Rezension: Die Jesuitin von Lissabon

Titus Müller – Die Jesuitin von Lissabon



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Kurzbeschreibung:

Lissabon, 1755: Die Jesuitenhalten Portugal in ihrem Bann. Doch ein apokalyptisches Erdbeben erschüttert ihre Macht. Antero Moreira de Mendoca kann den grausamen Orden vernichten. Er hofft auf die Hilfe der deutschen Kaufmanntochter Leonor. Doch diese ist – die Jesuitin.

Zum Weinen!

Ich muss gestehen, dies war mein erstes Buch von Titus Müller. Dazu muss aber auch gesagt werden, es war garantiert nicht das letzte!!

Leonor und Dalila sind Zwillinge. Sie sind von Grund auf verschieden, haben nur eine einzige Gemeinsamkeit: Sie lieben den gleichen Mann.
Leonor ist sich selbst am nächsten. Sie liebt schöne Kleider, sie liebt das Spiel mit der Verführung und das Spiel mit der Macht. Einmal davon gekostet, kommt sie nicht mehr davon los.

Dalila ist besonnen, hilfsbereit und kann die Launen ihrer Schwester nicht verstehen. Dennoch liebt sie Leonor und würde gerne so sein wie sie. Sie würde auch gerne einmal beliebt bei den Männern sein und nimmt es ihrer Schwester übel, dass diese sich auch noch den Mann nehmen kann, den sie so bedingungslos begehrt.

Antero ist der Mann zwischen den Fronten. Er hat sein Herz gar nicht an Leonor verschenkt, wie es für Dalila den Anschein hat. Als er von Dalila verführt wird, schlägt sein Herz ab sofort nur noch für sie.
Er verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Schmuggel und liebt die Forschung. Vor Jahren hat er sich deswegen den Jesuitin angeschlossen. Nachdem er allerdings die bedingungslose Aufgabe seines Seins bemerkte, machte er sich los und befindet sich seither auf der Flucht vor Malagrida – dem mächtigen Anführer der Jesuiten. Was Antero nicht weiß ist, dass Leonor die heimliche Spionin der Jesuitin ist…

Der Jesuitenorden spielt in dieser Geschichte eine Rolle an erster Stelle. Sie sind der Dreh- und Wendepunkt.
Auch wenn sich die Jesuiten in jener Zeit nicht sehr mit Ruhm bekleckert haben, ist die Meinung des Buches neutral. Titus Müller schildert ihre Schwächen, weist aber auch auf die Stärken hin und unterstreicht diese. Er stellt sich auf keine Seite und gibt dem Buch damit eine einschlägige Meinung.

Der Autor hat alle Reserven seiner Sprachvielfalt für dieses Buch verwendet. Es ist lebendig und farbenfroh, es ist erschütternd und gewaltig. Das Erdbeben 1755 spielt in dieser Handlung ebenfalls eine große Rolle, aber man ist von der Schilderung so eingenommen und überwältigt, dass man glaubt, man wäre selbst dabei gewesen.

Das Buch beschönigt nicht, es zeigt auch die Not und geht darauf ein.

Als Dalila bei dem Beben stirbt, tritt auch ein Sinneswandel bei Leonor ein, der endlich die Gunst beim Leser erringt. Sie möchte das Erbe ihrer Schwester fortsetzen, hilft wo sie kann und rette letztendlich auch Antero und gewinnt seine Liebe.
Die Wandel ist so authentisch und der Tod von Dalila so rührend, dass man am liebsten Weinen würde.

Die Liebe von Antero und Leonor spielt am Rande, man darf also nicht mit leidenschaftlichen Szenen rechnen. Es ist diese kleine Liebe, die man sich erst erarbeiten muss, bevor man sie auskostet.

Ein ganz tolles Buch, unbedingt für die historischen Fans zu empfehlen, da im Buch auch auf die Anfänge der Forschung eingegangen wird. Die Fragen der Menschen von damals sind für uns heute ja schon größtenteils geklärt…
Und wie schon gesagt, jetzt muss man auch unbedingt noch andere Werke dieses Autors lesen!


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