Interview mit Gabriella Engelmann

Gabriella Engelmann hat sich für euch kielfeders Fragen gestellt.


gabriella engelmann
Viel Spaß!


Liebe Gabriella, vielen Dank, dass sie diesen Fragen Ihre Zeit widmen möchten. Bitte stellen Sie sich doch zuerst kurz vor.
Meinen Namen kennen Sie ja schon, was also gibt es noch zu erzählen? Mal sehen … Ich wurde vor 44 Jahren in München geboren, vor 30 Jahren nach Hamburg „umgesiedelt“, wo es mir ausgesprochen gut gefällt. Nach Stationen als Buchhändlerin, Lektorin und Verlagsleiterin schreibe ich seit 2004 – und das mit sehr viel Freude. Wenn ich nicht gerade arbeite oder lese, gehe ich gern ins Kino, ins Theater, in die Natur oder Essen. Ich liebe es, mit Menschen zusammen zu sein, bin aber auch gern für mich allein. Für meine Buchrecherchen in anderen Städten oder auf Inseln nehme ich mir immer eine persönliche „Auszeit“, um auf andere Gedanken zu kommen und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Mich interessieren Menschen (okay, ich geb´s zu: in erster Linie Frauen, denn die machen meist mehr aus ihrem Leben), die sich entwickeln und auch manchmal unkonventionelle Wege gehen. Deshalb schreibe ich auch gern über Frauen an so genannten Wendepunkten ihres Lebens.


Haben Sie immer schon gerne mit Büchern zu tun gehabt?
Ja, seitdem meine Eltern zusammen mit mir Pappbilderbücher angeschaut haben. Als ich selbst begann zu lesen, schleppte ich immer stapelweise Bücher aus der Bücherei und brachte sie zur Verwunderung der Bibliothekarin eine Woche später komplett gelesen wieder zurück. Da war es nur logisch und konsequent, später beruflich etwas mit Büchern zu machen.


Hat Ihnen der Beruf der Buchhändlerin Freude bereitet? Wurde es nicht auf die Dauer langweilig?
Ich habe diesen Beruf von der ersten Sekunde an geliebt – und würde ihn jederzeit wieder ergreifen, wenn die Umstände danach wären. Es hat mir großen Spaß gemacht für Kunden das jeweils passende Buch zu finden, auch wenn es oft lange gedauert hat. Ein weiteres Hobby: Unbekannte Titel oder Autoren zu empfehlen. Langweilig wurde es eigentlich nie. Es gab nur ein paar stereotype Fragen, die ich im Laufe der Zeit nicht mehr hören konnte, hier eine kleine Auswahl: „Haben Sie was Nettes fürs Krankenhaus?“, „Sind Sie die Hauptkasse?“, oder „Ich suche ein Geschenk für jemanden, den ich kaum kenne und von dem ich auch nicht weiß, ob er gern liest“.


Wie war die Umstellung auf die Führung eines Verlages?
Einerseits weitgehend unkompliziert, da ich bereits eine große Abteilung der Thalia Buchhandlung mit mehreren Mitarbeitern geleitet hatte – andererseits eine Herausforderung, weil ich diesmal mit Autoren, Illustratoren, Außendienstmitarbeitern, Agenten und Managern zu tun hatte – bis dato alles Neuland für mich. Alles in allem aber eine spannende Sache, eine Zeit, in der ich unglaublich viel gelernt habe und die ich keinesfalls missen möchte.


Wie haben Sie andere Menschen zum Schreiben gebracht?
Als Verlags- und Programmleiterin war es meine Aufgabe, interessante und kompetente Autoren zu akquirieren. Da „Edition Riesenrad“ sich nach dem großen Erfolg des Bilderbuches von Katja Riemann auf Kinderbücher aus der Feder von Prominenten spezialisiert hatte, habe ich den „Markt“ beobachtet und geschaut, wen ich für talentiert halte, zu wem unser Konzept passt, wer glaubwürdig – und vor allem mit dem Herzen bei der Sache – ist. Waren diese Voraussetzungen erfüllt, war der „Rest“ in der Regel kein Problem, denn die meisten haben sich sehr über meine Anfrage gefreut.


