Autor und Lektor: „Sie war wie ein rettender Engel“

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Von Susanna Ernst erscheint heute ihr neues Buch „So wie die Hoffnung lebt“.
Zuletzt las ich von ihr Das Leben in meinem Sinn und auch zum neuesten Buch wird es bald eine Rezension geben.

Susanna arbeitet mit der Lektorin Isabell Spanier bei Droemer Knaur zusammen und ich habe diese beiden vielbeschäftigten Frauen zu einem gemeinsamen Interview gewinnen können.

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Links Susanna Ernst und rechts Isabell Spanier

Wie aus einem Manuskript ein Roman wurde

Wie sah eure erste Begegnung aus? War es vielleicht ein Manuskript, das auf dem Schreibtisch von dir, Isabell, landete, oder vielleicht ein Treffen?


Susanna:
Wir sind einander für die Zusammenarbeit von „So wie die Hoffnung lebt“ vorgestellt worden – und das in Form einer E-Mail meiner damaligen Lektorin, die den Job wechselte. Dann meldete sich Isabell bei mir. Sie hatte das Exposé schon, las gerade das Manuskript, und wir stiegen relativ zielstrebig in die Zusammenarbeit ein. Das mussten wir auch, denn gerade bei „So wie die Hoffnung lebt“ war der Zeitplan recht straff.

Wie gestaltet sich eure Zusammenarbeit? Seht ihr euch regelmäßig, schreibt ihr euch E-Mails/ Postkarten/ etc.?


Isabell:
Susanna und ich führen einen regen E-Mailkontakt, der sich immer dann, wenn eines ihrer Projekte in die „heiße“ Phase steuert, intensiviert. In dieser Zeit telefonieren wir auch öfter als sonst. Unser erstes Treffen fand im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt. Durch die monatelange Zusammenarbeit im Vorfeld war unser Umgang zu diesem Zeitpunkt schon sehr vertraut. Dort habe ich auch Susannas Ehemann und ihre Kinder kennengelernt, was mich unglaublich gefreut hat.

Susanna, wie gehst du mit Korrekturen und Kritik von Isabell um?
Lässt du das immer erstmal sacken und setzt dich dann damit auseinander?
Nickst du alles ab? Wie reagierst du?


Isabell ist unglaublich gut in dem, was sie tut. Ich werde nie vergessen, dass das Manuskript von „So wie die Hoffnung lebt“ ursprünglich 650 Seiten umfasste. Ich wusste genau, dass ich den Rahmen damit hoffnungslos gesprengt hatte und war den Text unmittelbar vor Abgabe auch noch einmal komplett durchgegangen, in dem Versuch, ihn zu kürzen (mit dem Ergebnis, dass er danach noch drei Seiten länger war als zuvor 🙂 ).
An dieser Stelle kam Isabell wie ein rettender Engel ins Spiel. Denn gemeinsam mit ihr habe ich es tatsächlich geschafft, das Buch um fast 200 Seiten zu kürzen, ohne inhaltlich irgendetwas fehlen zu lassen.

Ich bin dankbar für jeden Denkanstoß, den sie mir gibt. Aber alles nicke ich trotzdem nicht ab. Wenn Isabell mir ihre Änderungsvorschläge schickt, fängt es sofort an, in meinem Kopf zu rattern. Zu den allermeisten ihrer Ideen finde ich sofort einen Zugang und überlege schon bald, wie ich die entsprechenden Stellen umschreiben kann. Es gibt aber auch manche, ganz wenige Parts, an denen sich für mich nichts oder nicht mehr allzu viel rütteln lässt. Die sich einfach nicht mehr authentisch anfühlen würden, wenn man sie verändern würde, egal wie. Das sind dann die Punkte, die ich nach reiflicher Überlegung an Isabell zurückmelde. Und bisher war das nie ein Problem für sie.

Zwei Multitalente

Isabell, was macht Susanna für dich als Autorin aus?


Susanna ist eine Autorin, die mich immer wieder zum Staunen bringt. Sie verfügt nicht nur über ausgefallene Plotideen und ein tolles Gespür für unvorhersehbare Wendungen, sondern auch über unglaublich kreative Selbstvermarktungskünste. Für ihren neuen Roman hat sie Stoffherzen genäht und filigrane Halsketten angefertigt. Als ich die Ergebnisse zu sehen bekommen habe, war ich schwer beeindruckt. Susanna ist wirklich ein Multitalent und man merkt all ihrem Tun an, wie sehr sie das Geschichtenerzählen liebt. Außerdem hat sie ein Händchen dafür, ihre Leser bestmöglich einzubinden. Das macht sie zu einer Autorin zum Anfassen.

Susanna, was hast du bisher aus der Zusammenarbeit mit Isabell mitgenommen?


