Rezension: Vier Pfoten und drei Kilo zu viel

Elizabeth Wrenn – Vier Pfoten und drei Kilo zu viel




„Vier Pfoten und drei Kilo zu viel“ bei amazon.de



Kurzbeschreibung:
Die Kinder fast aus dem Haus, die Ehe in die Jahre gekommen, dazu der ständige Ärger mit den überflüssigen Pfunden – Deena ist zurzeit alles andere als zufrieden mit sich. Da tapst der Welpe Heloise in ihr Leben und stellt es von einem Tag auf den anderen völlig auf den Kopf…


Deena ist übergewichtig, putzsüchtig und weiß mit ihrem Leben nichts mehr anzufangen. Sie sehnt sich nach einem Baby, nach Liebe – nach einem Ausweg aus der Midlife-Crisis. Sie findet ihn in Gestalt eines kleinen Hundes, den sie für die Ausbildung zum Blindenführhund vorbereiten möchte.


Das hat sie sich einfacher vorgestellt, als es ist. Nach anfänglicher Entmutigung lernt sie Heloise immer besser zu verstehen. Lernhürden werden mit Spaß und Ideenreichtum überwunden.
Deena findet neue Freunde und lernt jeden Tag dazu. Sie tut etwas für sich und denkt auch mal an sich. Sie lernt, dass ihre Familie auch ohne ihre ständige Anwesenheit überleben kann.
Doch nicht alles läuft im Leben immer geradeaus. Als Deena sich endlich aus ihrem Zwang befreit in die Unabhängigkeit gleiten lassen will, entsteht Zwist mit ihrem Mann. Der gegenseitige Verdacht auf Affären lässt die Beziehung brodeln.


Das Buch ist so authentisch geschrieben, dass wir wohl jetzt alle unsere Eltern verstehen können.
Der Hund ist so natürlich und authentisch, dass wir uns am liebsten selbst einen zulegen würden.
Der Leser hat zwar hier keine tiefgründige, literarisch „wertvolle“ Literatur vor sich, aber dennoch etwas, was die Mundwinkel in die Höhe zieht.
Es ist schön zu wissen, dass die Autorin selbst einen Hund für diesen Roman erzogen hat. Dadurch trägt sie dem Leser die Situationen sehr nahe und auch die hier entstehenden Familienprobleme.
Dieses Buch ist voller Überraschungen und mehr kann ich dazu auch gar nicht schreiben.
Hundeliebhaber werden dieses Buch lieben, aber auch Menschen ohne Tiere können sich in diesem Buch wiederfinden.


Lest es!


Bewertung:

Rezension: Die Jesuitin von Lissabon

Titus Müller – Die Jesuitin von Lissabon



„Die Jesuitin von Lissabon“ bei amazon.de

Kurzbeschreibung:

Lissabon, 1755: Die Jesuitenhalten Portugal in ihrem Bann. Doch ein apokalyptisches Erdbeben erschüttert ihre Macht. Antero Moreira de Mendoca kann den grausamen Orden vernichten. Er hofft auf die Hilfe der deutschen Kaufmanntochter Leonor. Doch diese ist – die Jesuitin.

Zum Weinen!

Ich muss gestehen, dies war mein erstes Buch von Titus Müller. Dazu muss aber auch gesagt werden, es war garantiert nicht das letzte!!

Leonor und Dalila sind Zwillinge. Sie sind von Grund auf verschieden, haben nur eine einzige Gemeinsamkeit: Sie lieben den gleichen Mann.
Leonor ist sich selbst am nächsten. Sie liebt schöne Kleider, sie liebt das Spiel mit der Verführung und das Spiel mit der Macht. Einmal davon gekostet, kommt sie nicht mehr davon los.

Dalila ist besonnen, hilfsbereit und kann die Launen ihrer Schwester nicht verstehen. Dennoch liebt sie Leonor und würde gerne so sein wie sie. Sie würde auch gerne einmal beliebt bei den Männern sein und nimmt es ihrer Schwester übel, dass diese sich auch noch den Mann nehmen kann, den sie so bedingungslos begehrt.

