitaus mehr als in einem Roman für Erwachsene. Andererseits erlaubt ein Jugendbuch an vielen Stellen einen lockeren bis flapsigen Sprachstil, an dem ich selbst großes Vergnügen habe, weil er mir persönlich näher ist. Und manche Geschichten lassen sich spannender im Jugendbuch erzählen, während andere für mich nur als Erwachsenenbuch vorstellbar sind.


Deine Geschichten spielen an fernen Orten wie Sansibar, Indien oder England? Bereist Du diese?
Reisen gehören für mich manchmal zur Vorbereitung auf einen Roman dazu, aber nicht immer, vor allem nicht immer zwingend an die Originalschauplätze. Ich will die Schauplätze einer Geschichte nicht so schildern, wie ich, ein Mensch des 21. Jahrhunderts, sie heute sehe und wahrnehme, sondern aus der Sicht der Menschen, die damals vor Ort waren. Deren Wahrnehmung ist mir wichtig – nicht so sehr meine eigene. Alte Reiseberichte sind mir dabei die wertvollste Quelle, Briefe und Tagebücher, Karten, Pläne, Zeichnungen und Photographien.


Wo und wann schreibst Du am liebsten?
Obwohl ich die Geschichte, an der ich gerade schreibe, gedanklich fast überall hin mitnehme, schreibe ich aktiv am Manuskript einzig und allein an meinem Schreibtisch. Ich bin von Natur aus ein Nachtmensch, und die kreativste Zeit zum Schreiben ist bei mir in der Regel zwischen 22 Uhr und 1 Uhr nachts.


Wie sieht ein typischer Nicole-Schreibtag bei Dir aus?
Mein eigentlicher Arbeitstag beginnt relativ spät: an das Manuskript setze ich mich gewöhnlich zwischen 14 und 15 Uhr. Klingt natürlich luxuriös – aber bis zu diesem Zeitpunkt habe ich bereits alle sonstigen anfallenden Dinge erledigt, wie Post, E-Mails, Telefonate, Besorgungen oder Haushaltskram. Von einer knapp einstündigen Pause gegen 19 Uhr abgesehen, arbeite ich dann bis in die Nacht hinein. Normaler Feierabend ist zwischen 1 und 2 Uhr nachts, wobei es nicht selten vorkommt, dass ich doch länger am Manuskript schreibe oder danach noch ein oder zwei Stunden für das nächste Buch recherchiere.


Wann ist für Dich ein Buch abgeschlossen?
Faktisch abgeschlossen ist ein Buch, sobald es in Druck geht; ab diesem Zeitpunkt kann ich nichts mehr daran tun. Gedanklich und emotional ist es für mich damit allerdings noch lange nicht zu Ende. Danach beginnt das Warten auf das fertige Buch, auf die Leserreaktionen nach Erscheinen und die Zeit des langsamen Loslassens. Innerlich abgeschlossen ist es meist erst einige Monate nach Veröffentlichung. Und ein bisschen bleibt ein Buch immer ein Teil meines Lebens; schließlich habe ich viele Monate damit verbracht.


Was machst Du, wenn Du nicht gerade schreibst?
Ganz normale Dinge eigentlich: den Alltag zwischen Haushalt und Büroarbeit (die auch zum Autorendasein dazugehört) bewältigen. Lesen. Mit Kunst, Filmen, Sport, die Akkus wieder aufladen. Draußen sein. Tagträumen. Zeit mit den Menschen verbringen, die mir am Herzen liegen.


Beschäftigst Du Dich auch außerhalb eines neuen Romans mit geschichtlichen Themen?
Ich finde Geschichte unglaublich spannend, auch wenn es um Themen oder Epochen geht, über die ich voraussichtlich nie schreiben werde. Ich liebe einfach alles, was mit der Vergangenheit zu tun hat – und damit es nicht zu vergangenheitslastig wird, hat auch die Gegenwart ihren Platz. Weil ich finde, dass gerade die Bezüge zwischen Damals und Heute der Beschäftigung mit der Vergangenheit erst eine Bedeutung verleihen.


Liest Du selbst gerne und hast Du Autorenvorbilder?
Ich lese sehr gerne; ein Leben ohne Bücher ist für mich nicht vorstellbar.
Vorbilder im weiteren Sinne sind für mich Margaret Mitchell und M.M. Kaye für die meisterhafte Mischung aus Fakten und Fiktion in ihren Romanen; A.S. Byatt für ihre Ausdruckskraft und die Vielschichtigkeit ihrer Bücher. Und immer wieder E.M. Forster für seine Sprache und Menschenkenntnis.


Bitte vervollständige diese Sätze:
Schreiben ist…

… die Ausdrucksform, die mir am meisten im Blut liegt.


Ich bin glücklich, wenn…
… ich sowohl mit mir als auch mit der Welt im Reinen bin.


Liebe Nicole, vielen Dank und weiterhin viel Erfolg mit deinen Büchern!
Danke, Ramona – war mir ein Vergnügen! Alles Gute auch für Dich!