Ich habe meine Art zu schreiben durch die Zusammenarbeit mit Isabell etwas umgestellt. Nicht vom Stil her, natürlich. Aber früher habe ich einfach drauflos geschrieben, immer weiter, ohne die vorangegangenen Szenen noch einmal durchzulesen. Dann, wenn ich mit dem ersten Durchgang fertig war, bin ich das komplette Skript noch einmal durchgegangen, habe die Sätze teilweise umgestellt, ergänzt oder gekürzt. Diesen Vorgang habe ich etliche Male wiederholt, bis ich das Manuskript abgegeben habe. Seit der Zusammenarbeit mit Isabell – vermutlich durch diese enorme Kürzung, die wir gemeinsam vorgenommen haben – prüfe ich quasi jeden Absatz sofort auf seine Daseinsberechtigung und ob man ihn nicht doch etwas prägnanter formulieren könnte.
Außerdem hat Isabell ein tolles Gespür für Spannungskurven und auch dahingehend bin ich nun deutlich kritischer als zuvor.

Sympathie, Achtung und Herzlichkeit

Wie viel Vertrauen macht eure Verbindung aus?
Existiert zwischen euch eine Bindung, außerhalb des Austauschs über das Geschriebene?


Susanna:
Zu Beginn unserer Zusammenarbeit haben wir uns zunächst auf „nicht allzu viel Drumherum“ geeinigt. Das lag aber vor allem daran, dass es zeitlich echt eng war und wir beide extrem viel um die Ohren hatten. Außerdem weiß ich inzwischen, dass wir uns in unserer Art zu arbeiten sehr ähneln und beide voll und ganz in dem versinken, was wir gerade tun.
Aber besonders während dieser intensiven Zusammenarbeit kam auch schnell ein hohes Maß an Achtung und Sympathie zwischen uns auf. Inzwischen sind unsere E-Mails sehr herzlich, manchmal „schwätzen“ wir auch ein wenig privat, aber generell bleiben wir doch immer auf das gemeinsame Ziel fokussiert, das bestmöglichste Buch zu schreiben und zu veröffentlichen. Ich vertraue Isabell voll und ganz. Und das ist auch wichtig, denn mit jedem eigenen Text, den man jemanden lesen lässt, gibt man ja auch ein Stück von sich selbst, ein Stück seines Innersten, preis.

Was macht die Zusammenarbeit mit dem jeweils anderen für euch beide besonders?
Was wolltet ihr einander vielleicht schon lange mal sagen?


Isabell:
Ich arbeite unglaublich gerne mit Susanna zusammen. Sie ist bei allem, was sie tut, sehr professionell und strukturiert. Ihre gefühlvollen Geschichten und die besonders gezeichneten Figuren berühren mich jedes Mal aufs Neue.

Susanna:
Mit Isabell zu arbeiten fühlt sich für mich sehr produktiv an, und das auf eine sehr angenehme, unaufgeregte, geschmeidige Art. Ich denke, zwischen uns passt es einfach, und das ist gewiss nichts Selbstverständliches. Ich habe in meinen bisher nur fünf Jahren des professionellen Schreibens jetzt schon mit insgesamt acht Lektorinnen zusammen gearbeitet (für Droemer Knaur, Ravensburger und einen kleineren Verlag). Das hat immer gut funktioniert. Dennoch hoffe ich sehr, noch möglichst lange mit Isabell zusammen arbeiten zu können, denn wann immer mir mein Postfach eine neue E-Mail von ihr meldet, freue ich mich sehr darüber – auch schon vor dem Öffnen. Und das war in der Vergangenheit bei weitem nicht immer so.

Danke, dass ihr beide mir für meine Fragen zur Verfügung gestanden habt!

Ist dir, lieber Leser, bewusst gewesen, dass Lektoren oftmals die rettenden Engel sind?

Kommentare

  1. Hey Ramona 🙂

    die Reihe gefällt mir wirklich gut. Es ist unglaublich interessant zu lesen, wie verschieden sich das Verhältnis zwischen Autor und Lektor gestaltet. Ich bin gespannt auf das, was noch kommt. 😉

    Liebste Grüße,
    Tati

  2. Hallo Ramona!

    Ich wusste schon, dass Lektoren auch einen richtig großen Anteil am Erfolg eines Buches haben und finde es dennoch spannend, wie die Arbeit funktioniert, weil sich das ja sicherlich von Lektor zu Lektor und Autor zu Autor auch unterscheidet. An sich ist es ja auch nicht verwunderlich, finde ich zumindest, denn gemeinsam kommt doch eh meist auf viel kreativere Dinge als so ganz allein ohne Input von außen.

    Viele Grüße, Ramona

  3. Hallo liebe Ramona,
    ich habe dir ja schon bei deinem ersten Beitrag gesagt, dass ich die Reihe wirklich toll finde und auch dieses Mal bin ich wieder begeistert. Das Lesen hat großen Spaß gemacht und beide Frauen sind mir so ungeheuer sympathisch gewesen, dass ich gerne noch ein bisschen weiter gelesen hätte.

    Wenn man hier so liest, welch großen Anteil der Lektor an jedem Buch hat und man dann sieht, wie wenig Erwähnung er eigentlich findet, bin ich der Meinung, dass sich daran etwas ändern sollte. Lektoren sollten genannt und gewürdigt werden.

    Liebe Grüße und ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag dieser Reihe.
    Maike

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