Eine wundersame Begenung

Liebe Leute,

ich habe bei einem kleinen Wettbwerb meine Geschichte „Eine wundersame Begegnung“ eingeschickt.
Ich habe gewonnen und mein Preis war eine optische Verschönerung dieser Geschichte.


Hier könnt ihr sie ansehen:
Eine wundersame Begegnung


Und, wie gefällts euch??

Ich finds total süß… 🙂


Text: © Ramona Nicklaus
Gestaltung: © Melanie Haller
Fotos Purzel: © Ramona Nicklaus

Fußball – Kein Märchen sondern ein Albtraum!

Fußball – Kein Märchen sondern ein Albtraum!




Alle 4 Jahre sitzt mindestens die Hälfte der Gesamtweltbevölkerung vor den Flimmerkisten und brüllt in ohrenbetäubender Lautstärke ihr Favouritenteam an, welches sie so sowieso nicht hört.
Da heißt es dann nicht mehr:
„Schatz es gibt jetzt Essen!“
Sondern:
„Schatz, gleich läuft Fußball!“
Kinder werden abends von ihren geliebten Verblödungsserien weggerissen, weil Papa schließlich ein Recht auf Fußball hat. Und die WM gibt’s ja auch nur alle 4 Jahre. Also ab ins Bett mit den Kleinen!
Doch wie sollen diese schlafen, wenn Papa gerade HEUTE seine gratis Riesentröte vom Chef geschenkt bekam? Die ist auch ganz einfach zu gebrauchen: Einfach eine große Menge Luft mit Schwung hineinblasen. Heraus kommt ein Ton, der selbst die stärksten Trommelfelle auf die Probe stellt.
Da fragt sich Kind natürlich: Was bringen diese lautstarken, exzessiven Ausrutscher?
Wenn der Papa nämlich schlau ist und in letzter Minute an seine Stromrechnung denkt, dann lädt er seinen gesamten Stammtisch zum gemeinsamen-Fußball-Beifall-blöken ein.
Dann kann man sich die entstehenden Kosten für einige Fußballwochen wenigstens teilen.


Doch vielleicht ist Kind auch noch pfiffiger und denkt weiter:
Da rennen sie nun: 2 Torhüter + 20 Spieler wutschnaubende, muskelbepackte Balljunkies und prügeln sich ihren Weg möglichst unauffällig zum gegnerischen Tor.
Die kindliche Logik lässt hier nur eine Schlussfolgerung zu: Die naheliegendste! Wäre es nicht viel sinnvoller, wenn man einfach allen 20 (nicht zu vergessen die 2 eher wenig beachteten Torhüter) ballgesteuerten Rambos eine Kugel gibt und jeder seinen Willen bekommt? Dann könnten sie ohne Streit auf die Tore ballern, so oft sie Lust haben. Dann würden sie sich die ganzen wasserfallartigen Schweißausbrüche sparen und müssten ihre Feldkollegen und unschuldige Schiedsrichter nicht ständig beleidigen.
Wie steht es eigentlich um den Schiedsrichter? Hat der Suizidgedanken? Sich zwischen diesen ganzen Nilpferden zu bewegen, erscheint Kind als die gefährlichste Mission dieser Erde!
Wie leicht rennt man sich schon im Kindergarten über den Haufen, wenn Anna Ben wieder den Lolli geklaut hat. Und hier sind das immerhin ausgewachsene Riesen, 20 an der Zahl, die sich allesamt um einen winzigen Ball streiten!
Und der Schiri ist auch noch so todesmutig, sich mitten in dieses Gewühl zu stürzen, wo er es doch auch gar nicht auf den Ball abgesehen hat!
Etwas sicherer fahren da schon die lustigen Männer, die mit ihren bunten Fähnchen immer aufgeregt am Rande des Spielfelds herum hüpfen.
Es ist eine sinnvolle Lösung, am Rand zu warten. Da muss man sich nicht mit schweißnassen Spielern darum balgen, man nimmt den Ball einfach, wenn er direkt angerollt kommt. Eigentlich eine sehr praktische Übung. Nur die Fähnchen stören da gewaltig…


Und dann wären da noch die wenig sinnvollen Wut- oder Heiterkeitsausbrüche von den dicken, bärtigen Trainern am Rande. Die könnten sich den Rummel doch auch sparen. Sie erfahren sowieso erst am Ende, ob sie gewinnen oder verlieren. Da hilft Brüllen, Fluchen und Heulen wenig.


Wenn Kind sich diese Gedanken gemacht hat, hat es vielleicht Papa und seine Kumpanen vor dem Fernseher vergessen. Es könnte jetzt schlafen.
Doch dies geht schlecht, denn offenbar ist ein Tor gefallen: Brüllerpropte Männerstimmen und eine Tröte werden fachgemäß zur Beweihräucherung dieser Leistung eingesetzt!
Na dann, gute Nacht…


© Ramona Nicklaus

Auch Tiere haben eine Seele

Auch Tiere haben eine Seele




„Cat, nicht so schnell, wo willst du hin? Pass doch auf die Autos auf, Schatz. Die sind so viel größer als du.“
„Mach dir keine Sorgen.“
Keck streckte sie ihren buschigen Schwanz in die Höhe und flitzte geschickt zwischen den geparkten Autos hindurch – er immer hinterher.
„Vorsicht, die Straße!“
Er hatte sie aus den Augen verloren. Auf der Straße lauerten die größten Gefahren. Dort gab es diese großen, dröhnenden Dinger, die da Autos hießen. Doch die waren gefährlich, für so kleines Fußvolk wie sie.
Er musste sie dringend aufhalten, sie war doch noch so klein und naiv.
Aber diese ständige Aufregung vertrug er auch nicht mehr. Seine Knochen wurden schließlich auch nicht jünger. Und dann diese unvernünftige Rasselbande – ständig hatte sie nur Unsinn im Kopf. Allen voran die Jüngste.