Antero ist der Mann zwischen den Fronten. Er hat sein Herz gar nicht an Leonor verschenkt, wie es für Dalila den Anschein hat. Als er von Dalila verführt wird, schlägt sein Herz ab sofort nur noch für sie.
Er verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Schmuggel und liebt die Forschung. Vor Jahren hat er sich deswegen den Jesuitin angeschlossen. Nachdem er allerdings die bedingungslose Aufgabe seines Seins bemerkte, machte er sich los und befindet sich seither auf der Flucht vor Malagrida – dem mächtigen Anführer der Jesuiten. Was Antero nicht weiß ist, dass Leonor die heimliche Spionin der Jesuitin ist…

Der Jesuitenorden spielt in dieser Geschichte eine Rolle an erster Stelle. Sie sind der Dreh- und Wendepunkt.
Auch wenn sich die Jesuiten in jener Zeit nicht sehr mit Ruhm bekleckert haben, ist die Meinung des Buches neutral. Titus Müller schildert ihre Schwächen, weist aber auch auf die Stärken hin und unterstreicht diese. Er stellt sich auf keine Seite und gibt dem Buch damit eine einschlägige Meinung.

Der Autor hat alle Reserven seiner Sprachvielfalt für dieses Buch verwendet. Es ist lebendig und farbenfroh, es ist erschütternd und gewaltig. Das Erdbeben 1755 spielt in dieser Handlung ebenfalls eine große Rolle, aber man ist von der Schilderung so eingenommen und überwältigt, dass man glaubt, man wäre selbst dabei gewesen.

Das Buch beschönigt nicht, es zeigt auch die Not und geht darauf ein.

Als Dalila bei dem Beben stirbt, tritt auch ein Sinneswandel bei Leonor ein, der endlich die Gunst beim Leser erringt. Sie möchte das Erbe ihrer Schwester fortsetzen, hilft wo sie kann und rette letztendlich auch Antero und gewinnt seine Liebe.
Die Wandel ist so authentisch und der Tod von Dalila so rührend, dass man am liebsten Weinen würde.

Die Liebe von Antero und Leonor spielt am Rande, man darf also nicht mit leidenschaftlichen Szenen rechnen. Es ist diese kleine Liebe, die man sich erst erarbeiten muss, bevor man sie auskostet.

Ein ganz tolles Buch, unbedingt für die historischen Fans zu empfehlen, da im Buch auch auf die Anfänge der Forschung eingegangen wird. Die Fragen der Menschen von damals sind für uns heute ja schon größtenteils geklärt…
Und wie schon gesagt, jetzt muss man auch unbedingt noch andere Werke dieses Autors lesen!


Bewertung:

Rezension: Das Krähenweib

Corina Bomann – Das Krähenweib


corina bomann-krähenweib
„Das Krähenweib“ bei amazon.de

Kurzbeschreibung:

Als Annalena Habrecht 1701 den aufstrebenden Apothekerlehrling Johann Friedrich Böttger kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf. Doch Johann hat neben ihr noch eine andere Geliebte: die Alchemie! Und diese Liebe ist trügerisch, denn sie führt den vermeintlichen Goldmacher in die Kerker Augusts des Starken. Annalena folgt ihm nach Dresden und findet sogar eine Anstellung am Hof. Doch kann es ihr gelingen, Johann aus den Fängen des mächtigen Kurfürsten zu befreien?

Starkes Buch!

Ein Buch, wo die Protagonistin aus einer fast unbekannten Schicht kommt… Henker sind sonst bloß die, welche das Leben anderer beenden und die von den Helden unzähliger Geschichten gefürchtet werden.
Doch schon der Prolog, wo Annalena noch ein kleines Mädchen ist und weint, macht die ganze Handlung von Beginn an menschlich und man hat Annalena als Henkerstochter gern.

Annalena ist verheiratet mit einem gewalttätigen Mann, der sie erniedrigt und unterdrückt. Er ergötzt sich täglich an ihrer Furcht.
Annalena kämpft gegen die Vorurteile, die ihren niederen Stand umgeben und flieht schließlich auch von ihrem Gatten nach Berlin.