Inwiefern ist dadurch „Die Promijägerin“ entstanden?
Ich habe eines Nachts geträumt, dass ich selbst einen Roman schreibe. Nachdem ich den Gedanken zunächst als komplett abstrus abtat, setzte ich mich irgendwann an den Laptop und heraus kam „Die Promijägerin“. Ich hatte im Laufe von fünf Jahren Verlagsleitung so viele Promis mit all ihren Macken, Liebenswürdigkeiten, Eitelkeiten und sonstigen Besonderheiten kennen gelernt, dass ich intuitiv wusste: Das hat echtes Potenzial für eine Komödie.


Sprudelten die Ideen nur so aus Ihnen heraus und wollten Sie nach Ihrem ersten Buch gleich weiter schreiben?
Beide Fragen kann ich eindeutig mit „ja!“ beantworten. Nach der „Promijägerin“ hatte ich das Gefühl, viele meiner Anekdoten noch nicht untergebracht zu haben. Außerdem stand Marie Teufel zum Ende des Buches hin am Anfang eines neuen Lebensweges. Den wollte ich einfach gern weiter erzählen. Alle Buchideen, die danach entstanden, sind mir im Laufe der Zeit zugeflogen, wofür ich sehr dankbar bin. Es ist zum Glück nach wie vor so, dass ich immer noch mindestens fünf weitere Romane im Kopf habe, die ich gern noch erzählen würde … Hoffentlich bleibt das so!


Haben Sie lange nach Verlagsangeboten suchen müssen, oder kamen die mit der Zeit von selbst?
Im Falle der „Promijägerin“ hatte ich das Glück von einer guten Agentin, aber vor allem von der wunderbaren Autorin Gaby Hauptmann unterstützt zu werden, die mir damals ein tolles Quote für das Buch schrieb. Klar, dass da gleich mehrere Kandidaten Interesse bekundet hatten. Mittlerweile ist es so, dass ich von anderen Verlagen – im Bereich Kinder- und Jugendbuch, aber auch im Falle meiner Komödien unter dem Pseudonym Rebecca Fischer – aktiv von Lektoren angesprochen werde. Ein echter Luxus, und Anlass dankbar zu sein.


Inseln, Meer und Liebe. Gute Themen für romantische Literatur. Was bringt aber Inseln wie Sylt und Amrum in ihre Romane? War es der Charme, oder wollten Sie einfach schon immer mal dorthin?
Ich war schon als Kind fasziniert von Inseln und habe häufig dort Urlaub gemacht. Die Nordseeinseln haben es mir aber immer schon besonders angetan. Von daher ist es natürlich purer Luxus, Privates mit Beruflichem zu verbinden und zu überlegen, welche Geschichten sich dort abseits des Touristentrubels abspielen könnten. Auf Inseln konzentriert sich alles – das ist ja schon räumlich bedingt – also natürlich auch die persönlichen Themen der Heldinnen. Sich von der Weite des Meeres gefangen nehmen zu lassen, kann da manchmal ganz hilfreich sein, auch wenn sich das ein bisschen nach Klischee anhört.


Auf der Homepage steht: Ziegler Film Köln hat die Filmrechte für „Inselzauber“ erworben. Was können Sie dazu sagen? Verläuft das Projekt im Sande?
Mittlerweile ist die Option leider ausgelaufen, weil Ziegler Film Berlin stattdessen den Roman „Ferien auf Sylt-Krokan“ von Nina Kresswitz mit Christine Neubauer in der Hauptrolle an die ARD verkauft hat. Der Film lief neulich und hat mir gut gefallen – also an dieser Stelle Gratulation an Frau Kresswitz! Ehrlich gesagt finde ich aber immer noch, dass mein „Inselzauber“ das Potenzial zu einem TV-Movie hat, zumal es altersmäßig und thematisch eine andere Zielgruppe ansprechen würde. Und man darf ja schließlich auch träumen 😉


Schreiben Sie schon an einem neuen Buch? Können Sie darüber, wenn ja, schon etwas verraten?
Aktuell schreibe ich gerade an einer Komödie für die so genannten „Jungen Erwachsenen“, die 2010 bei Rowohlt/Rotfuchs erscheint. Darin geht es um eine (glückliche) Pessimistin, die nach einem Schlag auf den Kopf zur Optimistin wird. Klingt erst einmal nach Happy End – doch im Falle von July ist es so, dass ihr Leben danach komplett aus dem Ruder läuft. Wie sie aus diesem (vermeintlichen) Dilemma herauskommt, kann man im März nächsten Jahres lesen – sich dabei hoffentlich schlapp lachen und ein bisschen darüber nachdenken, wie man es eigentlich selbst in Sachen Lebenseinstellung hält.