Plötzlich hörte er ein Quietschen, einen Knall und ein bedrohliches Knirschen. Leute schrien erschreckt auf und wütende Männerstimmen drangen zu ihm hinüber. Was war nur geschehen? Er sauste los, blitzschnell hinüber zum Ort des Geschehens. Zwischen den vielen Beinen konnte er sich geschickt vorbeidrücken. Dann gab die Menge den Blick auf sie frei. Sie lag am Boden, regungslos, aber wunderschön. Wie sich die Sonne auf ihrem glänzenden Fell spiegelte und sie in alle Richtungen zu leuchten schien.
Er stürzte auf sie zu. Als er sie erreicht hatte, stupste er sie vorsichtig mit der Nase an.
Sie regte sich nicht.
„Cat? So wach doch auf! Du liegst hier mitten auf der Straße. Dir kann doch hier so viel passieren.“
Ein rüder Einwurf kam aus unbestimmter Richtung von oben: „Schafft doch endlich die blöden Viecher von der Fahrbahn!“
Er fauchte wütend, plusterte sich ganz dick auf und stellte sich dann schützend vor sein Kind.
Die Verzweiflung machte ihn mürbe. Konnte er denn nichts tun?
Ganz zärtlich und vorsichtig begann er schließlich, mit all seinen vier Pfoten auf ihre Brust zu steigen und zu massieren. Immer eine Pfote nach der anderen. Langsame, kreisende Bewegungen.
Doch es war zwecklos. Er musste zusehen, wie seine jüngste Tochter unter ihm ihr Leben aushauchte.
Er leckte ihr über das Fell. Etwas staubig war es. Wahrscheinlich kam das von der Straße. Sauber sollte sie sein.
Wie oft hatte er sie gerügt. Warum musste das Leben seiner Jüngsten nur auf so grausame Weise beendet werden? Er war kaum mehr fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Doch er hatte noch eine gewisse Pflicht gegenüber ihr. Er konnte nicht zulassen, dass diese neunmalklugen Zweibeiner die angebrachte Trauerruhe störten.
Er setzte sich traurig an ihre Seite um zu wachen und stimmte ein herzzerreißendes, klagendes Maunzen an.
Es beugte sich ein Kind in lächerlicher rosa Tracht zu ihm hinunter und wollte seinem liebsten Herzensgut an die Nase fassen. Er fauchte warnend.
Erschrocken fuhr das Mädchen hoch: „Mami, warum schläft die Katze mitten auf der Straße?“
„Die Katze hat bestimmt nicht ordentlich geguckt, als sie über die Straße ging. Und schau, hier ist auch keine Ampel. Lass uns da drüben auf die andere Seite gehen!“


„Papa? Papa, wo bist du? Warum weinst du denn bloß? Bitte hör auf! Warum holst du mich nicht hier runter? Ich will nicht mehr spielen. Es tut mir doch leid, ich möchte auch nie mehr weg rennen. Bitte, Paps, bitte weine nicht. Es geht mir doch prima.
Ich weiß auch nicht, warum ich hier oben und du da unten bist.
Es tut mir doch leid.
Das war doch nicht mit Absicht. Woher sollte ich denn wissen, dass dieses blöde Ding so schnell ist? Eigentlich hätte ich die andere Straßenseite rechtzeitig erreicht. Vielleicht hat der Mensch mich bloß übersehen.
Oh bitte Papili. Weine nicht.
Mir geht es gut und ich fühle mich… Fühle mich so wunderbar leicht. Wenn ich ehrlich bin: Es ging mir nie besser.
Warum hört denn dieser blöde Typ nicht auf zu schreien? Sieht der nicht, dass es dir nicht gutgeht?
Es wird bestimmt alles gut, lieber Papa.
Ich bin gesund, aber irgendwie habe ich auf einmal Angst.
Kannst du mich denn nicht hören?
Ich habe große Angst. Warum bin ich nicht bei dir da unten. Warum kann ich dich nicht trösten – ich bin doch gesund.
Was bin ich? Wo bin ich? Warum hörst du mich nicht?
Bitte, mach dass es aufhört. Lass uns einfach nach Hause laufen. Ganz schnell.“


Sie hörte sein klägliches Maunzen. Sie erreichte ihn aber nicht. Und es schien, als würde der Boden plötzlich immer weiter weg sein. Und es wurde alles kleiner unter ihr. Doch sie hörte ihren Vater rufen:
„Ich werde immer bei dir sein. Ich werde dich nie vergessen. Ich bin dir nicht böse, mein Liebling.“


Und da hatte sie auf einmal keine Angst mehr.

©Ramona Nicklaus