Johann ist ein netter Bursche mit Herz. Dieses gehört allerdings nicht nur Annalena sondern auch der Forschung. Er will Gold herstellen können, ebenso wie den mächtigen Stein der Weisen.
Die Alchemie steht als starker Gegner zwischen Annalena und Johann.

Doch die Goldmacherei zieht bald viel größere Probleme mit sich. Johann bekommt Angst vor der Macht des Goldes und flieht zu Annalena. Als der König ihn mit einer hohen Belohnung suchen lässt, wird Johann verraten.
Rasant und entgegen jedem Vorurteil wird die zarte Liebe auf eine harte Probe gestellt.
Krähen ziehen sich als roter Faden durch das gesamte Buch. Die Bedeutung erschließt sich beim Lesen.

Während der Handlung findet Annalena mächtige Freunde und eiskalte Feinde. Bis zum Schluss wird die Antwort auf die Eine Frage: Werden sich Johann und Annalena wiedersehen? hinausgezögert. Und auch Annalenas Ehemann möchte noch eine offene Rechnung mit seiner Frau begleichen.

Gefühlvoll, spannend und traurig zugleich hat mich das Buch berührt zurückgelassen.
Eine Geschichte über eine starke Persönlichkeit, die gegen die Zwänge ihres Standes kämpft.
Mein Fazit: Absolut empfehlenswert!


Bewertung:

Rezension: Der Sünde Sold

Inge Löhnig – Der Sünde Sold


Der Sünde Sold

„Der Sünde Sold“ bei amazon.de

Kurzbeschreibung:

„Eine Frau will nur noch vergessen. Ein Mann fühlt sich berufen. Ein Kind verschwindet spurlos. Bald jagt Kommissar Konstantin Dühnfort im bayrischen Mariaseeon einen sadistischen Mörder, der die Strafen der Inquisition das Licht der Welt neu erblicken lässt. Unter den Dorfbewohnern geht die Angst um. Einer von ihnen ist der Täter und Dühnfort muss ihn finden, bevor er erneut zuschlägt.“

Beeindruckend!

Dieser Debütkrimi von Inge Löhnig ist packend, spannend und zieht alle Register.
Konstantin Dühnfort ist ein akribischer Mensch, allein und wirkt manchmal etwas verloren. Er recherchiert dauerhaft und verliert nie den Faden, er hat immer wieder neue Gedanken, sodass der rote Faden dieses verzwickten Rätsels niemals abhanden kommt. Er hat die Zügel in der Hand.
Agnes Gaudera spielt eine nicht minder wichtige Rolle. Ihre Person ist ziemlich schüchtern, voller Trauer und zu Beginn auch noch sehr verschlossen und voller Selbstzweifel. Sie gibt sich selbst die Schuld am Tod ihres Mannes und ihrer Tochter. Sie sucht eigentlich Abstand und wird ungewollt in diese Geschichte hineinverstrickt. Sie ist verknüpft mit den Ermittlern, aber auch dem Täter (unbewusst).
Dühnfort und Agnes kommen sich in „Der Sünde Sold“ langsam näher, auch wenn es mehr eine Beziehung Ausgehungerter ist. Außerdem ist da auch noch die eifersüchtige Polizisten Gina, welche sich in ihren Boss verliebt hat.

Die eigentliche Handlung ist sehr komplex und umfangreich. Sie ist gut durchdacht und mit vielen Details angereichert.
Zum Ende jeden Kapitels stellt der Leser sich neue verzwickte Fragen. Man muss einfach weiter lesen.
Das gut durchdachte Katz- und Maus-Spiel hält alle Beteiligten in Atem. Die Szenen sind so lebendig, dass man sich manchmal schon selbst fragt, ob da nicht jemand in der dunklen Zimmerecke steht….
Bis zum Schluss hat die Autorin ihre Auflösung hinausgezögert. Zuvor hat sie eine ganze Reihe möglicher Täter ins Visier gerückt und den Leser immer wieder auf Neue aufs Glatteis gelockt.