Erst kürzlich erschien ein Buch unter dem Pseudonym „Rebecca Fischer“. Wie kamen Sie zu diesem Namen und überhaupt zu einem Pseudonym?
Da man als Autorin exklusiv bei einem „Hausverlag“ schreibt, sollte man bei Arbeiten für einen anderen Verlag ein Pseudonym wählen, um Handel und Lesern nicht zu irritieren. Viele Autoren wählen diesen Weg auch, um zwei unterschiedliche Genres zu bedienen. Den Namen hat der Verlag aus meinen Favoriten an Vor- und Nachnamen zusammengestellt.


Wird es mehr aus dieser Richtung von Ihnen geben?
Ich hoffe, dass „Lügst du noch oder liebst du schon?“ viele begeisterte Leser findet, weil es mir Spaß macht, ergänzend zu meinen etwas ernsteren Romanen weiterhin Komödien für Erwachsene zu schreiben. Im Kinder- und Jugendbuch kann ich mich diesbezüglich ja auch schon austoben. Eine etwas andere Richtung beschreite ich hingegen bei meinem (modernen) Märchen-Buch (Weiß wie Schnee, rot wie Blut, grün vor Neid – ein mörderischer Schneewittchen-Roman), das Mitte Juni im Arena Verlag erscheint. Dort habe ich eine Thriller-Ader in mir entdeckt, von deren Existenz ich bislang selbst nicht wusste ;-). In diese Richtung wird es hoffentlich auch noch ein bisschen weitergehen. Als nächstes steht bei Arena „Dornröschen“ auf dem Programm.


Wie kamen Sie zum Literary-Scouting?
Diese Entscheidung entstand nach meiner Kündigung im Verlag. Ich hatte nach wie vor Ideen zu Buchprojekten und suchte nach einem Weg, diese verwirklichen zu können, ohne beim Verlag angestellt zu sein, oder eine Agententätigkeit auszuüben. Also habe ich mit Agenturen, die ich mag und denen ich vertraue, eine Basis der Zusammenarbeit gefunden, um Buchprojekte zu realisieren und neue Talente zu entdecken und zu fördern.
Würden Sie das Literary-Scouting kurz näher erläutern?
Ich arbeite in diesem Fall als eine Art „Subunternehmerin“ für literarische Agenturen und damit auf Erfolgsbasis. Ich prüfe und redigiere Manuskripte, die an mich herangetragen werden, oder konzipiere selbst Buchideen und suche passende Autoren. Aus Zeitgründen muss ich stark selektieren und konzentriere mich schwerpunktmäßig auf Projekte, die ich selbst entwickle. Meine jüngsten „Coups“: Die Jugendbücher der NDR-Moderatorin Birgit Hasselbusch, die ich für eine sehr talentierte und kreative Autorin halte, was der Rowohlt Verlag offenbar genauso sieht. Und die Zusammenarbeit an der tollen Kurzgeschichte „Seelenverwandte“, mit dem erfolgreichen Texter und Sänger Frank Ramond (schreibt u.a. für Annett Louisan, Ina Müller und Roger Cicero), die im Februar 2011 in der Anthologie „Liebe macht doof“ im Fischer Taschenbuchverlag erscheint.


Was ist Ihr größter Traum?
Mit mir selbst möglichst immer im Reinen zu sein. Selbstbewusst, mutig, optimistisch und gesund im Leben zu stehen und meine Zeit mit Menschen, die ich liebe zu verbringen, denen es genauso gut gehen soll. Außerdem wäre ich gern meine Katzenallergie los, dann könnte ich endlich hemmungslos mit ihnen schmusen … ach ja: ein Häuschen an der Nordsee wäre auch schön, es darf auch klitzeklein sein ….


Wie lange schreiben Sie schon?
Ich schreibe seit 2003. Ich habe – schon damals unter Pseudonym – bei Edition Riesenrad einige Kinderkurzgeschichten für Prominente geschrieben, die in der Anthologie „Pfeif der Angst ein Liedchen“ (Ein Projekt gegen rechte Gewalt, dessen Teilerlöse der Aktion Gesicht zeigen e.V. zu Gute kamen) abgedruckt wurden. Die Promis haben sich gefreut, bei einem so schönen und ambitionierten Buch dabei sein zu dürfen – und ich habe dabei für mich ungeplanter weise das Schreiben entdeckt. Der nächste Schritt war dann mein Debütroman.


Haben Sie schreibende Vorbilder?
Keine direkten, aber viele, viele Autoren, die ich sehr mag. Dazu gehören aus dem Comedy-Genre auf alle Fälle Steffi von Wolff, Kerstin Gier und Sophie Kinsella. Ich mochte aber auch „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner und liebe die beiden „Nordwind“- Bücher von Daniel Glattauer. Aus dem ernsten Genre lese ich sehr gern Künstlerbiografien, Texte von Wilhelm Genazino, Thomas Bernhard oder Satiren auf den Literaturbetrieb wie „Das bin doch ich“ von Thomas Glavinic. Und je länger ich nachdenke und in meine Regale schaue, desto mehr fällt mir ein. Ich bin wohl wirklich eine echte „Bücherfrau.“ Mein neues Lieblingsbuch ist übrigens „Königskinder“ von Gernot Gricksch!


Wie sieht ein typischer Schreibtag bei Ihnen aus?
Er beginnt zunächst damit, dass ich (im Bett sitzend), einen großen Becher Milchkaffee trinke und den vorangegangenen Tag Revue passieren lasse. Ich führe mir vor Augen, was mir alles Schönes passiert ist und überlege dann, worauf ich mich am heutigen Tag freuen kann. Nachdem ich meine Mails gelesen und beantwortet habe, checke ich das Amazon-Ranking, meiner Bücher. Als nächstes lese ich Korrektur dessen, was ich am Tag zuvor geschrieben habe und beginne mich selbst zu redigieren. Dann schreibe ich ein paar Stunden, bis ich Hunger bekomme. (Eigentlich habe ich fast immer Hunger, das nur so nebenbei). Die Mittagspause verbringe ich häufig mit meinem Freund, meiner besten Freundin Steffi von Wolff, oder Kolleginnen (Eimsbüttel ist ein echtes Autorennest) – also mit Menschen, die ebenfalls freiberuflich arbeiten. Ich genieße es sehr, aus meinem Arbeitszimmer zu verschwinden und für ein bis zwei Stunden Bücher einfach Bücher sein zu lassen. Danach schreibe ich je nach Tagesform bis in den Abend hinein. Eine Regel gibt es dabei allerdings: Spätestens um halb acht muss der Computer aus sein, weil ich sonst nicht abschalten kann und die Romanfiguren mich den ganzen Abend und später in meinen Träumen begleiten …


Wie leicht können Sie sich von Ihren Figuren am Ende verabschieden?
Ehrlich gesagt nicht so leicht. Schließlich ist es bei ihnen ja ein bisschen wie bei Kindern: man bringt sie auf die Welt, dann auf den Weg – und irgendwann muss man loslassen und kann ihnen nur das Beste wünschen. Vielleicht ist es daher auch ganz natürlich, dass ich im Geiste ihre Geschichten immer mal wieder weiterspinne, um ihnen den Rahmen für eine Fortsetzung zu geben. Realisiert habe ich das aber bislang nur bei der „Jagdsaison für Märchenprinzen“, dem Nachfolger der „Promijägerin“. Ein weiteres Lieblingsspiel von mir ist es übrigens, Figuren aus unterschiedlichen Büchern aufeinander treffen zu lassen. Aber mit dieser Marotte stehe ich vermutlich nicht ganz allein auf weiter Flur …


Vielen Dank, dass sie sich Zeit für das Interview genommen haben. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg weiterhin!
Vielen Dank, liebe Frau Nicklaus, dass Sie so schöne Fragen gestellt haben. Weiterhin ganz, ganz viel Erfolg für Ihren Blog und herzlichen Dank für die schöne Unterstützung!

Comments

  1. Oh Oh immer wenn ich G.E. Namen höre oder lese fällt mir ein, was ich eigentlich tun wollte…. 😉

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