Die privaten Aspekte von Agnes gehen oft unter die Haut. Die Todesumstände ihrer Familie lösen sich erst im letzten Abschnitt auf. Ein geheimnisvoller Brief ihres verstorbenen Gatten erreicht sie genau ein Jahr nach der tödlichen Katastrophe…. Einiges hat man vorher schon geahnt, oder wenigstens in Betracht gezogen. Aber bei den ganzen Schicksalsschlägen tat mir Agnes sehr leid…

Mein Fazit: Raffiniert und selbstbewusst ist dies ein atemberaubendes Krimidebüt, was an jeden Krimileser bedingungslos zu empfehlen ist.

Rezension: Unland

Antje Wagner – Unland


Unland-Antje wagner

Kurzbeschreibung:

Die vierzehnjährige Franke ist der „Neuzugang“ im Haus Eulenruh, einem Wohnprojekt für sieben Kinder und Jugendliche. Doch irgendetwas stimmt nicht in dem kleinen Elbdorf. Wieso schweigen die Erwachsenen so beharrlich, wenn man sie auf Unland, diese düstere Ruinenlandschaft am Waldrand, anspricht? Als eines Tages zwei Jungen aus dem Haus Eulenruh verdächtigt werden, einen mysteriösen Diebstahl begangen zu haben, gründet Franka eine Bande. Während die „Eulen“ versuchen herauszufinden, wer hinter der Verleumdung steckt, stoßen sie auf ein viel größeres und unheimlicheres Geheimnis.

Spannend und lustig!

Das Cover sieht nicht weiter spektakulär aus und der Klappentext verspricht eine Handlung zwischen Detektivgeschichten und alltäglichen Erlebnissen.
Ich habe dieses Buch gelesen und musste meine erste Meinung vollkommen umstellen.

Die Autorin geht sehr auf einfühlsam mit den Sichtweisen der Heranwachsenden um. Der versteckte Witz fehlt nicht und die kindliche Neugier ist immer wieder zu spüren.

Franka ist ein sehr eigenwilliger Charakter, welchen man nachvollziehen kann. Sie steht in der Phase eines pubertierenden Mädchens, in welcher sie kein Mädchen mehr sein möchte. Sie ist frech und schlagfertig und setzt sich gegen die täglichen Hänseleien in der Schule zur Wehr.
Ann und Lizzie, die Zwillinge, sind vollkommen unterschiedlich. Sie beide haben einen total anderen Kopf, doch auch sie machen erste Bekanntschaften mit der Liebe. Lizzie lässt alle Jungs der Schule nacheinander abblitzen, bis sie sich endlich verliebt. Ann macht die gleiche Phase durch, nur trifft Amors Pfeil hier ein Mädchen. Schon das sorgt für einigen Trubel.

Jedes Kind im Haus Eulenruh hat eine bewegende Geschichte hinter sich. Es ist authentisch und auch vollkommen richtig, finde ich, dass die Autorin auch brisante Informationen über die Kinder andeutet. Anders wäre die Geschichte wohl auch nicht glaubwürdig.

Das Geheimnis könnte die Neugier des Lesers wecken. Nach und nach ermitteln die Kinder und finden einiges heraus… Die Autorin ist geschickt an diese Sache herangegangen. Sie baut eine unheimlich gruselige Spannung auf, verrät aber trotzdem das Geheimnis noch nicht, sodass die Spannung über das Ende hinaus erhalten bleibt.

Zum Schluss merkt man, dass der Roman eine total interessante Mischung aus Spannung, Fiction, Tragik und Realität ist.
Das Ende kann man fast schon als tragisch bezeichnen. Der Leser erfährt auch nicht, ob es den Kindern letztendlich gelungen ist – das muss man sich selbst denken.

Ein ganz toller Roman für Jugendliche. Spannend umgesetzt und außerdem mit vielen lustigen Elementen des Heranwachsens gespickt.
„Unland“ von Antje Wagner verspricht für jeden anderes zu werden, als er sich von der Beschreibung her erwartet.

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Format: Hardcover
ISBN: 9783407745118 Bewertung:
Erscheinungstermin: k.A.
Verlag: k.A.
Übersetzung: